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Verdächtige Hörerpost

Heute eröffnet Ausstellung zur deutsch-deutschen Radiogeschichte im Frankfurter Museum für Kommunikation

Welche Bedeutung hatte "Das klingende Sonntagsrätsel" im Radio für die DDR und Stasi? "Abgeschickt, abgefangen, aufgefunden" klärt darüber auf.

09.11.2015
  • DAVID SCHÄFER, EPD

Frankfurt Als die Kuratoren einer Ausstellung über die Post- und Telefonkontrolle in der DDR nach abgefangenen Briefen suchten, machten sie eine kuriose Entdeckung: In Stasi-Archiven befinden sich 4500 Briefe und Postkarten aus dem ehemaligen Bezirk Dresden an "Das klingende Sonntagsrätsel", die nie ankamen. Die seit 1965 vom Rias (Rundfunk im amerikanischen Sektor) ausgestrahlte gesamtdeutsche Unterhaltungssendung gehörte in West und Ost für viele Menschen zum sonntäglichen Ritual. Jeweils sechs Melodien wurden da gespielt, zu denen es je eine Frage gab. Wer das richtige Lösungswort einsandte, konnte auf einen kleinen Gewinn hoffen. So kam es, dass tausende DDR-Bürger wöchentlich Briefe an den Rias in Westdeutschland schrieben. Zwar war es in der DDR nicht verboten, den Rundfunk des amerikanischen Sektors zu hören. Wer jedoch dabei erwischt wurde, war geächtet - und wurde in manchen Fällen interniert.

Denn in den Briefen an das "Sonntagsrätsel" ist mehr zu lesen als das Lösungswort: Die Post steckte voller Lebensgeschichten, Alltagsprobleme, Hoffnungen und Ängste, mitunter auch voller politischer Äußerungen. Die Ausstellung "Abgeschickt, abgefangen, aufgefunden" im Frankfurter Museum für Kommunikation stellt diese Briefe nun in einen historischen Rahmen. Studierende des Instituts für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin haben dafür Archivbestände gesichtet. "Wir wollten die Propaganda zwischen Ost- und Westdeutschland runterbrechen auf einen kleineren, menschlichen Raum", sagt Kuratorin Lilo Nagengast, eine ehemalige Mitarbeiterin des Stasi-Unterlagen-Behörde. Die Einsender seien damals keinesfalls auf den Gewinn ausgewesen. "Sie wollten weiterhin dazugehören." "Als unser erster Moderator, Hans Rosenthal, schwer erkrankte, erreichten uns unglaublich viele Genesungswünsche", berichtet Christian Bienert, ein ehemaliger Moderator der Sendung. Er erklärt sich die Popularität der Sendung auch damit, dass der Rias für die DDR-Bürger als Informationskanal diente. Das DDR-Regime versuchte mit allen Mitteln - etwa mit Parolen wie "Wer Rias hört, den Frieden stört" und mit Störsendern -, seine Bürger vom Hören abzuhalten. Dennoch kamen vor der Wende 1989 in der Redaktion durchschnittlich 6000 bis 11 000 Einsendungen pro Woche an. Sowohl Rosenthal als auch Bienert versuchten, so vielen Zuhörern aus der DDR wie möglich zu antworten. Unter Bienert setzte der Sender eine fiktive Adresse ein, an der weit mehr Post ankam als beim Rias.

Das Ausmaß der Popularität wurde den Verantwortlichen aber erst nach dem Mauerfall richtig bewusst: Plötzlich trafen in der Redaktion bis zu 74 000 Zuschriften in der Woche ein. "Einerseits kam jetzt endlich jede Zuschrift durch. Andererseits werden sich auch viel mehr Leute getraut haben", meint Bienert. Heute ist das "Sonntagsrätsel" sonntäglich um 10.30 Uhr bei Deutschlandradio Kultur zu hören. Mittlerweile kommen deutlich weniger Zuschriften an, die meisten in elektronischer Form.

Info "Abgeschickt, abgefangen, aufgefunden" ist bis 31. Januar zu sehen. Geöffnet außer am 24., 25., 31. Dezember und 1. Januar Di-Fr 9-18 Uhr; Sa/So/ Feiertage 11-19 Uhr.

Heute eröffnet Ausstellung zur deutsch-deutschen Radiogeschichte im Frankfurter Museum für
Hans Rosenthal - hier 1971 - war einer der Moderatoren des "Sonntagsrätsels". Foto: Rias

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09.11.2015, 12:00 Uhr

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