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Malträtierte Tasten

Heavy-Metal-Interpretin Vika beeindruckt 250 Zuhörer im Sudhaus

Gut 250 Zuschauer im Tübinger Sudhaus genossen am Sonntagabend die Verschmelzung von klassischer Klavierausbildung und Heavy Metal mit der Pianistin Vika und dem Schlagzeuger Gabor Kovacs.

21.10.2014
  • Michael Sturm

Tübingen. Ob Moskau, Budapest oder Prag – die Musikhochschulen der ehemaligen Ostblock-Metropolen brachten eine Menge wunderbarer Musiker hervor, die niemals bekannt wurden. Manche zogen als Straßenmusiker durch Westeuropa, als sich die Grenzen öffneten.

In den letzten Jahren hat die Begegnung dieser klassisch hervorragend ausgebildeten Instrumentalisten mit der westlichen Pop- und Rockmusik eine erstaunliche Entwicklung genommen: Auf der Video-Plattform Youtube laden Künstler wie der russische Gitarrist Igor Presnjakow, oder die ukrainische Pianistin Viktorija Jermoljeva, bekannt als Vika, Filme hoch, auf denen sie ihre Interpretationen der Hits präsentieren. Beide Ausnahmetalente können ihre Instrumente zu Orchestern wachsen lassen. Während Presnyakov so ziemlich alles interpretiert, was irgendwann in einer Hitparade auftauchte, hat sich Vika auf eine Musikrichtung festgelegt: Hard Rock ist ihr kaum noch hart genug, es muss Heavy Metal sein.

Unter Vikas Zuhörern im Sudhaus waren jedoch wenig klassische Metal-Hörer, also wilde Leute in Leder, die bei jeder Gelegenheit Zeigefinger und kleinen Finger zum Teufelsgruß recken. Eine Nonne aus Sindelfingen war da und etliche Hobby-Pianisten, die der Künstlerin gegenüber nach dem Konzert stammelnd gestanden, wie sehr sie von ihr doch beeinflusst worden seien.

Zuvor hatten sie erlebt, wie sich die zwischen den Liedern so schüchtern wirkende Vika verwandelte, wenn sie in die Tasten haute. Ohne Gesang und ohne melodische Begleitung zeigte sie allein mit ihrem Klavierspiel auf, wie viel gutes Songwriting in den oft so düster und bedrohlich wirkenden, meist auf rasend schnellen Gitarrenriffs aufbauenden Liedern steckt – in manchen der Stücke rasten ihre Finger noch schneller über die Tasten ihres Instruments, als die Original-Interpreten auf Gitarrensaiten.

Fallende Stecknadeln wären zu hören gewesen. Auf der anderen Ebene des Lautstärkespektrums bewegte sich, als sie ihren Schlagzeuger Gabor Kovacs zum Duo auf die Bühne bat. Dessen brutale, knüppelharte Double-Bassdrum-Patterns, wie bei „Toxity“ (System of a Down), ergänzten die Attacken, die Vikas Finger auf die Klaviersaiten ausübten, perfekt. Lieder wie „Stairway to Heaven“ (Led Zeppelin) oder Metallicas „Nothing Else Matters“ waren die mit Abstand bekanntesten Stücke. Vika spielte bevorzugt weniger Bekanntes und nicht zu altes Material: Das jüngste Black Sabbath-Machwerk „God is dead?“, Stücke von Slipknot, Sepultura, Megadeth, oder den Deftones. Stücke, die von sehr gutem Geschmack zeugen.

Auch wenn am Ende noch eine zweite und dritte Zugabe kamen, war die erste der Kracher schlechthin: Vika krönte ihren überzeugenden Auftritt mit einer amtlichen, kurz-knackigen Klavier-Interpretation von Motörheads „Ace of Spades“ und verließ die Bühne danach sofort wieder – welch ein Abgang, welch ein Konzert!

Heavy-Metal-Interpretin Vika beeindruckt 250 Zuhörer im Sudhaus
Schnellere Finger, als die Pop-Polizei erlaubt: Pianistin Vika. Bild: Sturm

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21.10.2014, 12:00 Uhr

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