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100 Freiwillige machten bei der bislang größten Spendensortieraktion mit

Helfer ordneten sieben Stunden lang Hilfsgüter

Kontrollieren, sortieren, verpacken – und das siebeneinhalb Stunden lang: Am Samstag halfen 100 Freiwillige mit, den Riesenberg an Spenden abzuarbeiten, der sich in den letzten Wochen beim Deutschen Roten Kreuz angesammelt hat.

01.11.2015
  • Fabian Renz

Tübingen. Massig ragt der Berg aus Säcken und Kisten in einer Ecke der Fahrzeughalle empor, sieben mal neun Meter in der Fläche und rund zwei Meter hoch – ein Berg aus Spenden: Kleidung, Schuhe, Decken, Spielzeug, Bücher, Kuscheltiere, Skateboards. Mehr als sieben Stunden lang mühen sich an diesem Samstag insgesamt hundert freiwillige Helferinnen und Helfer in zwei Schichten, den Berg abzutragen. Sie sortieren, kontrollieren, packen Kisten. Am Ende hat sich das Volumen des Berges gerade mal halbiert. „Und das sind nur die Spenden der letzten fünf Wochen“, sagt Claudia Stöckl.

Die Abteilungsleiterin des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) hatte aufgerufen zur dritten großen Sortieraktion auf dem Gelände im Steinlachwasen. Zuerst warb sie beim DRK, in der Nachbarschaft, im Chor, dann auf Facebook. Innerhalb weniger Tage hatte sie 60 von 100 benötigten Helfern zusammen. Sie entschied sich für einen zusätzlichen Aufruf im TAGBLATT, am vergangenen Donnerstag. „Um acht Uhr kam ich ins Büro, um zehn waren die 100 voll und ich musste mein Telefon lahmlegen“, erzählte Stöckl am Samstag, als sie zufrieden auf das emsige Treiben in der Halle blickte.

Dort waren vor allem ältere Frauen am Werk, aber auch einige ältere Männer und Studentinnen. Am Morgen waren sie in das Sortiersystem eingewiesen worden, am Mittag gaben die Helfer der ersten Schicht ihr Wissen an die Neuankömmlinge weiter.

Zunächst wurden die Säcke und Kisten auf dem „großen Wühltisch“ in der Mitte der Halle ausgeleert. Dort übernahmen bis zu zehn Helfer das Vorsortieren. Männer-, Frauen und Kinderkleidung sowie Schuhe und Sachspenden gingen weiter an die fünf verschiedenen Stationen rundherum. Schadhafte, schmutzige und modrige Kleidung wurde aussortiert. „Ich habe die Helfer gebeten, sich zu fragen: Würde ich das selber anziehen?“, sagte Stöckl. Wenn nicht, landeten die Sachen in weißen Müllsäcken. Der Anteil dieses Abfalls blieb jedoch gering. Die meisten Sachen seien sehr gepflegt, so der Eindruck der Freiwilligen. Und Stöckl erzählte: „Manche Leute haben sich sogar entschuldigt, dass sie die gespendeten Klamotten nicht gebügelt haben.“

Beim Feinsortieren wurden die Spenden dann nach Art der Kleidung und nach Größe getrennt. Dafür standen verschiedene Kisten mit Aufschriften wie „Body Baby“, „Frauen Langarm“ oder „Männer Hosen“ bereit. War ein Karton voll, wurde er in zwei eigens angemietete Container auf dem Parkplatz des DRK verladen. Auch an Kaffee, Brezeln, Pausenbänke und Einweghandschuhe war gedacht worden.

„Das ist wirklich toll organisiert“, lobte da zum Beispiel Jutta Baitsch. Die Tübinger Rentnerin, die sich im Französischen Viertel für Flüchtlinge engagiert, erzählte, sie habe kürzlich für zwei Syrer Kleiderspenden beim DRK abholen wollen. Als dort jedoch kaum kleinere Männergrößen gefunden wurden (siehe Kasten), wusste sie: „Bei dieser Aktion muss ich mitmachen.“ Auch die anderen befragten Helfer erklärten meist lapidar: „Das ist doch selbstverständlich, dass man bei so etwas mithilft.“

Claudia Stöckl sagte, sie sei von der großen Spenden- und Hilfsbereitschaft keineswegs überrascht: „Die Bilder, die man von den Flüchtlingen sieht, machen die Menschen betroffen. Bei einer Aktion wie dieser mitzuhelfen, ist da für viele das mindeste, was sie tun können.“

Helfer ordneten sieben Stunden lang Hilfsgüter
Emsiges Treiben in der Fahrzeughalle des DRK: Hinter diesem vermeintlichen Chaos steckte ein ausgeklügeltes und funktionierendes Sortiersystem. Bild: Faden

Alle Spenden, die am Samstag sortiert wurden, sind für Flüchtlinge gedacht, in erster Linie für die in der Erstaufnahmeeinrichtung in Ergenzingen. DRK-Abteilungsleiterin Claudia Stöckl betonte: „Nichts davon wird verkauft.“ Für gewöhnlich werden Kleiderspenden in den Ausgabestellen für einen geringen Betrag verkauft. Im Moment gehe man jedoch davon aus, dass Spenden zweckgebunden speziell für die Flüchtlingshilfe gedacht sind. Wegen der enorm vielen Spenden der letzten Wochen benötigt das DRK erstmal keine weiteren Kleiderspenden – mit einer Ausnahme: „Wir brauchen dringend noch kleinere Männergrößen“, sagte Stöckl. Um die zweite Hälfte des Spendenberges abzuarbeiten, plant das DRK für Mitte November eine weitere Sortieraktion mit freiwilligen Helfern.

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01.11.2015, 12:00 Uhr

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