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„Herz und Seele eines Orchesters“
Wurde 92 Jahre alt: Neville Marriner. Foto: Dpa
Er gründete die Academy of St. Martin in the Fields und war Chef des RSO Stuttgart: Sir Neville Marriner ist tot.

„Herz und Seele eines Orchesters“

Eine unscheinbare Kirche am Trafalgar Square in London ist Namensgeber des berühmten Orchesters Academy of St. Martin in the Fields. Der Gründer Neville Marriner starb jetzt mit 92 Jahren.

04.10.2016
  • DPA

London. Der britische Dirigent Neville Marriner war ein Meister des Musikgeschäfts. Als Teenager studierte er Geige, später gehörte er als Violinist zum Londoner Symphonieorchester und gründete 1958 die Academy of St. Martin in the Fields, die sich unter Klassikfreunden einen erstklassigen Ruf erspielte. Am Sonntag starb der Ausnahmemusiker im Alter von 92 Jahren.

Noch wenige Tage vor seinem Tod stand Marriner am Pult bei einem Konzert im italienischen Padua. „Ich würde sterben“, sagte er einmal, „wenn ich aufhören würde zu dirigieren“. Mit 90 Jahren leitete er sogar als ältester Dirigent die Sommerkonzertreihe „Proms“ in der Londoner Royal Albert Hall.

Auch nach Deutschland hatte er starke Verbindungen: Von 1983 bis 1989 war er Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart. Seine Einspielungen umfassten die Werke der barocken und romantischen Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten. Seine Einspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein, darunter Grammys.

Markenzeichen Rollkragen

Marriner, dessen Markenzeichen ein weißer Rollkragenpulli war, wurde 1924 im ostenglischen Lincoln geboren. Die Liebe zur Musik wurde ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war Architekt und Chorleiter. Nach seiner Schulzeit begann Marriner am Royal College of Music in London mit einem Violinstudium. Danach ging er in die Violinklasse von René Benedetti am Pariser Konservatorium. Das Rüstzeug zum Dirigenten holte er sich in Privatstunden bei Pierre Monteux und in Sommerkursen. Außerdem half ihm die Orchestertätigkeit unter Herbert von Karajan und Arturo Toscanini.

In den 50er Jahren überredete Marriner Kollegen, zusammen mit ihm in einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert in London Konzerte zu geben. So entstand die Academy of St. Martin in the Fields. Der Durchbruch gelang Marriner und seinem Kammerorchester 1970 mit einer Aufnahme von Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Damit reiste das Orchester um die ganze Welt. Marriner formte die Gruppe zu einem herausragenden Ensemble, das Musik aus verschiedenen Epochen spielte. Zu seinen erfolgreichsten Aufnahmen gehört die Filmmusik zu Milos Formans Oscar-prämiertem Mozart-Film „Amadeus“ (1984).

Weggefährten lobten Marriners Brillanz, Integrität und seinen Humor – und dass er ständig den Dialog mit seinen Musikern suchte. Für den Musik-Direktor der Academy of St. Martin in the Fields, Joshua Bell, ist klar: Marriner wird immer das Herz und die Seele des Orchesters bleiben. dpa

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04.10.2016, 06:00 Uhr

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