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Heilbronns heimliche Stärke
Städtevergleich: Auch Pforzheim zeigt sich besonders dynamisch

Heilbronns heimliche Stärke

Heilbronn und Pforzheim weisen die dynamischste Entwicklung unter den größten Städten in Baden-Württemberg auf. Bei den Zukunftschancen haben Heidelberg, Stuttgart und Karlsruhe die Nase vorn.

28.11.2015
  • DIETER KELLER

Berlin. Großes Lob für Heilbronn und Pforzheim: Die beiden baden-württembergischen Städte sind die "Hidden Champions" in der Provinz, also die unbekannten Stars unter den deutschen Wirtschaftsstandorten. Hier gebe es einen besonders guten Mix aus Industrie und Dienstleistungen, erklärt die Chefredakteurin der "Wirtschaftswoche", Miriam Meckel, warum beide im jährlichen Städtetest als besonders dynamisch glänzen. Heilbronn verbesserte sich um 21 Plätze und sprang bundesweit auf Rang 3 hinter Ingolstadt und Wolfsburg. Pforzheim kletterte um 20 Plätze auf Rang 12.

Für das "Dynamikranking" analysierte IW Consult, eine Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft, im Auftrag von "Wirtschaftswoche" und Immobilienscout24, wie sich etwa 100 Faktoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeits- und Immobilienmarkt sowie Lebensqualität in den letzten fünf Jahren entwickelt haben. Da hier Daten von 2014 mit 2009 verglichen wurden, stehen Städte besonders gut da, die sich nach der Wirtschaftskrise rasch erholten. Hinten auf der Liste finden sich zahlreiche Kommunen aus Nordrhein-Westfalen.

Beim "Niveauindex", der die aktuelle Wirtschaftskraft erfasst, glänzt München unangefochten auf dem ersten Platz. Dicht dahinter sind 4 Städte aus Baden-Württemberg zu finden: Die Landeshauptstadt Stuttgart verbesserte sich um einen Platz auf Rang 4. Ulm machte einen Sprung um zwei Plätze auf Platz 8, während Karlsruhe um einen Platz auf Rang 10 zurückfiel. Alle 8 Großstädte aus dem Südwesten, die in der Untersuchung berücksichtigt wurden, finden sich in der ersten Hälfte der Liste.

Erstmals erstellte IW Consult auch einen "Zukunftsindex 2030" über die Aussichten der Städte in den nächsten 15 Jahren. Dafür wurden Faktoren wie die Breitbandversorgung, die Industrie-4.0- Orientierung der Unternehmen und der Anteil der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung berücksichtigt. Bundesweit steht Darmstadt hier am besten da. Heidelberg findet sich als erste baden-württembergische Stadt auf Rang 5, gefolgt von Stuttgart und Karlsruhe. Heilbronn ist dagegen weit abgeschlagen auf Rang 57. Auch Pforzheim auf Platz 31 werden eher schlechte Zukunftsaussichten bescheinigt.

Als Stärken von Ulm zählt IW Consult unter anderem die geringe Arbeitslosigkeit und die hohe Wirtschaftsleistung je Einwohner auf. Schwächen sind vergleichsweise wenige Betreuungsplätze für Kleinkinder sowie wenige Gewerbeanmeldungen. In Stuttgart hat sich die Produktivität je Beschäftigtem günstig entwickelt, während recht viele Straftaten registriert wurden.

Allerdings lässt sich streiten, ob alle Faktoren so positiv zu bewerten sind, wie IW Consult dies tut. Dies gilt insbesondere für den Immobilienbereich. Lange Schlangen bei Neuvermietungen oder kräftig steigende Miet- und Kaufpreise für Immobilien werteten die Experten als vorteilhaft, weil sie für eine große Nachfrage und damit attraktive Städte sprechen. Das mag aus Sicht von Investoren richtig sein. Für Wohnungssuchende ist dies dagegen eindeutig negativ. So müssen die Einwohner in Freiburg fast 30 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben, so viel wie in keiner anderen Großstadt. In München sind es "nur" 27 Prozent. Dort sind die Mieten und Kaufpreise zwar noch höher, aber auch die Verdienste.

Das Städteranking zeigt auch die Abhängigkeit von der Automobilindustrie, die in Städten mit einer Monostruktur besonders riskant sein kann. Unter den dynamischsten Orten hat Ingolstadt Wolfsburg vom ersten Platz verdrängt. Beide drohen zurückzufallen, wenn als Folge des VW-Skandals die Gewerbesteuereinnahmen einbrechen und im Umfeld des Autoherstellers die Arbeitslosigkeit zunimmt.

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28.11.2015, 08:30 Uhr

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