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Bregenz, ein Puppenheim

Heimo Zobernigs Installationen im Kunsthaus am Bodensee

Schaufensterpuppen und Wohnzimmerregale: Heimo Zobernigs Werkschau im Kunsthaus im österreichischen Bregenz setzt einen beeindruckenden Dialog zwischen Raum und Figur in Gang.

23.11.2015
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Bregenz Beim Namen Heimo Zobernig darf man nicht erwarten, auf eine bieder und konventionell gestrickte Werkschau zu stoßen. Der Österreicher, Jahrgang 1958, setzt in seinen Rauminstallationen alles daran, die ehedem ziemlich festgeschriebenen Grenzen zwischen Architektur, Design, Bildhauerei und Malerei endgültig niederzureißen.

Mag derzeit die vorwiegend kühle, karge und klare Minimal-Kunst mit ihren Großmeistern Carl Andre, Donald Judd oder Sol LeWitt noch merkbare Schatten werfen. Längst sind andere Neo-Geo-Künstler wie etwa der Schweizer John Armleder und Post-Minimalisten wie beispielsweise der aus Esslingen stammende Kippenberger-Schüler Tobias Rehberger unterwegs und mischen die Szene auf. Zu diesem illustren Künstlerkreis gehört auch Zobernig, dessen Name jetzt im Kunsthaus in Bregenz auf dem Ausstellungsplakat steht.

Vor Peter Zumthors milchig grau schimmerndem Bregenzer Kunsthauskubus nahe dem Bodenseeufer hat Heimo Zobernig mit einer kohlschwarz eingefärbten quadratischen Zwölfmeterwand gleich ein kräftiges Ausrufezeichen gesetzt. Jeder Passant soll angesichts dieser überdimensionierten Malewitsch-Hommage merken, dass hier Außergewöhnliches, wenn nicht gar Spektakuläres vor sich geht.

Heimo Zobernig setzt schon Überraschungsmomente, wenn er im Kunsthaus eine ganze Etage mit Wohnzimmerregalen vollstellt, reichlich Schaufensterpuppen dazwischen postiert und so eine bühnenreife Inszenierung abliefert, die in ihrer Choreografie schon sehr an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett erinnert.

Nur hat man bei Zobernig den Eindruck, dass den Figuren keinerlei Freiraum gewährt wird, dass sie fortwährend gegen Holzteile stoßen, oder von ihnen derart umzingelt werden, dass jeglicher Bewegungsdrang unterbunden wird.

Die nächste Überraschung wartet im zweiten Kunsthaus-Geschoss: Hier hat Heimo Zobernig Zumthors Raumarchitektur raffiniert aufgebrochen, indem er schwere schwarze Vorhänge so drapiert, dass sie neue Raumerlebnisse eröffnen.

Und ganz oben, unter dem Dach des Kunsthauses, reduziert Zobernig sein Figurenballett auf ein wirklich minimalistisches Maß: Am Rand des komplett leeren Ausstellungsraums steht still und stumm vor den grauen Betonwänden eine noch mit den Gusskanälen bewehrte, hoch aufgeschossene Bronzefigur, die allem Anschein nach in den Anblick einer schräg über ihr abgehängten schwarzen Zwischendecke versunken ist. Eine Zwischendecke übrigens, die den Einbauten nachempfunden ist, mit denen Zobernig den österreichischen Pavillon bei der diesjährigen 56. Kunstbiennale in Venedig aufgeppept hat. Damit ist Zobernig wahrlich eine beeindruckende Versuchsanordnung gelungen, die nicht nur aufzeigt, wie man effektvolle Kunstsituationen schaffen kann, sondern die auch deutlich macht, wie ein ertragreicher Dialog zwischen Figur und Körper im Raum in Gang gesetzt wird.

Heimo Zobernigs Installationen im Kunsthaus am Bodensee
Schaufensterpuppen, in Regale gesperrt: Heimo Zobernigs Werkschau im Kunsthaus in Bregenz. Foto: Gerda Meier-Grolman

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23.11.2015, 12:00 Uhr

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