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Handyspiel mit tödlicher Folge
Den Rettungskräften an der Unfallstelle bei Bad Aibling bot sich ein Bild der Verwüstung. Bei dem Zusammenstoß zweier Züge starben zwölf Menschen. Nun steht der Fahrdienstleiter vor Gericht. Foto: dpa
Zugunglück

Handyspiel mit tödlicher Folge

Der Fahrdienstleiter von Bad Aibling muss sich von heute an vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft.

10.11.2016
  • DPA

Traunstein/Bad Aibling. Dieses Gericht hat Erfahrung mit großen Unglücken. Am Landgericht im bayrischen Traunstein wurde schon der Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall mit 15 Toten im Jahr 2006 verhandelt. Zudem ging es diesen Februar um ein Inferno in einen Bauernhof, bei dem 2015 sechs Urlauber starben. Nun verhandelt eine Große Strafkammer des Gerichts einen der schlimmsten Bahnunfälle der deutschen Geschichte: dem Zugunglück von Bad Aibling.

Von heute an muss sich ein Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Dem 40-Jährigen soll den Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge am 9. Februar in Bad Aibling verschuldet haben. Zwölf Menschen starben, 89 Insassen wurden teils schwer verletzt.

Der Unfall ereignete sich mitten in den Faschingsferien – so saßen keine Schüler im Zug, auch etliche Berufspendler hatten frei. Um 6.47 Uhr krachen die Meridian-Züge ineinander. Ein Triebwagen wurde aus dem Gleis geworfen, der entgegengesetzte schlitzte die Front des anderen Zuges regelrecht auf. Ein schreckliches Bild: Feuerwehrleute mussten über Stunden hinweg die Toten und Verletzten aus deformierten Waggons holen.

Vom Smartphone abgelenkt

Schnell war klar, dass das Unglück auf menschliches Versagen zurückgeht. Der Fahrdienstleiter war schon am Unglückstag ins Visier der Ermittler geraten, bliebt aber erst auf freiem Fuß. An einem geheimen Ort kümmerten sich Psychologen um ihn. Nach zwei Monaten dann Gewissheit: Die Daten auf dem Smartphone des Fahrdienstleiters belegen den Ermittlern zufolge, dass der Mann bis kurz vor dem Unfall mit dem Handy beschäftigt war. Der Mann spielte bis kurz vor dem Zusammenstoß das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Smartphone, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Dabei hätte er sein privates Handy im Dienst gar nicht benutzen dürfen.

Vom Spielen abgelenkt schickte er den Ermittlungen zufolge beide Züge zwischen den Bahnhöfen Kolbermoor und Bad Aibling gleichzeitig auf die eingleisige Strecke. Technische Vorrichtungen, die das verhindern, setzte er durch ein Sondersignal außer Kraft. Als er den Irrtum bemerkte, beging er laut Anklage einen weiteren Fehler: Er wollte die Lokführer noch warnen, erwischte aber den falschen Knopf, so dass der Alarm nicht ankam.

Gut fünf Monate nach dem Unglück hatte die Staatsanwaltschaft Traunstein Anklage erhoben. Der Vorwurf gegen den 40-Jährigen lautet auf fahrlässige Tötung. Dem Bahn-Mitarbeiter drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Viele Sachverständige geladen

Mehr als 20 Angehörige von Todesopfern und Schwerverletzten nehmen als Nebenkläger am Prozess teil. Im Verfahren werden zahlreiche Zeugen aussagen, vor allem Polizisten und Bahnmitarbeiter. Außerdem hat das Gericht mehrere Sachverständige geladen, die etwa zur Handynutzung des Angeklagten oder zu den Signalanlagen auf der Strecke und dem Stellwerk in Bad Aibling befragt werden. Viele bahntechnische Details dürften dabei bis ins Kleinste erörtert werden. dpa

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10.11.2016, 06:00 Uhr

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