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Blasmusik mit Gefühl

Herausragendes Jahreskonzert des Rexinger Musikvereins

Hervorragend wurde im Mai das Wertungsspiel der Jugendkapelle Grünmettstetten-Rexingen bewertet – und die Trophäe des Landrates für das beste Jugendorchester im Kreis Freudenstadt zierte beim Jahreskonzert des Musikvereins Rexingen die Johanniterhalle. Mit den Wertungsstücken „Atlantis“ und „The little Magyar“ stellten die Jungmusiker unter der Stabführung von Ferenc Guti erneut ihr großes Können unter Beweis.

30.11.2015
  • Hans-Michael Greiss

Rexingen. Selbstbewusst führten die jungen Künstlerinnen in ihren Vortrag ein, mit höchster Anspannung suchten sie vor jedem Einsatz den Blickkontakt mit ihrem Dirigenten. Beim „Viva la Vida“ von Coldplay gab Guti seinen Schützlingen ausgiebig Gelegenheit, ihre Lebensfreude mit ihren Instrumenten auszudrücken. Behutsam ließ er die einzelnen Register hervortreten, um sie wieder zum Vollklang zu vereinen, dass es eine Lust war, diese Leistung mit kräftigem Applaus zu belohnen. Zur Jahreszeit passend, dankten sie artig mit „Frosty the Snow Man“ als Zugabe.

Herrschten im ersten Teil mit der Jugendkapelle noch die leisen Töne vor, so gingen die Erwachsenen des Musikvereins mit dem „William Blueheart March“ gleich in die Vollen. War dieses Stück doch für all die komponiert worden, die sich dem Blasorchester verschrieben haben, wie Sybille Gunkel im ersten ihrer sorgfältig ausgearbeiteten Texte erklärte.

Mit der wirkungsvollen Akzentuierung eines summenden Klirrens der Becken lenkte der erst zwölfjährige Tom Asprion die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf das erhöht im Hintergrund stehende Schlagwerk. Seit er an der Fasnet einspringen musste, hat er sich zum unverzichtbaren Bestandteil des Orchesters entwickelt.

Sozialkritik in Töne umgesetzt

„Abenteuerlich“ hatte der Musikverein sein Konzert überschrieben, und Ferenc Guti stellt mit seiner Auswahl Klanggemälde vor, die die Fantasie anregten und beim Zuhören bildhafte Vorstellungen weckten. „Adventure“ von Markus Götz ließ vor den geschlossenen Augen der Lauschenden mit dumpfem Grollen Pferderitte in der Prärie oder in Largo-Passagen einen Film ablaufen.

Den vier Titeln von Udo Jürgens verlieh der Musikverein mit ständig neuen Charakteren individuelle Interpretationen. Im mitreißenden Swing verlieh er der Rentnergeneration „mit 66 Jahren“ die explosionsstarke Vitalität, peitschend setzte er das Häubchen auf „Aber bitte mit Sahne“.

Dem „Symphonic Poem Colorado River“ gab er die Sehnsucht nach den riesigen Ausdehnungen des „American Dream“. Maestoso begann hymnenartig der Ursprung in den Rocky Mountains, beim schnellen Country Dance hörte man das Banjo für „Oh Susanna“ spielen, derweil sich der Fluss molto crescendo in den Grand Canyon stürzt, um sich im Finale grandioso in The Great Lake zu ergießen.

Nick Glennie-Smith hatte mit seinem „Der Mann mit der eisernen Maske“ Sozialkritik in Töne gesetzt, als die vier Musketiere in der Zeit des Sonnenkönigs den darbenden Unterdrückten Schutz bieten wollten. Carina Asprions einfühlsames Hornsolo gab die düstere Stimmung des Kerkers perfekt wieder. Evelyn Breuling brillierte an Quer- und Piccoloflöte in der höfischen Etikette am Versailler Hof. Doch wäre es ungerecht, nur diese beiden Damen an exponierter Stelle herauszuheben, das geniale Dirigat Ferenc Gutis verstand es, ein Ensemble selten gehörter Harmonie zu präsentieren.

Herp Alperts Golden Hits weckten Erinnerungen an die Gute-Laune-Melodien der sechziger Jahre. Beim „A Taste of Honey“ gab es allerdings kein klebriges Honiggefühl, sondern im schmissigen Sound zeigten sich die Trompeten von ihrer strahlensten Seite. Beim „Tijuana Taxi“ ließen die Rexinger Musiker ihr Publikum am ganzen Körper mehr vibrieren, als es auf der schlaglochreichsten Piste Nordmexikos möglich wäre.

Sybille Gunkel fasste den Anspruch des Konzertes und ihres Musikvereins treffend zusammen: „So muss Blasmusik sein – den Gefühlen Ausdruck geben.“

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30.11.2015, 01:00 Uhr

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