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Für freie Schornsteine

Heizungsbauer und Kaminfeger dürfen sich Konkurrenz machen

Kaminfeger kommen vom nächsten nächsten Jahr an nicht mehr selbstverständlich ins Haus. Billiger wird die Überwachung heimischer Brandstätten dadurch aber wohl nicht.

26.10.2012
  • Mario Beisswenger

Tübingen. Immobilienbesitzer und Hausverwaltungen dürfen sich zum neuen Jahr aussuchen, wer sich um die „Feuerstätten“ in Gebäuden kümmern soll. Vielen war der regelmäßige Besuch eines Schornsteinfegers ein Dorn im Auge. Die können sich freuen, weil der schwarze Mann oder die schwarze Frau nun allerhöchstens alle drei Jahre ins Haus kommt (siehe Infokasten). Martin Katz, einer der Tübinger Bezirksschornsteinfeger, dämpft aber die Hoffnung, dass es in Zukunft billiger wird. „Der Punkt der Reform war nie der Preis. Es ging nur um die EU-Niederlassungsfreiheit.“

Katz ist sich mit Georg Thalmüller einig, dem Geschäftsführer der Tübinger Dinkel GmbH: „Die Kunden haben keinen finanziellen Vorteil.“ Als Heizungsbauer mit Sachkunde-Nachweis kann er die meisten Dienste eines Kaminfegers nun auch anbieten. Sein Tipp ist zunächst aber: „Bleiben Sie bei Ihrem Bezirksschornsteinfeger.“

Benjamin Schaible, Obermeister der Sanitär-, Heizungs- und Klima-Innung, vertritt die gleiche Linie. An der Arbeitsaufteilung von Kaminfeger und Heizungsbauer werde sich wenigstens zunächst nichts ändern. „Wir kommen ganz gut mit den Kaminfegern aus.“

Eigentlich hört es sich gut an, wenn in Zukunft der Heizungsbauer bei der Geräte-Wartung gleich die Arbeit des Schornsteinfegers mitmacht oder umgekehrt. Aber Katz meint, dass dies aufgrund der vielen verschiedenen Brenner-Hersteller gar nicht gehe. „Alle Geräte abdecken kann ich nicht.“ Da fehle allein schon der Platz für Ersatzteile.

Billiger wird das Kaminfegen nicht

Andererseits täten sich Heizungsbauer wohl schwer, alle Kaminfeger-Arbeiten zu erledigen. Sie haben wohl ein Messgerät für die Abgaswerte, sie müssten es aber auch halbjährlich amtlich eichen lassen. Einen Kamin durchzufegen sei kein großes Thema, aber hätten seine Handwerkerkollegen auch einen Blick für gefährlichen Glanzruß im Kamin, fragt Martin Katz. Billiger als Schornsteinfeger könnten sie die Arbeiten auch nicht anbieten, weil für jede Anfahrt und die Verwaltung der Kunden Kosten anfallen.

Katz will seine Preise, die ihm bisher vorgeschrieben wurden, erst mal halten. Ob er das weiter kann, weiß er aber nicht. Bislang klapperte er einfach Straße um Straße ab, musste kein Geld für Werbung oder Kundengewinnung ausgeben. Deshalb sei das Kehrmonopol auch billiger als der freie Wettbewerb, meint Katz. Im Vergleich mit Nachbarländern „ist die Dienstleistung nirgends so billig“. In der Schweiz seien die Kosten nach Marktöffnung deutlich gestiegen.

Und noch ein weiterer Punkt spreche für die traditionelle Arbeitsteilung. Die Arbeiten durchzuführen, ist vorgeschrieben. Regelmäßige Kontrollen sollen Emissionen begrenzen und Hausbewohner vor Vergiftung durch Kohlenmonoxid schützen. Die Bezirksschornsteinfeger müssen das weiter überwachen. Wer den Auftrag anderweitig vergibt, muss die Erledigung an den zuständigen Schornsteinfeger melden. „Es wird nicht funktionieren, darauf zu spekulieren, das nur alle drei Jahre zu machen“, rät Thalmüller von Sparmodellen ab. Wer die Meldung versäumt, wird vom Landratsamt kostenpflichtig gemahnt. Eine Zwangskehrung für ganz Uneinsichtige wird richtig teuer.

Zunächst bleibt auch ein großes Immobilien-Unternehmen wie die städtische GWG beim Kaminfeger. Das sei praktischer, schon wegen der bei den schwarz gekleideten Handwerkern verbleibenden Feuerstättenschau. Längerfristig wird sich die Arbeit vielleicht doch anders aufteilen, wenn neue Anbieter auf den Markt kommen. „Wenn bei uns die Wartungen weniger werden, müssen wir reagieren“, sagt Thalmüller. Denkbar sei zum Beispiel, dass sich Firmen zusammentun und mit einem Kaminfeger kooperieren.

Zum Jahresbeginn 2013 endet das „Kehrmonopol“. Bis dahin dürfen nur Schornsteinfeger die Kaminreinigung übernehmen oder den Nachweis ausstellen, dass die Heizung auch sauber arbeitet. Weil dieses Monopol gegen Vorschriften der Europäischen Union verstößt, wird es abgeschafft.
Bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegermeister wird es aber weiter geben, doch die Arbeiten dürfen auch andere mit Sachkundenachweis versehene Handwerker übernehmen. Der Kaminfeger muss nur noch etwa alle dreieinhalb Jahre nachschauen, wie der Gesamtzustand der Rauchgasableitung ist (Feuerstättenschau). Außerdem behält er mit dem Kehrbuch den Überblick über alle Öfen, Brenner und Gasthermen.
Deshalb muss der Bezirksschornsteinfeger auch kontrollieren, ob zum Beispiel der Kamin gekehrt wurde.
Was wann zu tun ist, steht im Feuerstättenbescheid. Ist die Arbeit erledigt, muss das an den Bezirksschornsteinfegermeister gemeldet werden – es sei denn, er hat sie selbst ausgeführt. Kommt keine Meldung von Hausbesitzern oder Verwaltern, rollt ein amtliches Mahnverfahren an.

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26.10.2012, 12:00 Uhr

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