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Interview

„Haugenstein war ein Kraftakt“

Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger blickt im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE zufrieden auf das Jahr 2017 zurück und optimistisch nach vorn.

13.01.2018
  • Dagmar Stepper

SÜDWEST PRESSE: Herr Rosenberger, was war die wichtigste Lehre für Sie in 2017?

Peter Rosenberger: Man kann es nicht jedem Recht machen. Aus meinem Amt als Oberbürgermeister habe ich aber auch die Lehre gezogen, dass es sich lohnt, wenn man sich treu bleibt.

Was war für Sie das wichtigste Ereignis in 2017?

Sicherlich die Wiederwahl zum Oberbürgermeister. Nach acht Jahren ist das eine Zäsur. Bei der ersten Wahl 2009 habe ich mir gesagt: „Wenn es klappt, ist es toll.“ Jetzt als Familienpapa mit drei kleinen Kindern, geht es um die Existenz. Wenn es mit der Wahl nicht geklappt hätte, wäre es schwierig geworden. Ich habe ja die Existenz als Beamter auf Lebenszeit für den OB-Posten aufgegeben. Einen Plan B hatte ich nicht.

Es gab im vergangenen Jahr einige Höhepunkte wie die Entwicklung des Kasernenareals, die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums, das Baurecht für die Horber Hochbrücke. Was ragt für Sie heraus?

2017 war ein sehr, sehr gutes Jahr für Horb. Neben den genannten Ereignissen will ich noch die Herausforderungen bei der Lösung der Haugenstein-Problematik hervorheben. Das war ein monatelanger Kraftakt. Da musste man den Gemeinderat wirklich überzeugen und beweisen, dass das finanzielle Risiko kalkulierbar ist.

Vergangenes Jahr gab es aber auch Tiefschläge wie Verzögerungen beim Bau des neuen Polizeipräsidiums und beim Betreutes-Wohnen-Projekt auf dem Kasernenareal.

Ich unterscheide zwischen wirklichen Tiefschlägen und Verzögerungen. Ein Tiefschlag ist, wenn wir als Stadt etwas planen und es nicht hinkriegen. Das ist der Unterschied zu dem Betreutes-Wohnen-Projekt, das ein privater Investor bauen will: Wir haben das Baurecht ausgesprochen, aber es gab Einsprüche seitens der Nachbarn. Der Fall liegt jetzt beim Regierungspräsidium. Bei der Verlagerung des Polizeipräsidiums von Tuttlingen nach Pforzheim gibt es für uns keine Verbesserung. Aber da hoffen wir, die Weichen sind gestellt. Das Sanierungsgelände in der Innenstadt – zu der auch der Fruchtkasten gehört – ist angestoßen.

Wo hätte Horb besser sein können?

Für mich ist es wichtig, dass die Horber erkennen: Sie sind gar nicht so schlecht. Der Horber an sich steht sich auch selbst mal gern im Weg.

2018 wird wohl das Jahr des geplanten Ahldorfer Gewerbegebiets: Braucht Horb überhaupt ein neues Gewerbegebiet?

Wir brauchen die Möglichkeit, Gewerbe anzusiedeln. Fünf Ausrufezeichen hintendran. Arbeitsplätze sind ein wichtiges Instrument, um Wohlstand zu erzeugen. Wenn heute ein großes Industrieunternehmen anklopfen würde wegen einer Produktionsstätte, hätten wir keine zehn Hektar anzubieten. Das Heiligenfeld ist 20 Jahre und älter, die Flächen sind zum großen Teil vergeben oder für Betriebserweiterungen reserviert. Aber klar, man muss keine Gewerbegebiete ausweisen. Aber dann muss man auch sehen: Wir wollen in Horb und unseren 17 Teilorten Kindergärten und Hallen, wollen Vereinsförderung, wollen ein Hallenbad, gar ein Freibad. Das alles muss man finanzieren.

Aber gibt es nicht geeignetere Flächen für ein Gewerbegebiet als in Ahldorf mit seinem alten Waldbestand?

Was sind in Horb geeignete Flächen? Wir brauchen eine ebene Fläche, die kein Schutzgebiet sowie verkehrstechnisch gut angebunden und ortsdurchfahrtsfrei ist. Da drängt sich dieser Standort auf. Und in Richtung der Kritiker: Wer „intelligente Lösungen“ fordert, hat meist selbst keine bessere Idee.

Aber was ist mit dem Interkommunalen Gewerbegebiet mit Empfingen? Da könnte Horb sich doch auch weiterentwickeln.

Das Interkommunale Gewerbegebiet (IKG) ist eine Möglichkeit, die Horb seinem Nachbarn bietet. Empfingen hat sehr expansiv Industrieansiedlung betrieben und nun keine Flächen mehr übrig. Bei Horb ist das anders. In unserem Zweckverband können wir so Empfingen Flächen zur Verfügung stellen. Aber ob das IKG kommt, ist ja auch noch nicht gewiss.

Was ist die dringendste Aufgabe in diesem Jahr?

Planungen voranbringen. Was wird aus dem Gelände entlang des Neckars, wenn die Feuerwehr auf den Hohenberg zieht? Wie entwickelt sich das Kasernengelände weiter? Wie das Sanierungsgebiet um den Fruchtkasten?

Wo liegen die Schwerpunkte im Haushalt, der am 30. Januar verabschiedet wird?

Es gibt nicht das 2-Millionen-Projekt, sondern wir planen eine Aufstockung in allen Bereichen. Aber im moderaten Maßstab. Die Haushalte vieler Kommunen werden in guten Jahren an die Wand gefahren, weil Dinge umgesetzt werden, die in schlechteren Jahren nicht mehr finanzierbar sind. Geplant ist, die Mittel für den Hoch- und Tiefbau zu erhöhen. Auch bei den Schulsanierungen müssen wir was tun. Das Radwegethema wollen wir angehen. Außerdem wollen wir Geld in die Hand nehmen, um die medizinische Versorgung zu sichern, beispielsweise durch ein Ärztehaus.

Bauen und Wohnen sind immer ein Thema in Horb. Was geht hier in 2018?

Wir haben das Kasernengelände, das in den kommenden Jahren ein Wohnquartier für 400 bis 500 Menschen werden wird. Dann werden wir in diesem Jahr fünf bis sechs kleine Baugebiete mit zirka 100 Bauplätzen nach einem vereinfachten Verfahren ausweisen. Damit versiegeln wir zwar Fläche, obwohl es 600 Leerstände in Horb gibt. Die sind aber alle in privater Hand und nicht am Markt, weil jemand für seinen Enkel einen Bauplatz reserviert, der seit zehn Jahren in Shanghai lebt und wahrscheinlich nie zurückkommt, um es überspitzt zu sagen.

Wenn die Wunschfee vor Ihnen steht: Wohin würden Sie Horb versetzen ‒ ans Meer oder in die Berge?

Ans Meer. Flaches Land. Da hätte Horb keine solche Topografie und die Chance auf Weitblick. Wobei man auch von der Höhe aus weit blicken kann.

Wunschfee Teil 2: Welches Gewerbe hätten Sie gern in Horb?

Wenn wir was im Bereich der Forschung hätten. Wenn Daimler eine Projektentwicklung hier ansiedeln würde, wäre das natürlich ein Traum.

Welchen Spatenstich würden Sie 2018 gern erleben?

Ich bin fest überzeugt, dass der Spatenstich zur Hochbrücke in diesem Jahr kommt.

Welche guten Vorsätze haben Sie sich für 2018 gefasst?

Mehr Zeit für mich und meine Familie. Das haben sich meine Kinder von mir gewünscht. Das ist auch eine Erfahrung aus meiner längeren Krankheit im vergangenen Jahr. Keine Angst: Horb kommt nicht zu kurz, aber meine Familie auch nicht mehr. Außerdem habe ich ja mit Bürgermeister Ralph Zimmermann einen verlässlichen Co-Piloten. Da fällt es leichter, loszulassen.

Wie oft haben Sie Ihr Gesicht 2017 in der Zeitung gesehen?

(lacht) Keine Ahnung. 50, 100 Mal? Anfangs fand ich das ja toll, aber inzwischen ist mir die Überschrift wichtiger als das eigene Bild.

Ihre Kostüme beim Eröffnungsball sind legendär. Verraten Sie uns, als was Sie dieses Jahr gehen?

Nein! Aber es wird sehr individuell sein, meine Frau und ich gehen im Partnerlook. Und es entspricht natürlich dem Motto „Es war einmal in Horb“.

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13.01.2018, 01:00 Uhr

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