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Rückbesinnung auf den alten Meister

Heute vor 225 Jahren wurde der Eisenbahn-Pionier und Ökonom Friedrich List geboren: Kleines Listjahr für den Jubilar

Heute vor 225 Jahren wurde Friedrich List geboren. Mit einem ganzen Veranstaltungsreigen ehrt die Stadt Reutlingen ihren bedeutenden Sohn.

06.08.2014
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Neben einer hochkarätigen wirtschaftswissenschaftlichen Tagung in der Hochschule Reutlingen sind unter anderem ein Festakt sowie ein Konzert der Württembergischen Philharmonie geplant. Vor kurzem stellten das städtische Kulturamt und die anderen Organisatoren in der Zunftstube des Heimatmuseums das Programm des „kleinen Listjahrs“ vor. Also dort, wo, wie Kulturamtsleiter Werner Ströbele betonte, einst schon Lists Vater als Zunftmitglied ein und aus ging.

Das kleine Listjahr beginnt am heutigen Geburtstag des Jubilars mit einer Ausstellungseröffnung im Geburtshaus von Friedrich List – seit 1990 Sitz der Buchhandlung Osiander. Auch darüber hinaus, so Geschäftsführer Heinrich Riethmüller, gebe es Beziehungen von Osiander zu List. List habe beispielsweise 1818 im damaligen Osiander Verlag ein Buch veröffentlicht. Und nun ist im Listhaus bis zum 31. Oktober die List-Sammlung von Prof. Eugen Wendler zu sehen. In sechs Vitrinen werden über 100 Exponate gezeigt, die Wendler im Laufe der vergangenen 40 Jahre zusammengetragen hat. Darunter ein Ölgemälde, das die künstlerisch begabte List-Tochter Caroline einst von ihrem Vater gemalt hat. Das Porträt befindet sich im Besitz der Hochschule Reutlingen und wird zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen sein. Der List-Forscher Wendler wird die Schau heute um 19 Uhr mit einem Vortrag zum Thema „Technologischer Fortschritt und Science-Fiction bei Friedrich List eröffnen“ und dabei ein weiteres, sein 15. Buch zu List präsentieren. Nachdem er 2013 im Springer Gabler Verlag den Band „Friedrich List (1789-1846) – ein Ökonom mit Weitblick und sozialer Verantwortung“ herausbrachte, ist nun ebenfalls bei Springer Gabler der Ergänzungsband „Friedrich List im Zeitalter der Globalisierung – eine Wiederentdeckung“ erschienen. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung vom Reutlinger Liederkranz.

Eine Abendstunde mit Eugen Wendler am 18. September im Heimatmuseum ist dem Thema „Friedrich List und seiner Familie“ gewidmet. Der Festakt der Stadt Reutlingen zum 225. Geburtstag des bedeutenden Reutlingers steigt dann am 8. Oktober im Foyer des Rathaus. Der Festredner ist in Reutlingen kein Unbekannter: Prof. Dieter Senghaas aus Bremen hielt bereits vor 25 Jahren den Jubiläumsvortrag zum 200. Geburtstag von Friedrich List.

Der Festakt ist gleichzeitig der Auftakt zum zweitägigen List-Symposium an der Hochschule Reutlingen, deren Titel das List-Zitat „Durch Wohlstand zur Freiheit“ ist. Trotz Lists großem Einfluss, erläuterte Prof. Stephan Seiter, der an der European Business School das List-Institut leitet, sei der Ökonom vor allem in deutschsprachigen Lehrbüchern noch (zu) wenig vertreten. Man müsse in der Volkswirtschaftslehre wegkommen von den mathematischen Modellen, fordert Seiter eine „Rückbesinnung auf die Gedanken der alten Meister“. Wie beispielsweise Friedrich List.

Mit der Tagung, an der einige renommierte internationale List-Forscher teilnehmen, wolle man einen Spagat wagen: Sich einerseits an Wissenschaftler wenden und andererseits die Öffentlichkeit zulassen. Vorträge, die für Publikum interessant sind, werden deshalb auf Deutsch gehalten, Vorträge, die sich an ein Fachpublikum wenden, auf Englisch (siehe Kasten).

Und dann gibt es noch List und die Musik. 40 Jahre haben die Reutlinger Philharmoniker in der Listhalle gespielt und schon von daher eine ganz besondere Beziehung zu dem bedeutenden Reutlinger Sohn. Doch es gibt auch musikalische Bezüge, wie WPR-Intendant Cornelius Grube von Wendler erfuhr. Elise List, die musisch begabte List-Tochter, war eng mit Clara Schumann befreundet und selbst Sängerin. Im Gewandhaus Leipzig gab sie Konzerte und wurde von Schumann am Klavier begleitet. Den Abschluss des kleinen Listjahrs und der Tagung bildet deshalb ein Werkkonzert am 9. Oktober um 20 Uhr in der Stadthalle, zu dem sich die WPR durch Elise List inspirieren ließ. Der erste Teil des Konzerts werde das Gewandhaus-Programm in Ansätzen wiedergeben, so Grube. Im zweiten Teil werde man den technisch fortschrittlichen List würdigen und Werke zum Thema Modernisierung und Industrialisierung spielen. Alexander Mossolows „Die Eisengießerei“ stehe deshalb ebenso auf dem Programm wie Schostakowitschs Ballett „Der Bolzen“. Dazwischen werden Arien zu hören sein, die sich mit dem Thema befassen. Beispielsweise „Summertime“ aus Gershwins „Porgy and Bess“. Als Solistin kommt die Sopranistin Sara Hershkowitz, die im vergangenen Jahr beim Mozartfest kurzfristig einsprang und als „Zaïde“ das Publikum begeisterte.

Heute vor 225 Jahren wurde der Eisenbahn-Pionier und Ökonom Friedrich List geboren: Kleines

Anlässlich des 225. Geburtstags von Friedrich List lädt die Hochschule Reutlingen vom 8. bis 10. Oktober zu einer Tagung mit dem Titel „To Freedom via Prosperity“ ein. Den Eröffnungsvortrag am 9. Oktober um 10 Uhr hält Prof. Eugen Wendler zum Thema „Die sieben Todsünden der Ökonomie aus der Sicht von Friedrich List“. Danach folgen mehrere Vorträge internationaler Listforscher: Mechthild Coustillac stellt „Die List-Rezeption in Frankreich“ vor. Auch der japanische Prof. Tetsushi Harade hält seinen Vortrag „Über Noboru Kobayashis Friedrich List-Forschung“ in Deutsch. Parallel und am nächsten Tag werden mehrere Vorlesungen auf Englisch für ein Fachpublikum gehalten. Dass als Gastredner unter anderem Prof. Mey Junjii aus China anreist, sei kein Zufall, betont Wendler: „List ist zur Zeit der wichtigste Wirtschaftstheoretiker in China.“

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06.08.2014, 12:00 Uhr

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