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Heikle Reise
Papst Franziskus wird in Afrika mit den Themen Terror, Islamismus, Flüchtlingsströme und HIV konfrontiert. Foto: dpa
Papst besucht Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik

Heikle Reise

Franziskus reist heute erstmals nach Afrika. In den drei Zielländern gibt es jede Menge Probleme: Flüchtlinge, islamistischen Terror und Aids. Bei der letzten Etappe ist gar die Sicherheit des Papstes ein Problem.

25.11.2015
  • THOMAS JANSEN, KNA

Papst Franziskus bricht am heutigen Mittwoch nicht nur zu seiner ersten Afrika-Reise auf. Sein geplanter sechstägiger Besuch in Kenia, Uganda und der Zentralafrikanischen Republik ist auch eine Reise ins Ungewisse. Denn ob er sein drittes und letztes Reiseziel ansteuern kann, ist nach wie vor nicht ganz sicher. Die Gefährdungslage in der Zentralafrikanischen Republik bleibt weiter hoch. Frankreich, das 900 Soldaten im Land stationiert hat, soll Bedenken gegen einen Besuch des Papstes geäußert haben. Der Papst könne eine solche Entscheidung erst in letzter Minute fällen, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vor einigen Tagen.

Fest steht nur: Franziskus, dem die sprichwörtlichen "Ränder" der Welt besonders am Herzen liegen, will das Bürgerkriegsland wenn irgend möglich besuchen. Dort, wo sich 2013 die Seleka-Milizen und die Kämpfer von Anti-Balaka blutige Kämpfe lieferten und im September abermals Unruhen ausbrachen, möchte der Papst ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen.

In der Hauptstadt Bangui besucht Franziskus laut Programm zum zweiten Mal in seinem Pontifikat eine Moschee. Im Bürgerkrieg standen sich oft Muslime (Seleka) und Christen (Anti-Balaka) gegenüber - auch wenn es sich im Kern nicht um einen Religionskonflikt handelt und die eigentlichen Ursachen Armut, Perspektivlosigkeit der jungen Generation und ethnische Rivalitäten sind.

Der Papst will in Bangui zudem das "Heilige Jahr der Barmherzigkeit" vorzeitig eröffnen, das die katholische Kirche ab dem 8. Dezember weltweit begeht. Dazu öffnet er die Heilige Pforte der Kathedrale von Bangui symbolisch gut eine Woche bevor er das gleiche Ritual in Rom vollzieht.

Alle drei Besuchsländer haben ein großes Flüchtlingsproblem. Seit dem gewaltsamen Sturz von Staatspräsident François Bozize sind in der Zentralafrikanischen Republik mehrere hunderttausend Menschen auf der Flucht. Franziskus will in Bangui ein Flüchtlingslager besuchen. Im Nordosten Kenias ist das Lager Dadaab mit geschätzt 650 000 Bewohnern das größte der Welt; sie stammen vor allem aus dem Nachbarland Somalia. Auch in den Elendsvierteln Nairobis leben zahlreiche Flüchtlinge aus Somalia und Burundi. Eines von ihnen, Kangemi, will der Papst ebenfalls besuchen. Uganda schließlich beherbergt viele Flüchtlinge aus dem Südsudan.

Mit Kenia und Uganda besucht Franziskus zudem Schauplätze verheerender islamistischer Terroranschläge. In Kenia kamen im April bei einem Überfall von Kämpfern der somalischen Al-Shabaab-Miliz auf die Universität in Garissa 148 Menschen ums Leben. Im September 2013 starben 67 Menschen bei einer Geiselnahme der islamistischen Extremisten in einem Einkaufszentrum in Nairobi. Der Tourismus im Land ist nach mehreren Anschlägen auf Hotels in den vergangenen Jahren stark rückläufig. In Ugandas Hauptstadt Kampala wurden 2010 insgesamt 76 Menschen, die das Finale der Fußball-WM verfolgten, bei zwei Sprengstoffanschlägen getötet. Auch hierzu bekannte sich Al-Shabaab. Vor allem in Kenia führten die Anschläge zu pauschalen Verdächtigungen von Muslimen, vor allem von somalischen Flüchtlingen.

Die katholische Kirche im Land versucht dem durch einen christlich-muslimischen Dialog entgegenzuwirken. Der Papst unterstützt diese Linie durch sein Treffen mit führenden Vertretern des Islam und anderer Religionen sowie christlicher Konfessionen in Nairobi.

In Uganda dürfte Franziskus auch mit dem Thema Aids konfrontiert werden. Trotz beachtlicher Erfolge im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit seit den 90er Jahren starben 2014 immer noch viele Menschen im Land an ihren Folgen. Lange galt Uganda aus katholischer Sicht als Vorzeigeland in Sachen Aids-Prävention. Die Aufklärungskampagne unter Staatspräsident Yoweri Museveni setzte anfänglich stark auf eheliche Treue. Mittlerweile allerdings spielt auch hier künstliche Verhütung eine zentrale Rolle. Dahinter steht nach Ansicht ugandischer Kirchenvertreter Druck internationaler Hilfsorganisationen. Papst Franziskus hat wiederholt eine "ideologische Kolonisierung" angeprangert - etwa indem der Westen Hilfen für arme Länder an eine Übernahme bestimmter Anschauungen und Verhaltensweisen knüpft.

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25.11.2015, 08:30 Uhr | geändert: 25.11.2015, 06:01 Uhr

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