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Bolzplatz

Hauptsache, alle gesund zurück

Sie tragen selten Gucci-Täschchen spazieren, aus denen Köpfe weißer Hündchen gucken. Und auch sonst ist es nicht immer das süße Leben, Spielerfrau von Freizeitfußballern zu sein. So wie die Tübingerinnen Dorre Griebler-Rau und Miriam Mörz.

05.11.2014
  • Rainer Imm

Auf die Frage, ob ein Fußballstadion nicht auch einmal nach einer Frau benannt werden sollte, bemerkte Johannes Rau: „Und wie sollen wir das denn nennen? Dem-Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?“ Warum denn nicht? Nicht nur der verstorbene ehemalige Bundespräsident unterschätzt die Wichtigkeit der Spielerfrauen – jedenfalls jener der Freizeitfußballer. Sie sind keine Models, Schmuckdesignerinnen oder Moderatorinnen, sondern nehmen am wirklichen Leben teil. So wie die Psychologische Beraterin Dorre Griebler-Rau (62) und die Physiotherapeutin Miriam Mörz (29) aus Tübingen. Spielerfrau ist kein einfaches Schicksal und auch kein „Traumberuf“, wie Mehmet Scholl meint. Beide werden schon mal mitten in der Nacht, nach dem Fußballabend und seiner Aufarbeitung beim Bier, geweckt und von den Großtaten ihrer Helden in Kenntnis gesetzt. Allerdings lässt sich Griebler-Rau für diesen einen Satz gerne mal den Schlaf rauben: „Alle Mann gesund aus dem Kampf zurück!“ Immerhin spielen oft auch beide Söhne und der Schwiegersohn mit.

Trotz der Verletzungsgefahr würde sie ihre Männer nie vom Kicken abhalten. Auch Mörz ist überzeugt: „Das tut ihm richtig gut und er ist ausgeglichen.“ Sie stehen voll hinter ihren Freizeit-Champions, auch wenn die Begeisterung mitunter seltsame Blüten treibt. So muss der Urlaub direkt nach dem Fußballtermin beginnen und möglichst vor ihm enden. Nur keinen Jour fix versäumen. „Ich komme meinem Mann terminlich ja entgegen, wo es nur geht“, sagt lachend Griebler-Rau, sie wünscht sich aber auch hier die Beweglichkeit, die ihn als Torwart auszeichnet.

Im Gegensatz zu den Puppen-Anhängseln der Fußballprofis kennen sie sehr wohl Regeln und Taktik des Spiels. Als Handball-, Tennis- und Volleyballspielerinnen wissen sie, worum es geht. Die Abseitsregel erklären sie verständlicher als murmelnde Münchner Möchtegern-Philosophen. Und wenn ihr Liebster sich nicht ganz fit fühlt, dann rät Mörz sachkundig: „Schee ruhig von henda raus spiela!“

Mit einem Vorurteil wollen sie aber gründlich aufräumen: Ihre Sporttaschen packen die Männer schon selbst. Auch die Wäsche erledigen sie in Eigenregie. „Höchstens, er bittet mich nett“, sagt Mörz. „Oder die Leible liegen zufällig im Wäschekorb“, ergänzt Griebler-Rau. Schließlich sei Haushalt und Erziehung schon immer gemeinsame Sache gewesen. Das Singen von Fußballliedern zusammen mit den Kindern, während sie im Küchentürrahmen schaukelten, gehörte für ihren Mann dazu. Das klappt inzwischen auch mit den Enkelkindern ganz gut, bevor sie – man lese und staune – selig einschlafen.

Hauptsache, alle gesund zurück
Spielerfrauen: Dorre Griebler-Rau (links) und Miriam Mörz Privatbild

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05.11.2014, 12:00 Uhr

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