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Die Fronleichnamsprozession war einst eine antireformatorische Demonstration

Heute soll das Hinaustragen der Hostie in einer Monstranz darstellen, dass die katholische Verehrung des Allerheiligsten nicht an der Kirchenpforte endet

Das waren noch Zeiten, als die Fronleichnamsprozession in Rottenburg so aussah, wie auf den Fotos. Die Straßenränder waren voller Birkengrün, die Fenster der Häuser viel häufiger geschmückt als heute. Mehr Gläubige liefen in der Prozession mit, und erst recht war die Zahl der Beobachter auf den Bürgersteigen weitaus größer.

04.06.2015
  • gef

Rottenburg. Beide Fotos entstanden in der Sprollstraße: Das Haus mit dem Doppelgiebel ist die Alte Realschule, heute Volkshochschule, rechts daneben das alte Prälatenhaus, das die Diözese Jahrzehnte lang vom Land gemietet hatte. Die Fotos wurden 1959 oder 1960 gemacht, sagt Hildegard Ulmer aus Wendelsheim. Sie hat sie aus dem umfangreichen Nachlass ihres Vaters Alois Sieß, dem Bruder des früheren Wendelsheimer Pfarrers Wendelin Sieß.

„Vielleicht erkennt jemand jemanden“, sagte Ulmer. Die Menschen kleideten sich festlich damals, auch jene, die nur das Spalier bildeten. Auf den Bildern ist auch zu erkennen, dass die Straßen des Prozessionswegs mit Gras bedeckt waren. Dieser Brauch wurde abgeschafft, weil der Grünschnitt die Kanalisation verstopfte.

So selbstverständlich wie einst die Rottenburger vor Fronleichnam die von der Stadt angelieferten jungen Birken an ihren Häusern befestigten und den Stamm in eine Dose mit Wasser stellten, geht das heute nicht mehr. Die Stadt verschickt in Amtshilfe fürs Bischöfliche Ordinariat Briefe an die Einwohner an der Prozessionsstrecke und bittet um Hilfe beim Schmücken. Vielleicht sollte das Rathaus den Brief in mehreren Sprachen abfassen, denn der frühere Baubürgermeister Holger Keppel hatte in seinem Buch „Das Bild der Stadt verändert sich“ nachgewiesen, dass in mehreren Kleinquartieren des Stadtzentrums der Anteil ausländischer Einwohner 50 Prozent überschreitet. Seit vor wenigen Jahren von den mittwochs verteilten Birken am Feiertag noch der größere Teil unbeachtet herumlag, sammelten die Technischen Betriebe die unbefestigten Bäumchen wieder ein.

Der städtische Brief erklärt aber auch, was Fronleichnam für die Gläubigen heute bedeutet: Das den Katholiken Allerheiligste, die geweihte Hostie als Symbol für den Leib Christi, wird nach draußen getragen. Es soll zeigen, sagte Margret Schäfer-Krebs, Fachreferentin für Liturgie und Ökumene in der Diözese, dass die Verehrung, dass der Glaube nicht am Kirchentor endet.

Fronleichnam, so Schäfer-Krebs, wird seit dem 13. Jahrhundert gefeiert. Im 16. Jahrhundert verachtete der Reformator Martin Luther die Feier als das „schädlichste aller Feste“, die Prozessionen als unbiblisch und als Gotteslästerung. Was den Evangelischen der Karfreitag, war den Katholiken Fronleichnam; die Evangelischen hatten die Bibel und das Wort Gottes, die Katholiken die Eucharistie. Nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563), das Fronleichnam bestätigte, wurde der Feiertag zur antiprotestantischen Demonstration mit großem personellen Aufgebot und – die Barockzeit war empfänglich – mit reichlich Prunk. Man trage das Geheimnis des Glaubens hinaus, sagte Schäfer-Krebs, „dazu putzt man sich raus“. Aber: „Seit dem Konzil sind wir darüber hinweg.“ Sie meinte das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965).

Heute soll das Hinaustragen der Hostie in einer Monstranz darstellen, dass die katholische

Heute soll das Hinaustragen der Hostie in einer Monstranz darstellen, dass die katholische

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04.06.2015, 12:00 Uhr

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