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Hertie-Institut für Hirnforschung erhält Bestnoten
Astrid Proksch
Stiftung auf dem Rückzug · Geldgeber gesucht

Hertie-Institut für Hirnforschung erhält Bestnoten

Herausragend und beispielhaft – das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) erhält vom Wissenschaftsrat beste Bewertungen. Beruhigend nicht nur für Patienten, sondern auch für das Institut selbst. Mittelfristig braucht es neue Geldgeber.

03.11.2015
  • Angelika Bachmann

Tübingen. Die Gesellschaft wird immer älter, Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer, aber auch andere neurologische Erkrankungen nehmen zu. Ansätze für neue Therapien und effiziente Diagnostik werden dringend gesucht. Doch um die medizinische Forschung war es, zumindest an deutschen Universitäten, lange Zeit nicht sehr gut gestellt. Zeit für die Forschung hatten die meisten Klinikärzte nur nach Feierabend oder am Wochenende.

Einer, der das stets beklagte, war der langjährige Leiter der Tübinger Neurologischen Uni-Klinik, Prof. Johannes Dichgans, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Und er wollte das zumindest in Tübingen ändern. 2002 gewann er die gemeinnützige Hertie-Stiftung dafür, sich mit (bis heute) mehr als 40 Millionen Euro für ein Modellprojekt zu engagieren: Ein Hirnforschungsinstitut, das mit der Neurologischen Klinik so eng verzahnt ist, dass Patienten und Forscher optimal davon profitieren können.

Dass das gelungen ist, hat der Wissenschaftsrat den Tübinger Hirnforschern jetzt in einem ausführlichen Gutachten bestätigt. Der Wissenschaftsrat berät die Regierungen in Bund und Ländern und gibt Empfehlungen zu strukturellen Entwicklungen der Wissenschaftslandschaft. Das Tübinger Zentrum, so der Wissenschaftsrat, sei innovativ und habe sich zu einer Einrichtung mit herausragender nationaler und internationaler Reputation entwickelt. Das Gutachten gibt dem Hertie-Institut Rückhalt für die kommenden Jahre. Denn die Hertie-Stiftung hat zwar die Mit-Finanzierung für die kommenden fünf Jahre noch einmal bewilligt, gleichzeitig aber klargestellt, dass es eine „dauerhafte institutionelle Grundfinanzierung“ nicht als seine Aufgabe betrachte. 20 Jahre sind für eine Anschubfinanzierung ohnehin eine lange Zeit.

Auf die Bewertung in dem Gutachten sei man sehr stolz, sagen Prof. Thomas Gasser vom Vorstand des Hertie-Instituts und Geschäftsführerin Astrid Proksch. Zumal das Institut nicht nur als herausragende Forschungseinrichtung gelobt wurde. Genauso wichtig sei den Verantwortlichen die Frage, wie die klinische Versorgung der Patienten bewertet wurde. Auch hier bescheinigt das Gutachten den Hertie-Leuten sehr gute Arbeit, von der Organisation der Abläufe in den klinischen Abteilungen bis zur Weiterbildung.

Ein Beispiel dafür ist die Versorgung von Schlaganfallpatienten in der so genannten „Stroke Unit“: Die Tübinger Klinik hat europaweit die kürzeste Zeitspanne, die zwischen Ankunft des Patienten und Behandlungsbeginn liegt, so Gasser. Ein anderes Beispiel sind die zahlreichen Spezialambulanzen, in denen zum Beispiel Patienten mit Parkinson, Epilepsie oder auch seltenen neurologischen Erkrankungen therapiert werden. Weil die behandelnden Ärzte auch Forscher sind, finden Patienten einfachen Zugang zu Studien, in denen neue Diagnosen und Therapien erforscht werden.

Rund 350 Mitarbeiter hat das Neurologische Zentrum, dessen Hauptstandorte die Neurologische Uni-Klinik (im Crona-Bau) und das Forschungsgebäude auf dem Schnarrenberg sind. Das Budget setzte sich 2014 neben den Stiftungsgeldern (rund 3 Millionen Euro) aus Mitteln des Landes für Forschung und Lehre (2,3 Millionen Euro), Drittmitteln (6,5 Millionen Euro) und einer Teilförderung aus Mitteln der Exzellenzinitiative (0,6 Millionen Euro) zusammen.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt, den zu erwartenden Rückzug der Hertie-Stiftung über eine gesicherte Bund-Länder-Finanzierung zu kompensieren. Man habe ein Interesse daran, „schnell Klarheit“ über die künftige Entwicklung zu bekommen, so Geschäftsführerin Proksch. Es wurden auch bereits erste Gespräche mit dem Stuttgarter Wissenschaftsministerium geführt.

Hertie-Institut für Hirnforschung erhält Bestnoten
2004 bezogen die Forscher des Hertie-Instituts für Klinische Hirnforschung den Neubau auf dem Schnarrenberg. Dem Gebäude zur Seite gestellt sind mittlerweile zwei weitere Forschungseinrichtungen: das Centrum für Integrative Neurowissenschaft (CIN) und das Deutsche Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Hertie-Institut für Hirnforschung erhält Bestnoten
Thomas Gasser

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung umfasst fünf Abteilungen: Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen (Leitung: Prof. Ulf Ziemann), Neurologie mit Schwerpunkt Epileptologie (Prof. Holger Lerche), Neurologie mit Schwerpunkt neurodegenerative Erkrankungen (Prof. Thomas Gasser), Kognitive Neurologie (Prof. Hans-Peter Thier) und Zellbiologie neurologischer Erkrankungen (Prof. Mathias Jucker). Die ersten drei Abteilungen führen Betten in der Neurologischen Uni-Klinik. Zudem gibt es 18 Spezialambulanzen. 2014 wurden 4500 Patienten stationär, 10 300 ambulant behandelt.

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03.11.2015, 12:00 Uhr

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