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Polizei gab Tipps zum Schutz gegen unerwünschte Eindringlinge

Herbst und Winter sind die Zeit der Einbrecher

Der beste Schutz ist nicht das Sicherheitsschloss, nicht das Stahlgitter und nicht der Safe – am abschreckendsten wirken auf Diebe Licht, laufendes Radio und aufmerksame Nachbarn. Die Polizei rät dazu, gleich die 110 zu wählen, wenn man nebenan verdächtige Gestalten beobachtet.

31.10.2012
  • Jonas Bleeser

Kreis Tübingen. Zweimal versuchte ein Einbrecher am vergangenen Wochenende in Pfrondorf in Häuser einzusteigen. Einmal geriet er an eine stabile Terrassentüre und Sicherheits-Fenster, so dass er mit seinem Schraubenzieher scheiterte – und einmal schaffte er es ins Innere. Dort erbeutete er Wertsachen für mehrere tausend Euro. Den Unterschied machte wahrscheinlich die Qualität der Fenster: Beim ersten Haus dauerte es einfach zu lange, vermutet Lothar Rieger. Der Kriminalhauptkommissar gab am Dienstag in einem Laster des Landeskriminalamtes (LKA) auf dem Tübinger Holzmarkt Tipps, wie man es Einbrechern schwer machen kann.

Mehrere hundert besorgte Bürger kamen im Laufe des Tages. Im Inneren des Trucks sahen sie Fenster mit abschließbaren Griffen, Stahlgitter, einen Tresor, Schlösser die selbstständig abschließen, Zusatz-Riegel für Fenster und Türen. Technisch gibt es viele Möglichkeiten, wie man die Diebe unter Stress setzt: „Eines haben die nämlich nicht: Zeit“, sagt Rieger. „Der Täter will kein Risiko.“

Das bestätigt eine Studie der Uni Bochum. Dabei wurden 27 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilte Einbrecher intensiv befragt. Ein Ergebnis: Gelang es nicht innerhalb von fünf Minuten, ins Haus hinein zu kommen, gaben die meisten Diebe auf und versuchten es woanders.

Spezialisiertes Einbruchswerkzeug wie elektrische Dietriche verwendet kaum ein Einbrecher. „Das ist zu kompliziert und zu laut“, sagt Thomas Wurster vom LKA. Auf organisierte Banden deutet die Fensterbohrer-Methode hin (zuletzt in Hirschau): Unterhalb des Fenstergriffs wird ein Loch gebohrt, dann eine Metallstange mit einem Gelenk durchgesteckt. An diesem knickt die Stange ab. Dreht man nun daran, hebelt sie den Griff auf und das Fenster ist offen.

Meistens greifen die Kriminellen aber schlicht zum Schraubenzieher und hebeln es einfach auf. Größte Schwachstelle ist bei den meisten Häusern aber die Terrassentüre: Bei über 50 Prozent der Einbrüche tragen die Diebe ihre Beute so ganz bequem zum Auto. Rieger warnt eindringlich davor, Fenster zum Lüften gekippt zu lassen, auch nicht in den oberen Stockwerken. „Da kann man sie auch gleich ganz offen lassen.“

In der Regel bräuchten Diebe keine Leiter mitbringen: Eine Mülltonne und ein Gartenstuhl reichen als Ersatz. Im Herbst und Winter steigt die Zahl der Einbrüche, weil es bereits zu Zeiten dunkel ist, in denen viele noch unterwegs sind. Die Polizei rät, über eine Zeitschaltuhr ein Radio und Lampen im Haus einzuschalten: „Das täuscht Anwesenheit vor und schreckt ab“, sagt Rieger.

Die Zahl der Einbrüche im Kreis ist 2012 gegenüber dem Vorjahr stark gestiegen: Damals waren es im ganzen Jahr 77, dieses Jahr bis Ende Oktober bereits 82. Polizeisprecher Ewald Raidt kann dafür keinen genauen Grund nennen. Über die vergangenen 20 Jahre gab es immer wieder Ausreißer in der Statistik. 1994 beispielsweise gab es 267 Einbrüche, 2009 dagegen nur 73.

Über die Täter weiß die Polizei wenig – was vor allem an der lausigen Aufklärungsquote liegt. Im Kreis Tübingen betrug sie im vergangenen Jahr 16,9 Prozent, über 80 Prozent der Fälle blieben ungelöst. Im Landesdurchschnitt sieht es mit 16,4 Prozent noch schlechter aus, im Bundesdurchschnitt betrug die Quote sogar nur 16,2 Prozent.

Raidt appelliert deshalb, die Polizei sofort über den Notruf 110 zu informieren, wenn einem Leute auffallen, die sich verdächtig verhalten. „Das hat überhaupt nichts mit Blockwart-Mentalität zu tun“, sagt Raidt – nur durch aufmerksame Nachbarn sei beispielsweise der brutale Überfall auf einen Rentner in Ammerbuch 2009 aufgeklärt worden. Auch Rieger glaubt, dass jeder Informationsschnipsel wichtig ist: „Eine Beobachtung kann auch für andere Fälle wichtig sein. Das ist wie bei einem Puzzle.“

Info Die Polizei informiert im Internet auf www.polizei-beratung.de. Eine Liste mit Firmen, die Sicherheitstechnik anbieten, gibt es unter www.experten-gegen-einbruch.de. Lothar Rieger berät bei Hausbesuchen kostenlos (0 70 71 / 972 81 71).

Herbst und Winter sind die Zeit der Einbrecher
Mit einem Lastwagen zieht das Landeskriminalamt von Stadt zu Stadt und zeigt, wie es Einbrechern möglichst schwer gemacht wird.

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31.10.2012, 12:00 Uhr

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