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Vorsorge

Herzkrankheiten sind Frauenleiden

Nur am Infarkt sterben mehr Männer. Verstellt Angst vor Brustkrebs den Blick auf die Todesursache Nummer eins?

26.01.2017
  • DPA

Berlin. Herzinfarkt ist eher Männersache. Das ist nicht nur ein Klischee, das sagt auch die Statistik. An den anderen typischen Herzleiden jedoch wie Rhythmusstörungen, Klappenerkrankungen und Herzschwäche sterben seit Jahren deutlich mehr Frauen als Männer, heißt es im neuen Herzbericht.

An Herzklappenkrankheiten zum Beispiel sind 2014 genau 6180 Männer gestorben, aber 9884 Frauen. „Unerwartet groß“ nennen Fachleute diesen Geschlechterunterschied. Das gilt auch für Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche.

„Frauen mit diesen Herzkrankheiten haben offensichtlich eine ungünstigere Prognose als männliche Patienten“, sagt Thomas Meinertz, der Vorstandschef der Deutschen Herzstiftung. Sie erkranken sieben bis zehn Jahre später an Herzleiden als Männer. Da Herzprobleme überwiegend eine Krankheit des Alters sind – vor allem von 60 an –, ist schon das Alter ein höheres Risiko.

Dazu kommen hormonelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen und eine unterschiedliche Anatomie der kleinen Herzkranzgefäße. Aber auch die Psychologie.

„Viele Frauen glauben, dass sie nicht herzkrank werden“, sagt Hugo Katus, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Die Sorge vor Brustkrebs sei viel größer. „Es erkranken aber zehn Mal mehr Frauen an Herz- und Gefäßkrankheiten als an Brustkrebs.“ Dafür müsse das Bewusstsein geschärft werden. Auch sei ein Herzleiden bei Frauen schwerer zu diagnostizieren.

Jeder vierte Bypass für eine Frau

Frauen werden deutlich seltener auf bestimmte Herzkrankheiten untersucht, heißt es im Herzbericht. Sie werden seltener Röntgenanalysen mit Kontrastmitteln unterzogen, die Hinweise auf Verengungen oder Verstopfungen der Herzkranzgefäße geben können. Sie erhalten deutlich seltener Gefäßstützen (Stents) als Männer. Und von den rund 52 000 Bypass-Patienten im Jahr 2015 waren 78 Prozent Männer und nur 22 Prozent Frauen.

In der Summe ist der „klassische Herztod“ in Deutschland seltener geworden. Infarkte könnten durch bessere Prävention, Rettung, Diagnostik, Chirurgie und Medikamente heute erfolgreicher behandelt werden, sagt der Kardiologe Katus.

Mehr Herztode gebe es in der alternden Gesellschaft dagegen mit den Diagnosen Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Herzklappenerkrankungen. Und das sind eben die Herzkrankheiten, an denen mehr Frauen erkranken. dpa

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26.01.2017, 06:00 Uhr

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