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We can change the world

Heiner Kondschak über die Uraufführung von „Forever 27“

Warum sind bloß so viele Musiker im alter von 27 Jahren gestorben? Morgen findet die Uraufführung von Heiner Kondschaks „Forever 27 – Eine musikalische Zeitreise“ im LTT statt. Im Vorfeld der Premiere sprach Chefdramaturg Stefan Schnabel mit dem Autor, Regisseur und musikalischen Leiter der Inszenierung

04.12.2014

Stefan Schnabel: Was verbirgt sich hinter dem Titel „Forever 27“?

Heiner Kondschak: Im Jahre 1994 erschoss sich der Sänger Kurt Cobain, die treibende Kraft der Band Nirvana. Seine Mutter machte daraufhin in einem Interview die folgenschwere Aussage: „Ich habe ihn beschworen, nicht diesem idiotischen Club beizutreten. Jetzt hat er es trotzdem getan.“ Kurt Cobains Mutter hatte mit diesem „Club“ wahrscheinlich die eigene tragische Familiengeschichte im Sinn: zwei Onkel und ein Großonkel hatten sich selber umgebracht. Trotzdem war dieser Satz der Auslöser für den Begriff „Club 27“. Das sind die Musiker, Sänger und Sängerinnen, die alle auf ihre eigene Art legendär geworden und nur 27 Jahre alt geworden sind: Janis Joplin, Brian Jones, Jimi Hendrix und Jim Morrison. Sehr viel später kamen der Nirvana-Frontman Kurt Cobain und die Soulsängerin Amy Winehouse dazu. Und in Deutschland unvergessen: Alexandra, die 1969 auch mit 27 Jahren gestorben ist.

Was ist die Grundidee des Stücks?

In den Herzen vieler Menschen sind diese Musiker, Sänger und Sängerinnen immer noch sehr lebendig, weil sie den musikalischen und gesellschaftlichen Aufbruch der 60er und 70er-Jahre verkörpern. Ich fand es spannend, mir auszumalen: Was wäre, wenn diese Menschen gar nicht tot wären? Denn es ist doch klar: Wenn Hendrix, Joplin, Morrison & Co., wenn diese größte Band aller Zeiten einmal gemeinsam Musik machen würden, dann könnte diese beschissene Welt nicht mehr so weiter machen wie bisher.

Welche Bedeutung hat Jimi Hendrix für Sie?

Mit Jimi Hendrix verbindet mich eine unwichtige, aber sehr persönliche Geschichte. Am 18. September 1970, seinem Todestag, habe ich mir meine erste Gitarre gekauft, eine Wandergitarre für 80 Mark. Ich saß mit ihr im Keller bei drei brennenden Kerzen. Meine Schwester war oben im Wohnzimmer und hörte Roy Black. Allerspätestens seit diesem Tag war mir klar, dass es eine andere, aufregendere Welt geben musste als Uelzen in Niedersachsen. Jimi Hendrix hat die Rockmusik verändert. Seit ihm ist die E-Gitarre nicht mehr das was sie vorher war.

Welches Lebensgefühl verbinden Sie mit Janis Joplin, der weißen Göttin des Blues?

Ich habe nie im Leben eine andere Frau gehört, die so gesungen hat wie Janis Joplin. Bei „Southern Comfort“ gibt es eine freiwillige und eine unfreiwillige Zweistimmigkeit in ihrer Stimme. Oder hören Sie sich doch einfach mal „Summertime“ an. Das gibt’s doch gar nicht! Die Band ist nah an der Kreisklasse und Janis ist Champions League, oder? Als Frau war Janis Joplin eine absolute Außenseiterin, ihre Vorbilder waren halt nicht Mama Cass, Joan Baez, Cher oder Grace Slick. Sie wollte singen wie Bessie Smith oder Billy Holiday, aber die waren schwarz und tot. Nach der Eroberung des Rock ’n‘ Roll-Himmels blieb Janis Joplin nur die Selbstzerstörung durch Alkohol und Drogen, wie allen anderen auch. „Freedom is just another word for nothing left to lose“ –- das war eine kurze Zeitlang das Lebensgefühl einer ganzen Generation.

Welche Rolle spielt Alexandra in „Forever 27“?

Alexandra passt auf den ersten Blick überhaupt nicht in diesen Club, statt dessen verkörperte sie in den 60ern die Sehnsucht der Deutschen nach dem Fremden, nach dem Traum, nach der Illusion. Die Schlagerproduzenten Beyerlein, Weyrich und Blum wussten genau, was sie taten. Aber auch Alexandra ist eine gebrochene Figur. Sie ist in dem Moment gestorben, als sie aus dem Schlagerbusiness aussteigen und etwas Neues beginnen wollte. Tragischer geht es doch kaum.

Welche Bedeutung haben diese Musiker für uns heute?

„We can change the world“ sangen Crosby Stills Nash & Young. Wenn man je Grund brauchen sollte, an die utopische Kraft der Musik zu glauben, dann ist es die „Club 27“-Band.

Info: „Forever 27“ – eine musikalische Zeitreise / Inszeniertes Konzert von Heiner Kondschak, Uraufführung am morgigen Freitag, 20 Uhr, weitere Vorstellungen 6., 18.,/ 26. und 31. 12. 10. und 17. Januar 2015.

Heiner Kondschak über die Uraufführung von „Forever 27“
Heiner Kondschak: Musicals sind eine seiner Spezialiltäten

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04.12.2014, 12:00 Uhr

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