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Experte soll Schatz sichten

Hildebrand-Werke auf Kirchentellinsfurter Dachboden

Staubfrei und trocken lagern derzeit die Kunstwerke des Ehepaars Hildebrand auf der Bühne des Kirchentellinsfurter Verwaltungsgebäudes. In zwei Wochen schaut sie sich ein Experte an. Dann könnte es an die Aufarbeitung gehen.

17.09.2012
  • Manfred Hantke

Kirchentellinsfurt. „Ich habe sie noch nicht durchgezählt“, sagt Bürgermeister Bernhard Knauss. Zwischen 300 und 400 Kunstwerke sollen es sein, die Elisabet Hildebrand der Gemeinde vermacht hat: Zeichnungen, Ölgemälde, Aquarelle und Grafiken, quer durch unterschiedliche Materialien und Stilrichtungen – bis hin zum abstrakten Gemälde. Die meisten Bilder stammen von ihrem 1994 verstorbenen Mann Günter Hildebrand.

Der Kunstschatz lagert seit ein paar Monaten trocken und staubfrei in Luftpolsterfolien verpackt auf dem Dachboden des Verwaltungsgebäudes, schräg gegenüber dem Rathaus. Viele Bilder sind gerahmt, die meisten jedoch liegen in einem Schubladenschrank, aufbewahrt in Kunstmappen. Nach einigem Hin und Her hat der Gemeinderat die Erbschaft der Hildebrands im März dieses Jahres angenommen (wir berichteten).

Gerne am Baggersee gesessen und gemalt

Nun liegt der Schatz also oben auf der dunklen Bühne und wartet darauf, dass er bewertet wird. Wieviel daran ist, wird sich Anfang Oktober zeigen. Knauss hat einen Kunstexperten aus Esslingen eingeladen, der die Werke sichten will. Alles weitere hängt dann von dessen Einschätzung ab.

Der Schultes könnte sich vorstellen, für die Aufarbeitung des Hildebrand-Nachlasses und die künstlerische Zuordnung eine ABM-Stelle einzurichten oder einen Kunststudenten zu engagieren. Schön fände er es, wenn zur Feier der Rathauserweiterung 2014 eine Ausstellung mit Hildebrand-Werken gestemmt werden könnte. Ein Teil des Nachlasses könne auch im Schloss präsentiert werden. Zumal das Künstlerehepaar reichlich Bilder mit Kirchentellinsfurter Motiven geschaffen hat. „Günter Hildebrand hat gerne am Baggersee gesessen und gemalt“, weiß Knauss. Wie es weitergeht, darüber muss sich jedoch der Gemeinderat Gedanken machen, betont Knauss.

Doch kann sich die Gemeinde durchaus glücklich schätzen, das Erbe erhalten zu haben. Schließlich zeigten auch Dresden und Breslau Interesse. An der Dresdener Kunstakademie hat der 1911 in Breslau geborene Günter Hildebrand in den 1930er Jahren studiert. 1936 warfen die Nazis den jungen Mann von der Akademie. Kennengelernt hat sich das Paar dann nach dem Zweiten Weltkrieg in Tübingen. Elisabet, spätere Lehrerin am Reutlinger Friedrich-List-Gymnasium, war da noch Germanistik-Studentin und wurde durch eine provokante Bemerkung rasch zur Künstlerin: Es sei viel leichter, ein Bild zu malen, als ein ordentliches Gedicht zu schreiben, sagte sie ihrem damaligen Freund Günter.

Die Probe aufs Exempel folgte, die ersten Bilder wurden gleich auf einer Weihnachtsausstellung 1948 in der Tübinger Universitätsbibliothek gezeigt.

Hildebrand-Werke auf Kirchentellinsfurter Dachboden
Dieses Werk von Günter Hildebrand zeigt vermutlich die Abbrucharbeiten vor der Neugestaltung des Kirchentellinsfurter Rathausplatzes in den frühen 1980er Jahren. Bild: Gemeinde Kirchentellinsfurt

Hildebrand-Werke auf Kirchentellinsfurter Dachboden
Bürgermeister Bernhard Knauss auf der Bühne des Verwaltungsgebäudes. Für die TAGBLATT-Leser hat er ein Werk von Günter Hildebrand ausgepackt. Bild: Hantke

Elisabet und Günter Hildebrand waren seit 1948 in der „Notgemeinschaft Reutlinger und Tübinger Künstler“ aktiv. 1950 entstand daraus die Tübinger Künstlervereinigung Ellipse, später wurde daraus der Tübinger Künstlerbund. Die Hildebrands wohnten in Kirchentellinsfurt in der Neuen Steige, 1994 starb Günter Hildebrand, Elisabet Hildebrand im September vergangenen Jahres. Die Erbschaft wurde zunächst dem Reutlinger Spendhaus angeboten, das jedoch ablehnte. Das Tübinger Stadtmuseum hingegen suchte sich zehn Bilder aus, meist abstrakte Gemälde oder solche mit lokalem Bezug. Den großen Brocken von 300 bis 400 Werken erbte die Gemeinde Kirchentellinsfurt, die bereits Monate vor dem Tod von Elisabet Hildebrand Gespräche mit der Künstlerin über die Erbschaft geführt hatte. Zu den Bildern erhielt die Gemeinde 2000 Euro für Rahmung oder Restaurierung.

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17.09.2012, 12:00 Uhr

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