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Hebammen im Netz
So badet man ein Kind: Das Geschäftsmodell des Internet-Portals „Best Mom“ ist es, Müttern und Vätern Informationen rund um das Thema Geburt auf den PC zu liefern. Bild: Unternehmen (Screenshot)
Start-Up

Hebammen im Netz

Was Hebammen seit Jahrtausenden direkt leisten, will „Best Mom“ aus Dußlingen zum Geschäftsmodell machen: Geburtskurse – die aber per Mausklick.

19.10.2016
  • Amancay Kappeller

Die Homepage ist fertig gestaltet, jetzt geht es los: Vor kurzem ist die Online-Plattform „Best Mom“ an den Start gegangen. Ihren Sitz hat die Internet-Firma in Dußlingen, die Mitarbeiter sind allerdings meist in den Metropolen München, Berlin und Hamburg beschäftigt, sagt Mitgründer Bodo Braun. Der 39-Jährige kommt ursprünglich aus Tübingen, ebenso wie Mitgründer Jonas Weber, 36. Beide sind dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, haben BWL studiert, haben zusammen bei der TSG Fußball gespielt. Und: eine Zeit lang in Dußlingen gewohnt.

Braun hat drei Kinder, Weber eins. Im Februar kam den beiden die Idee mit der Online-Plattform, über die zum Beispiel Geburtsvorbereitungskurse angeboten werden. „Man hat überhaupt keine Hebammen mehr bekommen in München“, sagt Braun zum Hintergrund: Viele Geburtsvorbereitungskurse dort seien bereits Monate im voraus ausgebucht. Keinesfalls gehe es darum, Hebammen, die eine immens wichtige Arbeit leisteten, zu verdrängen, versichert Braun. Der Familienvater sieht das Portal als „Ergänzung“ zum Angebot von Hebammen vor Ort: „Es geht darum, eine gewisse moderne Flexibilität in die Geschichte reinzubringen.“ Nicht alle werdenden Eltern, glaubt er, seien begeistert davon, „zusammengepfercht mit zwanzig unbekannten Pärchen“ in einem Raum zu sitzen und „stundenlang mit Informationen überflutet“ zu werden.

„Es ist halt echt schwierig, wenn man das erste Mal Vater und Mutter wird“, sagt Bodo Braun. Im Internet kursiere zum Thema Schwangerschaft und Geburt „total viel Bullshit“. Wenn sich Leute falsche Informationen aus dem Netz zusammenzögen, etwa weil Hebammen vor Ort keine freien Kapazitäten mehr haben, könne das auch gefährlich werden sagt er. Zunächst holten sich die Firmengründer also Rat bei Hebammen, befragten sie zu den wichtigsten Themen aus Geburtsvorbereitungskursen – und glichen das ab mit der Stichwortsuche über Google, die zeigt, was Internetnutzer wissen wollen.

Gemeinsam mit Lisa Braukmann, Hebamme an einer Klinik in Luzern, entstand ein erster Videokurs zum Thema Geburtsvorbereitung – inhaltlich gegliedert und, beispielsweise je nach Schwangerschaftswoche, einzeln abrufbar. Mittlerweile gibt es auch einen Kurs in Schwangerschafts-Yoga, geplant ist zudem ein Rückbildungskurs. Von Fachleuten ließen sich die Firmengründer Artikel schreiben zu den Fragen, die Mütter in Bezug auf ihr Baby beschäftigen. Diese Informationen gibt es auf der Homepage gratis, für das meiste andere müssen die Kunden bezahlen. Demnächst soll man auch Rezepte für die Schwangerschaft abrufen können – oder ein E-Book mit „Still-Shakes“. Rat sollen sich Mütter oder Väter zusätzlich in einer eigenen Online-Community holen, wo Ärzte, Hebammen und Ernährungsberater Tipps geben.

80000 Euro haben Braun und Weber nach eigenen Angaben bisher in die Internet-Firma gesteckt. Die sollen sich irgendwann amortisieren. „Es geht uns aber vor allem um die Mütter, die Väter und die Kids“, sagt Braun. Es gehe ihm darum, sagt er, Licht in den „vor allem im Netz oft undurchsichtigen Dschungel“ rund um Schwangerschaft und Geburt zu bringen.

In Zukunft wolle sich das Team zudem mit mehr Frauen und Müttern als Expertinnen verstärken, sagen die Chefs – schließlich seien diese „einfach auch näher dran“ an den Themen. Und in wenigen Monaten soll dann auch das neue Online-Portal fertig sein. Name: „Best Dad“. „Für Väter gibt es relativ wenig“, sagt Bodo Braun: „Höchstens vielleicht ein paar Seiten, wo die besten Biertricks neben dem Kinderwagen-Schieben erklärt werden.“ Das sei aber weniger das, was werdende Väter benötigten, wenn ihre Partnerin schwanger sei. „Da suchen viele Leute im Netz und kriegen teilweise komische Antworten oder werden nicht ernst genommen“, findet Braun.

In Heidelberg haben die Gründer schon einmal Kontakt mit einer männlichen Hebamme aufgenommen – die korrekte Berufsbezeichnung dafür lautet „Entbindungspfleger“: „Wir wollen Vätern das Signal geben: Man schafft das, wenn man ein paar wesentliche Tipps annimmt“, sagt Braun. Vater-Werden – das „überfährt einen erstmal in alle Richtungen“, findet der dreifache Vater. Auf der künftigen Männer-Seite will er eventuell einen Kurs „Schwangerschaftsyoga für Paare“ zeigen. Oder kostenlose Trainingspläne zeigen – etwa fürs gemeinsame Joggen mit Kind.

So funktioniert das Start-Up aus Dußlingen

Die Online-Plattform „Best Mom“ wurde von Müttern, Hebammen, Vätern und Experten für werdende Eltern entwickelt. Das Geschäftsmodell: Eltern sollen sich hier Infos holen für die Themen Schwangerschaft und Geburt, Säuglingspflege und Rückbildung. In den kommenden Monaten soll auch „Best Dad“ eröffnen –was vor allem Männer zum Anmelden bewegen soll. Ein Teil der Infos auf der Homepage ist kostenfrei, die meisten Inhalte muss man bezahlen.

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19.10.2016, 01:00 Uhr

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