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Alternativmedizin · Tier und Mensch als Einheit

Hildegard Warneck behandelt Hunde und Pferde mit Akupunktur

Nicht nur bei Menschen boomt die Akupunktur – auch bei Tieren. Hildegard Warneck aus Öschingen etwa behandelt Pferde und Hunde seit fast zwanzig Jahren in ihrer Praxis.

12.10.2016
  • Amancay Kappeller

Tobi und Xixi stehen geduldig in ihren Boxen und harren der Dinge, die da kommen mögen. Alle vier bis sechs Wochen wird den beiden Pferden eine Akupunkturbehandlung zuteil – eine Heilmethode, bei der feine Nadeln in den Körper gestochen werden. Zu Hause sind die Vierbeiner in einem Jahrhunderte alten Stall in der Öschinger Untergasse. Der Stall grenzt ans Haus, in dem ihre Besitzerin wohnt: Tierheilpraktikerin Hildegard Warneck betreibt dort seit neun Jahren eine Praxis für Pferde und Hunde. Die Schwerpunkte der 54-Jährigen liegen auf Akupunktur und Phytotherapie nach traditionell chinesischen Gesichtspunkten – sowie auf klassischer Homöopathie.

In den meisten Fällen sucht Hildegard Warneck ihre Patienten samt Besitzern zu Hause auf. 90 Prozent sind Pferde, der Rest Hunde. Kundschaft hat sie im Umkreis von rund 100 Kilometern. Mensch und (Haus)Tier bilden eine Einheit, ein Energiefeld: Davon ist Warneck überzeugt. Deshalb sei es von großer Bedeutung, die Menschen in die Behandlung mit einzubeziehen, sagt Warneck: „Das Gespräch ist durch die Bank total wichtig.“ Tiere erkrankten, glaubt Warneck, oft dann, wenn ihre Menschen in Lebenskrisen steckten. Heilung ist nach dieser Auffassung „das Wiederherstellen der Balance in der Einheit Mensch-Tier“. Viele Vierbeiner begleitet die Öschingerin ein ganzes Tierleben lang. Das eine sei der Patient und seine Symptome. „Aber was ist die emotionale Schiene dahinter?“

Bevor Hildegard Warneck anfing, als Tierheilpraktikerin zu arbeiten, promovierte sie im Fach Biologie. Wissenschaftlich tätig war sie auch an der Uni Tübingen. Für ihr eigenes Pferd probierte sie vor vielen Jahren die klassische Homöopathie aus – und fand das Gebiet so spannend, dass sie dabei blieb. Von 1995 bis 2002 absolvierte die Öschingerin Ausbildungen zur Tierheilpraktikerin und in der klassischen Homöopathie, außerdem in der traditionellen chinesischen Veterinär-Akupunktur. 2013 bis 2016 setzte sie den Humanheilpraktiker drauf. Staatlich anerkannt ist der Beruf des Tierheilpraktikers nicht.

Menschen, die Hildegard Warneck kontaktieren, sind der Alternativmedizin gegenüber entweder aufgeschlossen – oder verzweifelt. „Oft gelten die Tiere als austherapiert und die Halter wissen nicht mehr weiter, etwa wegen einer chronischen Erkrankung“, erzählt die sie. Die meisten Kunden finden den Weg zu ihr über Mund-zu-Mund-Propaganda. Und kommen auch dann weiter in regelmäßigen Abständen, etwa zur Akupunktur, wenn die akuten Symptome verschwunden sind. „Der Schwerpunkt ist die Arbeit an der Gesunderhaltung, anders als in der Schulmedizin“, erklärt Warneck. „Der Therapieerfolg lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken“, sagt die Öschingerin. „Es gibt Sachen, da braucht man die Schulmedizin einfach.“ Dann wieder funktioniere beides gut in Kombination.

Nach Auffassung der traditionell chinesischen Medizin (TCM) kann ein Organismus, der im Gleichgewicht ist, nicht krank werden, erklärt Warneck. Wenn Energiebahnen, sogenannte Meridiane, blockiert sind, könne Energie nicht mehr frei fließen. „Das ist wie ein Bachbett, das verstopft ist“, so Warneck. Bei der Akupunktur ließen sich Stauungen durch Nadeln auflösen. Und das klappe laut Warneck nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren.

Warneck lebt seit 1985 im Raum Tübingen. 1998 gründete sie ihre eigene Praxis. Zunächst praktizierte sie in Kusterdingen, dann in Altingen und nun seit fast zehn Jahren in Öschingen. Schon als Kind war Warneck laut eigener Aussage tier- und vor allem pferdebegeistert. Mit zwölf Jahren entdeckte sie das Reiten für sich. Nach der Schule machte sie ein Praktikum auf einem Gestüt. „Es ist schon eine Berufung. Man muss es mit Herz machen“, sagt sie. Bereut hat Warneck die berufliche Umorientierung nie.

Bevor es ans Behandeln geht, steht eine ausführliche Anamnese an, erklärt die Öschingerin. Was plagt das Tier, und seit wann? Aber auch körperliche Eigenschaften werden abgefragt, Angewohnheiten und mögliche Verhaltensauffälligkeiten. „Ich will alles wissen“, sagt Hildegard Warneck. Beim Pferd ist durch die Nutzung verstärkt der Bewegungsapparat betroffen. Oft therapiert sie Rücken- und Atemwegsprobleme, aber auch Stoffwechselerkrankungen. Beim Hund ist ebenfalls in Sachen Bewegungsapparat oft Sand im Getriebe. Warneck beobachtet zudem Hautsymptome oder psychische Probleme in Form von Verhaltensstörungen, wie etwa Aggression. Pferd Tobi ist mittlerweile über 30 Jahre alt. Einst kam er als Patientenpferd zu Hildegard Warneck, jetzt ist er seit neun Jahren in ihrem Besitz. Kauen kann Tobi nicht mehr so gut. Akupunktureinheiten mag er nicht sonderlich, lässt sie aber über sich ergehen.

An der 13-jährigen Portugiesin Xixi demonstriert Warneck, wie sie bei der körperlichen Untersuchung der Pferde, die vor jeder Akupunktursitzung stattfindet, vorgeht. Diagnostikpunkte am Körper des Tiers werden ausfindig gemacht, „Muskeldellen“ aufgespürt. Die Meridiane beginnen und enden beim Pferd am Kronsaum, oberhalb vom Huf, zeigt Warneck. Und stellt fest: „Auf der einen Seite zeigt der Lebermeridian eine Fülle, auf der anderen Seite eine Leere.“

Auch die Schleimhäute werden begutachtet, Farbe und Konsistenz der Zunge. Mit drei Fingern fühlt Warneck an der Schläfe den chinesischen Puls. Der varriiert an den einzelnen Fingerpositionen, auch in der Stärke. Noch während die Nadeln sitzen, wird kontrolliert, ob alles passt. „Ich schaue, ob es ausbalanciert ist“, erklärt die Öschingerin: „Damit alles wieder in den Fluss kommt.“

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12.10.2016, 01:00 Uhr

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