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Macht den grünen Ortsrand kaputt

Hemmendorfer Initiative ist gegen das geplante neue Baugebiet

„Pro Hemmendorf“ heißt die Bürgerinitiative zwar, doch wie so viele BIs ist sie hauptsächlich gegen etwas: Anwohner sind nicht damit einverstanden, wie die Stadt ein neues Baugebiet vor und teilweise in ihren Gärten plant.

11.02.2010
  • willibald ruscheinski

Hemmendorf. Zauneidechsen und Bechsteinfledermäuse hat Ex-Ortsvorsteher Roland Irslinger in den baumhöhlenreichen Streuobstwiesen am westlichen Hemmendorfer Ortsetter entdeckt. Für den Forsthochschulprofessor ein Beleg, wie ökologisch wertvoll der Grüngürtel dort ist. Hier allerdings will die Stadt Rottenburg – so hat es der Ortschaftsrat vergangenen Sommer einstimmig gefordert – ein neues Baugebiet aufmachen. Für den rund 15 Bauplätze großen „Hahnenbühl“ sollen zumindest Irslinger und seine Pferde haltende Nachbarin Regina Bauer, so der noch vorläufige Stand der Entwurfsplanung, sogar einen Teil ihrer malerisch verwilderten Hausgärten drangeben.

Und das, sagt Irslinger, obwohl der Hemmendorfer Eigenbedarf gering ist. Kinder und Winkel aus dem Dorf hätten im Durchschnitt der vergangen Jahrzehnte „etwa einen Bauplatz pro drei Jahre nachgefragt“. Baubürgermeister Holger Keppel sah das stets ähnlich und sieht das immer noch so, Er riet dem Ortschaftsrat immer wieder, stattdessen die innerörtlichen Brachen wiederzubeleben.

„Tränkenbach“ war offenbar zu nass

Trotzdem setzte das Gremium durch, dass 2001 ein Bebauungsplan „Im Tränkenbach“ aufgestellt wurde – für ein Gebiet in der Krebsbach-Aue, das bei Hochwässern immer wieder Land unter meldete und zuletzt auch von der Katastrophe 2006 getroffen wurde. „Aus psychologischen Gründen“, sagt Oberbürgermeister Stephan Neher, würden Bauherren den „Tränkenbach“ absehbar eher meiden, auch wenn die Ortslage ab 2013 durch einen riesigen Damm oberhalb Hemmendorfs sogar vor statistisch nur alle 100 Jahre auftretenden Hochwässern geschützt wird: „Der muss sich dann halt erst noch bewähren.“

Nun will der Ortschaftsrat also statt dessen den „Hahnenbühl“, zumal dieser schon länger als Siedlungsreservefläche im Flächennutzungsplan enthalten ist. Ein Baugebiet von „ortsangepasster“ Größe solle es werden, sagt Neher, und sicher nichts, was in erster Linie auswärtige Bauwillige anzuziehen geeignet wäre. Seit sich das Projekt herumgesprochen hat, hätten sich ja auch schon Interessenten aus dem Flecken bei der Stadt gemeldet.

Noch besser läuft der Grunderwerb. Die meisten nötigen Flächen hat der für Liegenschaften zuständige Erste Bürgermeister Volker Derbogen schon gekauft, immer unter dem Vorbehalt, dass der Bebauungsplan auch zustande kommt. Denn die Stadt will diesmal ein Maximum der Parzellen in ihre Hand bekommen – und Käufern eine fünfjährige Baufrist auferlegen. Schließlich, so der OB, „möchten wir hier nicht die nächsten Dauerbaulücken produzieren.“

Auch die Gründer von „Pro Hemmendorf“, durchweg Nachbarn, sind nicht grundsätzlich gegen den „Hahnenbühl“. Allerdings drohen sie jetzt schon, gegen das Gebiet in seinen derzeit angedachten Grenzen zu klagen. Sie beschweren sich darüber, vom OB einerseits und seinen beiden Beigeordneten Keppel und Derbogen andererseits bei Gesprächen binnen weniger Wochen unterschiedliche Informationen über die Dimension der Planung erhalten zu haben.

Neher bestätigt dem gegenüber,, dass die Entwürfe sich zuletzt tatsächlich noch änderten. Derzeit sollen manche ursprünglich einbezogenen Hausgärten, wie der von BI-Mitglied und Ex-CDU-Gemeinderat Josef Möst, schon wieder ausgeklammert sein. Trotzdem nennt es die Initiative „eine Dreistigkeit“, dass ihnen angeboten wurde, sie könnten ihre Gärten – sofern im Gebiet liegend – behalten, wenn sie dafür 40 000 Euro Erschließungskosten bezahlen. Immerhin, rechtfertigt OB die Einbeziehung mancher Gartengrundstücke, bekämen deren Eigentümer ja auch einen vermarktbaren Bauplatz als Gegenwert.

Das aber wollen die „Pro Hemmendorf“-Mitglieder gar nicht. Im Gegenteil: Statt einer Wertsteigerung fürchten sie, dass ihre renovierten Bauernhäuser durch eine neue Bebauung am Ortsrand drastisch an Wert verlieren.

Geradezu als Bedrohung seiner Existenz sieht Konrad Stark, einer von zwei Vollerwerbslandwirten am Ort, den „Hahnenbühl“ an. Er ist mit seiner kompletten Hofstelle in die Planung geraten. Zwar soll laut OB Neher deren Bestand durch Ausweisung eines Dorfgebiets am westlichen Rand des Bebauungsplanes geschützt werden. Trotzdem fürchtet Stark Nutzungskonflikte mit den künftigen Nachbarn; etwa, wenn er im Hochsommer fast rund um die Uhr mit seinem Maschinenpark über die neuen Erschließungsstraßen zu seinen Feldern müsse. Neher habe ihm versichert, er werde zur Not persönlich vermitteln.

Bauernhof komplett im Baugebiet drin

Der OB bestreitet auch nicht, Konrad Starks Familienbetrieb Unterstützung der Stadt bei eventuellen Aussiedlungsabsichten angeboten zu haben. Ihnen steht nach Auskunft des Landwirts aber nicht nur im Weg, dass er sich gerade erst eine Photovoltaikanlage aufs Dach hat setzen lassen. Eigentlich wollte Stark mittelfristig eine Lagerhalle weiter draußen in der Feldflur bauen und den bestehenden Hof nur noch als Maschinenpark nutzen. Das aber kollidiere nun wegen der entstehenden Verkehrsbelästigung wegen mit der Baugebiets-Planung.

Auch die Kosten einer Teilnahmen am Umlegungsverfahren bedrohten seinen Betrieb. Zwar sieht Stark es ein, dass er für die Verbreiterung der bestehenden „Hahnenbühl“-Straße, über die das Gebiet durch den Ortskern angefahren werden soll, Erschließungsgebühren bezahlen muss. Die Einbeziehung des Hofes in den Bebauungsplan führe aber dazu, dass er seinen Flächenabzug in Geld ablösen müsse – alles in alle geschätzte 200 000 Euro.

„Unverständlich“ nennt die Initiative deshalb nicht nur diesen Teil der bisherigen Planung. Mit der Zerstörung der gewachsenen Struktur am Dorfrand sei auch ein „finanzielles Desaster“ vorprogrammiert“ – entweder für die Stadt oder für die Käufer oder für beide. Schon jetzt mache sich der demografische Trend durch einen Wertverlust selbst bei neueren Häusern im Dorf bemerkbar.

Info

Voraussichtlich am 25. Februar berät Hemmendorfs Ortschaftsrat den Bebauungsplanentwurf „Hahnenbühl“, voraussichtlich am 2. März der Gemeinderat Rottenburg.

Hemmendorfer Initiative ist gegen das geplante neue Baugebiet
Hier ist das geplante Dorf- und Wohngebiet (etwa bis zu den Nadelbäumen links hinten) aus dem Fenster der Landwirtsfamilie Stark zu sehen, deren Hofstelle selbst auch mit einbezogen werden soll.. Weil Konrad Stark Heu und Stroh vermarktet, muss er regelmäßig mit Lastzügen (Bildmitte) seinen Hof an- und auch wieder abfahren und sieht deshalb Konflikte mit den künftigen Nachbarn auf sich zukommen. Am Westrand des Alt-Dorfs (im Bild rechts) wiederum fürchten die jetzigen Anwohner um ihre teils malerisch verwilderten Gärten samt der Streuobstwiese davor. Bild: Faden

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11.02.2010, 12:00 Uhr

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