Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Füchsin und Hirsch feiern fröhlich

Hans Mendler stellt seine Werke in der Galerie des Klosters aus / Vernissage am Sonntag

Die Not, für eine ausgefallene Ausstellung Ersatz zu finden, bescherte dem neuen Kunstvereinsvorsitzenden Benno Müller den Glücksfall neben dem Kunstwerk „Zuneigung“ in der Fußgängerzone noch weitere 50 Werke des Leonberger Künstlers Hans Mendler in der Galerie des Klosters zeigen zu können.

12.06.2015

Von hans-michael greiss

Horb. Auf seine Bronzeplastik angesprochen, meinte Mendler, an dem Platz vor den schreiend orangen Verkaufskästen eines Drogeriemarktes käme sein Werk nicht richtig zur Geltung. In Bulgarien, wo man auch gerne im Konsumluxus leben möchte, entwickelten sich moderne Kunstwerke mit authentischem Altstadthintergrund effektiver. Er mahnte, die Stadtverwaltung solle sich ihres Reichtums an malerischem Altstadtflair bewusst werden, das für Kunstpräsentationen geradezu prädestiniert sei.

Hans Mendlers Bilder und Skulpturen füllen in lebensgroßen Darstellungen alle Räume der Klostergalerie. Der Betrachter wird von den Augen der Dargestellten empfangen, die den Blickkontakt geradezu suchen, ohne sich aufzudrängen. Den Hintergrund seiner Motive auf einer dicht gewebten Zeltleinwand gestaltete Mendler mit dem Abdruck von Pflanzenmotiven von alten Gummiwalzen, die er auf einem Flohmarkt erstand.

Immer wieder lässt Mendler auf seinen Bildern unbeteiligte Figuren erscheinen, die er selber nicht beschreiben kann und noch weniger ihre Rolle oder Funktion in dem Werk. Manchmal wirken sie dämonenhaft, einen Gegensatz zum Motiv darstellend, die Harmonie und Schönheit des Gesamteindrucks störend.

Die meisten seiner Werke entstehen in einer Idylle am südungarischen Donauufer, wo Mendler mit seiner ungarischen Frau Marta jeweils eine Jahreshälfte verbringt. Dort, so schwärmt er, fühle er sich in großer Freiheit. Dort entstehen seine Holzskulpturen mit der Kettensäge, und keiner störe sich an dem zwei- bis dreistündigem Lärm, denn alle seine Nachbarn sägte zur gleichen Zeit ihr Brennholz. In guter Lässigkeit empfinde er eine intensive Inspiration und könne sich ganz entspannt seiner Malerei widmen. Seine „Zwei Tänzerinnen? geben Kunde von der fröhlichen Atmosphäre eines ungarischen Weinfestes.

Von seiner Kratztechnik ist der Eingangssaal der Galerie geprägt. Über sparsam aufgetragener Farbe trug Mendler mattschwarzen Schultafellack auf, um in feinen Linien die Figuren herauszukratzen. Den Werken ist die schnelle Arbeitstechnik anzusehen, da der Lack nur eine bestimmte Zeit behandelbar ist, bevor er großflächig abplatzen würde. Mendler verriet, dass er alles um sich herum vergesse, wenn er selber überrascht erlebt, ein Bild entstehen zu sehen. Den Augen seiner Figuren widmet er größte Beachtung, den die dürften „nicht dumm rausgucken?.

Seine Holzfiguren sind von starkem inneren Ausdruck geprägt, jeder Holzart zollt er den gebührenden Respekt. Lindenholz empfindet Mendler als leicht zu bearbeiten, aber langweilig, so dass es eine stärkere Farbgebung verdiene, Kirsche entfalte mit seiner ausgeprägten Maserung bereits seine ausdrucksstarke Wirkung, wie er es mit seiner Skulptur „Die Füchsin? in der Ausstellung belegt.

Seit zwei Jahren widmet sich Mendler verstärkt dem Thema Zirkusleute, mit dem er aber nur mit einem Bild in Horb vertreten ist, da sich diese Werke derzeit in der Balinger Galerie Meinelschmidt befinden.

Joseph Forsters „Stelzenläufer? verwendet Hans Mendler zu seinem Bild „Der Luftgänger? und stellt ihm eine Kleinplastik als Würdigung daneben auf die Holztreppe der Galerie.

Als seinen Lieblingsraum bezeichnet Mendler den, in welchem seine Frau Marta mit stilsicherem Gespür seine Skulptur in die Mitte platziert hat. Umgeben von Bildern in den gleichen zarten Gelbtönen erhebt sich die Tierfigur, die Mendler beschreibt: „Ich Hirsch, was tue ich hier??

Von Gustav Klimt hat sich Mendler zu seiner „Schönen Wienerin? anregen lassen, und wie allen seinen Skulpturen erschließt sich auch diese Schöne nicht gleich dem Betrachter, alle Werke muss man sich ergehen.

Mit seiner künstlerischen Sentimentalität hat Mendler eine Liebeserklärung an Horb: „ Von unten fährt man vom Neckarufer immer weiter hoch, und dort oben liegt das Kloster und da kann ich meine Ausstellung präsentieren.?

Der aufmerksame Betrachter wird anhand der Jahreszahlen die künstlerische Entwicklung Hans Mendlers verfolgen können. Erst mit 50 Jahren begann er, Holz zu bearbeiten, davor war Metall sein bevorzugtes Material. Mit der Vernissage am Sonntag öffnet sich ein kurzweiliges und genussvolles Kunsterlebnis.

Info Die Vernissage findet am Sonntag, 14. Juni, um 11 Uhr statt. Zuerst wird die Skulptur „Zuneigung? in der Neckarstraße enthüllt. Anschließend ist um 12 Uhr die Ausstellungseröffnung „Malerei und Skulptur? in der Galerie im Kloster auf dem Marktplatz. Die Austellung läuft bis 26. Juli und ist samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Der Leonberger Künstlers Hans Mendler zeigt bis zum 26. Juli Bilder und Skulpturen in der Galerie am Kloster. Bild: hmg

Zum Artikel

Erstellt:
12. Juni 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Juni 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2015, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen