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Hirschauer Baggersee

Helfer schöpften tonnenweise Tausendblatt ab

Am Samstag haben 30 Ehrenamtliche haufenweise Tausendblatt aus dem Hirschauer Baggersee gefischt. Doch in der Tiefe wächst die Schlingpflanze unberührt weiter.

06.08.2012

An der Oberfläche gefischt: Freiwillige holten tonnenweise Wasserpflanzen aus dem Hirschauer See

© Wegner 02:15 min

Hirschau. Zwei Badegäste haben kurz vor neun Uhr den See noch fast für sich allein. Stören sie die Tausendblatt-Ansammlungen? „Drumrumschwimmen. Das geht höchstens an die Hände und Füße“, sagt ein braun gebrannter Mann in Shorts und T-Shirt. Der Bewuchs des Baggersees ist heuer weniger schlimm als 2011, sagt Ortsvorsteher Ulrich Latus, der kurz darauf mit dem Traktor Rechen und Schubkarren bringt.

Immerhin: Algen gibt es hier keine. Die gedeihen nicht, wo das Tausendblatt wächst, weiß Latus. „Weil das ihnen die Nährstoffe wegnimmt.“ Doch überall an der Wasseroberfläche sind braune Flächen abgestorbener Tausendblatt-Pflanzen. Latus berichtet: „Unten wächst es bis einen Meter unter der Oberfläche.“ Der Bewuchs störe beim Angeln und beim Schwimmen, „sonst wäre das gar nicht schlimm“.

Helfer schöpften tonnenweise Tausendblatt ab
Bis es wieder nachwächst

Die Stadt hat am Ostufer drei Container für abgefischtes Tausendblatt aufgestellt. Mittlerweile sind etwa 20 Helfer mit Heugabeln und Rechen eingetrudelt. Auf dem See tuckert ein Motorboot des Kreisfischereivereins, an dem ein großer metallener Rechen befestigt ist. Damit wird das Gras abgeschöpft und ans Ufer gebracht. Dort schaffen es die Helfer in die Container – eine Knochenarbeit.

„Der Bewuchs stört immer noch sehr“, sagt Helfer Helmut Walzer aus Wurmlingen. „Der See liegt mir sehr am Herzen, weil das ein richtiges Naturidyll ist, das man unbedingt erhalten muss. Die Stadt sagt, es ist kein Geld für die Pflege vorhanden, deshalb kommen wir und packen mit an. Wenn man die Leute motiviert, tun die auch was.“ Am besten wäre es, findet Walzer, wenn man den Seegrund abmähen würde. „Der schaut schon beinahe aus wie ein grüner Wald. Wenn man den Grund säubern würde, hätten wir für Jahre Ruhe.“ Naturschützer sind indes gegen das Abmähen (siehe Kasten).

Ein Tropfen auf den heißen Stein?

„Wir haben schon letztes Jahr gefordert, dass der See mit Fachgerät gereinigt wird“, sagt Christine Schreiber. Ihre Bürgerinitiative hatte sich vor ein paar Jahren aus Protest gegen den Umbau des Ufers durch die Stadt gebildet. Mittlerweile sind die Arbeiten freilich erledigt. Wie berichtet, hat die Stadt für 130 000 Euro einen breiten Kiesweg am Ufer angelegt, Schilfgräben zum Schutz der Vögel und eine Liegewiese für 500 Personen. Die BI betreibt nun eine Homepage (www. baggersee-hirschau-aktuell.de) mit aktuellen Tipps. Auch zum Entkrauten hat die Initiative aufgerufen, sie vernetzt etwa 70 Ehrenamtliche und Badegäste. Einige wollten, erzählt Schreiber, gar nicht beim Entkrauten helfen. „Die fragen sich, wieso sie das Zeug abschöpfen sollen, wenn es tonnenweise wieder nachwächst. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Am Ufer liegen schon einige Haufen Tausendblatt, die Ehrenamtliche seit Wochen abgefischt haben. Als die Helfer es jetzt zu den Containern schaffen, sieht und riecht man, dass es im Inneren der Haufen gärt und stinkt. „Das sind mindestens 40 Grad“, glaubt Schreiber.

Der Entringer Neubürger Eckehart Fabarius kommt seit ein paar Jahren regelmäßig zum Baden her. Er fordert, die Ursachen des Befalls zu untersuchen. „Das wäre doch ein schönes Thema für einen Tübinger Biologiestudenten.“ Gerhard Fellrath aus Mössingen badet schon seit 30 Jahren in Hirschau. „Der Bewuchs entstand erst in den letzten Jahren. Das gab es früher überhaupt nicht.“ Früher habe er im Fischereiverein geholfen, den See zu entkrauten, erinnert sich Fellrath. „Da hab’ ich Stunden hier gearbeitet.“ Auch der Mössinger spekuliert über die Ursachen des Befalls: „Tausendblatt kann man ja für Aquarien kaufen – vielleicht hat jemand ein Aquarium in den See gekippt.“

Sie ackern bis nach 15 Uhr. Manche gehen, andere kommen dazu, insgesamt sind es rund 30 Helfer. „Die haben richtig schwer geschuftet“, bilanziert Latus. Die Container sind bald voll. Die Helfer schichten darum das Tausendblatt in großen Haufen an den Ufern des Sees auf, die die Stadt mit dem Grüngut-Ladekran abholen kann. „Wir haben tonnenweise Zeugs rausgeholt.“ Das Fazit des Ortsvorstehers: „Toll, dass Fischer und Badegäste etwas miteinander gemacht haben. Das ist einfach wichtig, dass man miteinander spricht. Das war nicht immer so.“

„Es gibt spezielle Mähboote. Aber wenn man anfängt, auf dem Seeboden zu mähen, wächst das Tausendblatt umso stärker nach“, weiß Ortsvorsteher Ulrich Latus. Der Hirschauer Baggersee ist, wie berichtet, nach Angaben des Ravensburger Seen-Experten Albrecht Trautmann nährstoffmäßig belastet, also „eutroph“. Doch sind die Naturschützer dagegen, den Tausendblatt-Befall am Boden des Sees großflächig abzumähen. „Das Gras bietet Schutzraum für Fische“, unterstreicht Udo Dubnitzki, der Gewässerwart des Kreisfischereivereins. Es schütze sie vor „Fressfeinden“ wie dem Kormoran. „Da drin schwimmt die geschützte Fischbrut. Die hat dort immer zu fressen: wirbellose Tiere und Fliegen. Das ist ein Paradies für Kleinfische, das wäre schade, wenn man alles rausmachen würde.“

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06.08.2012, 12:00 Uhr

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