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Heimatbesuch mit großen Ambitionen
Stuttgarter Vergangenheit: Union-Trainer Jens Keller war in der Saison 2010/2011 für 13 Bundesligaspiele VfB-Chefcoach. Foto: dpa
2. Liga

Heimatbesuch mit großen Ambitionen

Union-Trainer Jens Keller kann im Spitzenspiel in Stuttgart seinem früheren Klub ein Bein stellen. Auch die Berliner wollen möglichst schnell in die Bundesliga.

22.04.2017
  • WS

Jens Keller sagt: „Ich lebe nicht gern in der Vergangenheit.“ Dabei ist es gerade seine Stuttgarter Geschichte als Fußballprofi und Trainer, die dem Zweitliga-Topspiel am Montag (20.15 Uhr/Sport 1) zusätzlich seine besondere Note verleiht. Nur die Zukunft zählt. Speziell im Duell des Spitzenreiters VfB gegen den Tabellendritten Union Berlin. Beide Klubs wollen in die Bundesliga, für Kellers „Eiserne“ wäre es eine absolute Premiere.

Mit seinen 46 Jahren ist der Union-Trainer, 1970 in Stuttgart geboren, schon grau geworden. Der früher knallharte Verteidiger, der 1981 beim Stuttgarter VfL Wangen mit dem Kicken begann und sechs Jahre später zur VfB-Jugend kam, klingt vor Kameras und Mikrofonen immer ein wenig patzig, machmal knurrig.

„Ein brutaler Arbeiter“

Die große Zuverlässigkeit war sein Trumpf als Abwehrspieler, ob bei 1860 München, dem VfL Wolfsburg, beim VfB Stuttgart, dem 1. FC Köln oder Eintracht Frankfurt. 142 Erst- und 115 Zweitligaspiele stehen in seiner Vita, dazu 20 DFB-Pokaleinsätze. Dass er auch als Trainer im Profibereich Fuß fassen würde, hätte dem Familienvater (zwei Söhne) nicht jeder zugetraut. Doch schon bei Schalke 04 machte er in knapp zwei Jahren als Nachfolger von Huub Stevens ordentliche Arbeit. Trotzdem hatte gerade Keller es schwerer als andere: Er führte die Gelsenkirchener 2013 und 2014 in die Champions League, gab zahlreichen Talenten viel Spielpraxis und wurde trotzdem kritisiert – auch vereinsintern. Der damalige Sportvorstand Horst Heldt verhandelte mehrmals mit potenziellen Nachfolgern. Keller ist keiner der Glamour-Trainer, die sich große Klubs wünschen. Und er wird nie einer werden.

Seine Qualitäten beschreibt Fredi Bobic, der ihm im Oktober 2010 beim VfB als Nachfolger von Christian Gross zum Trainerdebüt verholfen hat, in anderen Farben: „Als Typ passt er sehr gut zu Union“, so der damalige Stuttgarter Sportdirektor Bobic. „Er ist ein brutaler Arbeiter, und das rund um die Uhr. Ehrlich, loyal, und – ob das allen gefällt oder nicht – er hat auch immer eine klare Meinung. Auf Schalke hat er bewiesen, dass er auch unter großem Druck ruhig und fokussiert arbeiten kann.“ Darauf bau(t)en die Berliner.

Bei Union, dem einstigen Fahrstuhlklub des DDR-Fußballs, unterschrieb Keller im April 2016 mit klaren Vorgaben bis Juni 2018. Spätestens dann soll der Sprung in die Beletage des deutschen Fußballs geschafft sein. Aktuell ist Keller dabei, den großen Plan womöglich schon viel früher erfolgreich zu verwirklichen. „Die Erwartungshaltung des Vereins an meine Arbeit ist klar formuliert worden, und genau das war auch mein Wunsch“, hat er schon zum Amtsantritt gesagt. „Um erfolgreich arbeiten zu können, brauche ich ein Ziel und professionelle Partner an meiner Seite, mit denen der Weg dahin beschritten werden kann. All das habe ich hier gefunden.“

Ungewohnt forsche Töne

Die Spieler waren von der Personalie regelrecht überrascht worden. „In der letzten Zeit wurde viel spekuliert. Aber keiner lag richtig“, sagte der damalige Kapitän Benjamin Kessel. „Wir freuen uns darauf, mit so einem erfahrenen Trainer arbeiten zu dürfen.“ Ausgerechnet Kessel wurde durch Verletzungspech aber so sehr zurückgeworfen, dass Keller einen anderen Mannschaftsführer suchen musste: Felix Kroos, der Bruder von Weltmeister Toni Kroos, bekam die Kapitänsbinde.

Neulich hat Jens Keller ungewohnt forsche Töne angeschlagen: Sein Team sei das beste der zweiten Liga, das hätten die gegnerischen Trainer immer wieder bestätigt. Union-Stürmer Philipp Hosiner ging ebenfalls in die Offensive: „Wir haben alle Chancen – wir spielen noch gegen Stuttgart und Braunschweig.“ Die Eintracht liegt mit ebenfalls 54 Zählern auf Platz vier.

Gelingt Kellers Team am Montagabend der erhoffte Coup, ziehen die Berliner mit dem VfB (57) gleich. In der Bundesligasaison 2010/11 trauten die weit abgerutschten Stuttgarter ihrem Interimstrainer, der zuerst Jugendteams betreut hatte, eine Trendwende nicht zu. Nach nur zwei Monaten war für Keller Schluss, Bruno Labbadia kam. Aber das ist lange vorbei. Graue Vergangenheit.

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22.04.2017, 06:00 Uhr

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