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Chaos in Sharm el Scheich

Heimreise westlicher Touristen stockt - Putin stoppt Reisen nach Ägypten

Tausende Touristen sind nach dem Absturz des russischen Passagierjets in Sharm el Scheich gestrandet. Viele sollten gestern in die Heimat gebracht werden. Doch nur acht von 29 geplanten Flügen starteten.

07.11.2015
  • MARTIN GEHLEN

Sharm el Scheich Die meisten Urlauber wollen nur noch eins - möglichst schnell nach Hause. Nervös und verängstigt drängelten sich gestern die Menschen im Abflugterminal des ägyptischen Badeortes Sharm el Scheich. Doch die Evakuierung der mehr als 20 000 Gestrandeten kam schon in den ersten Stunden zum Erliegen - ausgelöst durch ein chaotisches Tauziehen zwischen den ägyptischen und britischen Behörden.

Wie die Billig-Airline Easyjet am Mittag mitteilte, wurden ihr von ägyptischer Seite acht der zehn geplanten Flüge von Sharm el Scheich nach Großbritannien gestrichen. Ähnlich erging es auch anderen Chartergesellschaften, die ihre Kunden mit zusätzlichen Maschinen heimfliegen wollten. Bis zum Abend konnten lediglich acht der ursprünglich 29 vorgesehenen Flüge starten, so dass die Mehrzahl der Touristen wütend und empört in ihre Hotels zurückkehren mussten.

London hatte am Mittwochabend nach einer Sitzung des nationalen Krisenrates sämtliche Flugverbindungen zwischen Großbritannien und Sharm el Scheich gestoppt, ein Schritt, dem sich inzwischen alle westlichen Fluglinien anschlossen.

Russlands Präsident Wladimir Purin ordnete gestern Mittag den Stopp aller Reisen nach Ägypten an. Der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, hatte zuvor laut Fernsehberichten gesagt, dass sein Geheimdienst es für notwendig halte, "die Flüge russischer Gesellschaften nach Ägypten auszusetzen, bis wir die wahren Gründe für die Geschehnisse herausgefunden haben".

Die britische, die amerikanische und nun offenbar auch die russische Regierung vermuten zunehmend, dass Terroristen vergangenen Samstag eine Bombe an Bord des über dem Nordsinai abgestürzten russischen Airbus A-321 geschmuggelt haben. US-Präsident Barack Obama erklärte, ein Bombenanschlag sei "wahrscheinlich" und man nehme diese Möglichkeit sehr ernst.

Wie die Zeitung "The Times" berichtete, hatten britische und US-Geheimdienste nach dem Unglück per Satellit abgehörte Telefongespräche bekannter Terroristen in Syrien und auf dem Sinai erfolgreich auf Hinweise abgesucht. Die BBC ergänzte, die Ermittler in London seien überzeugt, dass jemand vom Rollfeld aus kurz vor dem Start die Bombe im Inneren deponiert habe - entweder ein Gepäckarbeiter, jemand aus der Putzkolonne oder ein Angestellter der lokalen Catering-Firma "SS Air". Kairos Außenministerium hingegen wies diese Szenarien zurück und wertete die Äußerungen als reine Spekulationen.

Für zusätzliche Verstimmung sorgte gestern die Ankündigung westlicher Fluggesellschaften, die Koffer der Passagiere würden in Sharm el Scheich nicht mit an Bord geladen und separat mit einer Frachtmaschine abgeholt. Wie der britische Transportminister Patrick McLoughlin sagte, habe London schon vor zehn Monaten den Umgang mit dem aufgegebenen Gepäck in Sharm el Scheich bemängelt. Das Bodenpersonal müsse durch keine Kontrollen, bevor sie das Rollfeld betreten. Im Juni kroch ein geistig verwirrter Mann nachts über den Flughafenzaun und randalierte vier Stunden lang unbemerkt von dem Wachpersonal in einem der geparkten Flugzeuge.

In Sharm el Scheich waren die Sicherheitskontrollen gestern vor den Augen zahlreicher Kamerateams so strikt wie noch nie. "Die agieren wie Komiker", twitterten mehrere entnervte Touristen, deren Handgepäck teilweise zehnmal durchleuchtet wurde. Andere jedoch beobachteten, dass arabische Reisende nach wie vor gegen ein Trinkgeld von zehn bis zwanzig Euro an den Kontrollen vorbeigeschleust wurden.

Heimreise westlicher Touristen stockt - Putin stoppt Reisen nach Ägypten
Zeit für einen Blick aufs Smartphone hatten die Touristen gestern in Sharm el Scheich allemal, bevor sie sich in die langen Schlangen stellten, um den Koffer aufzugeben. Am Flughafen des ägyptischen Badeorts lief gestern einiges schief. Viele geplante Flüge fielen aus. Foto: dpa

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07.11.2015, 12:00 Uhr

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