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Heilbronn

Heilbronner Kita-Leiter nach Missbrauchsvorwürfen geständig

Der inhaftierte Heilbronner Kindergartenleiter hat den Tausch von Kinder-Porno-Bildern und den schweren sexuellen Missbrauch eines Jungen gestanden.

29.03.2018

Von dpa/lsw

Ein Justizbeamter schließt eine Zellentür. Foto: Christian Charisius/Archiv dpa/lsw

Heilbronn. Die bisher ermittelten Straftaten habe der 31-Jährige eingeräumt, sagte eine Sprecherin der Heilbronner Staatsanwaltschaft am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Ermittlungen dauerten aber noch an. Die Staatsanwaltschaft werde eine separate Anklage wegen des Missbrauchs eines Achtjährigen erheben, den der in einem evangelischen Kindergarten beschäftigte Erzieher mit einer Kamera aufgenommen haben soll.

Mittlerweile ist die Zahl der Austritte aus der evangelischen Kirche in Heilbronn spürbar gestiegen. «Es ist eine Auffälligkeit, und es zeigt, dass wir alles dran setzen müssen, Vertrauen wiederzugewinnen», sagte Pfarrer Matthias Treiber. Das Misstrauen der Eltern in die kirchliche Verwaltung sei groß. Hingegen stünden die Mütter und Väter von rund 40 Kindern hinter den Erzieherinnen. Bislang sei ihm nur eine Abmeldung bekannt.

Weil der beschuldigte Kindergartenleiter seit Anfang März in Untersuchungshaft sitzt, sei mit der Anklage spätestens Anfang September zu rechnen. Dann würden beide Delikte höchstwahrscheinlich in einem Prozess am Landgericht Heilbronn verhandelt, erläuterte die Sprecherin der Anklagebehörde. Der Beginn des zunächst für den am 16. März geplanten Prozesses, bei dem es allein um den Besitz und das Verbreiten von Kinderpornos gehen sollte, wurde daher abgesagt.

Den Jungen und seine Familie kannte der Erzieher nach Angaben aus der Kirchengemeinde privat. Die Ermittlungen zum Missbrauch im Jahr 2013 waren durch die Strafanzeige eines Vaters angestoßen worden. Dieser hatte angegeben, sein Sohn habe erzählt, der Erzieher habe ihm beim Toilettengang fotografiert. Zwar sei dieser Vorfall bislang noch nicht belegt, aber durch die nochmalige Sichtung von Material hätten sich Hinweise auf den sexuellen Missbrauch ergeben. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben keine Belege gefunden, dass der Mann im Kindergarten selbst übergriffig war.

Zuvor hatte die oberste Kirchenleitung in Stuttgart den Fall an sich gezogen. Ziel des Evangelischen Oberkirchenrates sei nun größtmögliche Transparenz. Diese soll mit Hilfe des ehemaligen Richters am Bundesgerichtshof Ulrich Hebenstreit hergestellt werden.

Inzwischen hat der in den Fall verstrickte, für die Heilbronner evangelischen Kindergärten zuständige Kirchenpfleger ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst beantragt. Ihm wird zu Last gelegt, nach Vorwürfen gegen den Erzieher zu zögerlich gehandelt zu haben. Er hatte vom inzwischen pensionierten Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Anfang September 2017 Informationen über die Vorwürfe erhalten, aber nicht reagiert. Die Landeskirche und die Beteiligten vor Ort erfuhren davon erst im Februar dieses Jahres.

Eine Stellungnahme des Kirchenpflegers habe die Vorwürfe gegen ihn nicht entkräftet, teilte das lokale Krisenteam unter anderem mit mehreren Pfarrern und dem Schuldekan des Kirchenbezirks mit. Demnach wird ihm vorgeworfen, Informationspflichten gegenüber dem Jugendamt Heilbronn und dem Kommunalverband Jugend und Soziales - also dem Landesjugendamt - verletzt zu haben. Überdies habe er sich nicht an die Verfahren bei fachlichem Fehlverhalten in kirchlichen Kindertagesstätten gehalten.

Eine erste Analyse der bestehenden Kinderschutzkonzepte in den Kitas und Jugendarbeit habe ergeben, dass diese funktionieren. Lediglich an der Verwaltungsspitze der Kindergärten habe das Konzept mit den Melderegeln nicht gegriffen, teilte das Krisenteam weiter mit.

Viele Eltern von Kita-Kindern haben sich mit Bildern an die Polizei gewandt, damit diese mit dem sichergestellten Bildmaterial abgeglichen werden. Einen entsprechenden Bericht des SWR bestätigte der Heilbronner Polizeisprecher Achim Küller.

Ein Justizbeamter schließt eine Zellentür. Foto: Christian Charisius/Archiv dpa/lsw

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Erstellt:
29. März 2018, 12:43 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2018, 16:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2018, 16:00 Uhr

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