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Sehen per Mikrochip

High-End-Sehhilfen sind in der Versuchsphase

Mikrochip gegen Blindheit? Wird künstliches Sehen möglich? Professorin Barbara Wilhelm, Leiterin der Studienzentrale der Augenklinik der Universität Tübingen, stellte am Donnerstag in der Pausa den technischen Ersatz für verlorenes Sehvermögen vor.

20.10.2012
  • jon

Mössingen. Der Traum vom künstlichen Sehen: ein Traum, der für Blinde bisher nur ein kleines Sichtfenster aufgestoßen hat. Aber kein bloßes Wunschbild, das gar keine Chance auf Erfolg hätte. Im aufmerksamsten Wachzustand folgten am Donnerstagabend rund 60 Augen und ebensoviele Ohren einem Vortrag, der den Vortragsraum der Pausa zum Hörsaal machte: Barbara Wilhelm leitet die Studienzentrale der Augenklinik der Universität Tübingen. Dort wird ein „subretinales Implantat“ erprobt – ein Sehchip gegen Retina pigmentosa und andere Erkrankungen der Netzhaut. Das winzige Gerät wird in Reutlingen vom Medizintechnik-Unternehmen Retina Implant hergestellt.

Dieter Schmidt, Kopf des Bücherei-Fördervereins, begrüßte die Medizinerin im Rahmen der Reihe „Wissenschaftler/Innen in der Bücherei“. Wilhelm lebt im Steinlachtal, wohnt in in Ofterdingen und hat schon einmal, unter dem Titel „Todmüde oder hellwach“ über die Pupille als Auskunftsbüro für Körperzustände referiert. „Wissenschaft für den Menschen“ nennt Schmidt die Forschungsarbeit, die in Tübingen im Verbund mit anderen Kliniken und Instituten in Dresden, Kiel, Oxford, Singapur und Budapest geleistet wird.

Pixelfelder für Patienten

Es geht um einen Mikrochip: eine elektronische Prothese, in der 1500 Pixelfelder angeordnet sind. Mit Hilfe von Photozellen soll der Chip dabei helfen, Licht in elektrische Signale umzuwandeln. Voraussetzung dafür ist ein gesunder Sehnerv. Das Sehen ist eines der komplexesten Sinnessysteme – und dennoch gelang es Wilhelm, mit ihrer Weise des Erklärens, die Vorgänge einsichtig zu machen. Mitgebracht hatte sie dazu viele Bilder, ihr „Handexemplar“ des Gerätes, auch eine Simulationsbrille. Sie zeigte, wie das Implantat im Kopf aussieht und wie es unter die Netzhaut kommt.

Es gibt derzeit etwa 130 000 Blinde in Deutschland, und bei 25 Prozent von ihnen ist die Ursache eine degenerative Netzhauterkrankung. 1000 Menschen erblinden jedes Jahr allein an Retinitis pigmentosa. Fast alles, was helfen könnte, ist noch in der Forschung: Gentherapie, Medikamente, Elektrostimulation, auch das epiretinale Netzhautimplantat, das mit einer Art Brille arbeitet.

Kein echter Ersatz für die Netzhaut

„Selbst der beste Chip ist nicht so gut wie die Netzhaut“, sagt Wilhelm. Das Sehvermögen kann nicht zurückgegeben werden – aber es wird durch den Chip immerhin eine selbstständige Orientierung für die Erkrankten möglich.

Zehn Jahre intensiver Vorbereitung brauchte es, bis es 2003 überhaupt zu einer klinischen Studie kam. In der Hauptstudie sind, seit Mai 2010, bisher elf Patienten behandelt worden. Acht davon hatten „nutzbare Sehergebnisse“ und konnten Objekte lokalisieren. Einige konnten sogar Buchstaben lesen und Gesichter erkennen. Kosten entstehen in der Versuchsphase für die Patienten nicht.

Eine gute Sache, wie an einigen Videos über Gänge durch Tübingen erkennbar wurde. Auch die „Sendung mit der Maus“ hat den Zuschauern die Wirkungen des Chips schon gezeigt, ein glücklicher Vater war zu sehen, der erstmals das Gesicht seiner Tochter erblickte. Die Hörer stellten viele Fragen. Schmidt am Ende: „Ein ereignisreicher Abend.“

Info Hier erhält man Informationen über den Chip: Retina Implant Info-Center, 0 70 71 / 2 98 73 16, E-Mail: implant@stz-eyetrial.de

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20.10.2012, 12:00 Uhr

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