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Drei Brände, drei Medaillen

Helmut Däuble macht Äpfel und Birnen zu Gold

Drei Obstbrände schickte Helmut Däuble dieses Jahr zur Internationalen Qualitätsprüfung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Jetzt ist der frühere Eckenweiler Ortsvorsteher mächtig stolz: Für jeden der Brände bekam er eine Goldmedaille.

26.06.2012
  • hete henning

Eckenweiler. Die Urkunden kamen neulich mit der Post, die Medaillen sollten dieser Tage eintrudeln. Drei sortenreine Brände reichte der 73-jährige Obstbauer und Obstbrenner Helmut Däuble dieses Jahr bei der DLG ein, einen Birnenbrand aus der Nägeles Birne und zwei Apfelbrände aus Primerouge und Topaz. Die Spirituosen mussten wie alle anderen 618 Produkte aus dem In- und Ausland einen sensorischen Test hinsichtlich Farbe, Klarheit, Geschmack und Geruch durchlaufen und auch bei den Laboranalysen und Deklarationskontrollen bestehen. Am Ende gab es dreimal Gold. So viel Edelmetall auf einmal war selbst für Däuble neu. „Ich bin fast mit der Krawatte ins Bett dieses Jahr“, sagt er, so stolz ist er.

Seit 15 Jahren brennt der frühere Eckenweiler Ortsvorsteher selbst. Das damals gekaufte Brennrecht erlaubt ihm das Brennen von Obst und mehligen Stoffen, und zwar von eigenen sowie zugekauften Erzeugnissen. Letzteres sei wichtig, sagt Däuble, der vier Hektar Obstplantagen mit „ein paar Tausend Bäumen“ intensiv bewirtschaftet und außerdem über einen Hektar mit Streuobst verfügt. „Wenn die Kirschen mal nichts sind oder wieder 250 Stare drin waren, kann ich woanders Ersatz besorgen.“

Weit über 60 Sorten Äpfel hat Däuble, 20 Sorten Zwetschgen, Mirabellen, verschiedene Tafel- und Mostbirnen und allerlei Beerenobst. Auf seinem Hof in der Eyacher Straße, den er 1960 von seinen Eltern übernommen hat, verkauft er Tafelobst, Süßmost, vergorenen Most (dieses Jahr erstmals auch sortenrein, ein purer Birnenmost ist ebenfalls dabei), Marmeladen, Dörrobst und zig verschiedene Obstbrände. Auch an einem Korn habe er sich mal versucht, erinnert sich der Landwirt, der außerdem Getreide anbaut. Dieser Korn habe dann aber nach Weizen geschmeckt, statt, wie er es im Sinn hatte, neutral zu sein. Zu seiner Verblüffung bekam der aromatische Klare von der DLG eine Bronzemedaille.

Zu den Besten zu gehören, macht Helmut Däuble ganz offenkundig Spaß. Das war auch in seinem Zweitberuf so. Er lernte Mess-, Steuer- und Regelungstechnik und ging mit 33 Jahren als Elektroniker zu IBM. „Ich bin da als Facharbeiter eingestiegen und nach 20 Jahren als Diplom-Ingenieur wieder ausgestiegen.“ Seine technischen Kenntnisse, sagt er, kämen ihm in seiner Brennerei sehr zu pass.

Die Destillationsanlage ließ Däuble sich 50 000 Euro kosten, den Umgang damit lernten er, seine Frau und sein Sohn bei Kursen in Hohenheim. Ein Superprofi sei er nicht, sagt der 73-Jährige, der Jahr für Jahr immer wieder andere Obstbrände zur Qualitätsprüfung einschickt, damit am Ende möglichst jedes seiner Produkte eine Medaille hat. Sein erstes DLG-Gold brachte ihm 1998, also gleich im ersten Jahr, ein Golden Delicious-Brand ein. „Als ich bei der Preisverleihung gesehen habe, dass andere Leute da stolz wie Oskar mit Bronze oder Silber rausgehen, hab‘ ich begriffen, wie wertvoll das ist.“

Für Däuble als sogenannter Kleinbrenner, der inklusive des ungenießbaren Vor- und Nachlaufs nicht mehr als 300 Liter reinen Alkohol im Jahr produzieren darf, ist etwas anderes noch viel wertvoller: Zum zweiten Mal in Folge bekam er von der DLG dieses Jahr den „Preis der Besten“ in Silber für anhaltend gute Ergebnisse. Erst nach dem fünften „Preis der Besten“ in Silber gibt es den ersten „Preis der Besten“ in Gold. „Welcher Kleinbrenner hat das schon?“

Vielleicht noch ein bisschen mehr freut sich der Mann aus Eckenweiler über die ganz große Ehrung, die vor zwei Jahren seine Wahlsche Schnapsbirne erfuhr: Der hocharomatische Brand aus einer schwäbischen Streuobstbirne ließ jede Williamsbirne hinter sich und wurde von der DLG zur international „Besten Spirituose“ im Birnen-Segment ernannt. „So was ist auf den Streuobstwiesen bei uns im Landkreis möglich“, sagt Helmut Däuble und strahlt über das ganze Gesicht. „Das müssen Sie sich mal vergegenwärtigen, was bei uns möglich ist!“

Helmut Däuble macht Äpfel und Birnen zu Gold
„Das müssen Sie sich mal vergegenwärtigen, was auf den Streuobstwiesen bei uns im Landkreis möglich ist“, sagt Helmut Däuble: Sein Brand aus der Wahlschen Schnapsbirne wurde 2010 zur international besten Spirituose im Bereich der Birnenschnäpse ernannt.

Zwei Grundregeln sind nach Helmut Däubles Erfahrung beim Schnapsen zu beachten: „Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit“ lautet die eine. Die andere ist die, dass nur vollreife, gesunde Früchte einen guten Schnaps ergeben. Es sei ein großer Irrtum und geradezu Zeitverschwendung, Obst der dritten Wahl vorzugsweise für die Herstellung von Spirituosen zu verwenden, sagt Däuble. „Das Produkt ist nicht besonders wertvoll.“

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26.06.2012, 12:00 Uhr

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