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Hilfe, mir wird alles zu viel!
Viel Arbeit führt schnell dazu, dass der Stress überhand nimmt und man nicht mehr kann. Deshalb ist Entspannung umso wichtiger. Foto: dpa
Arbeit

Hilfe, mir wird alles zu viel!

Voller Schreibtisch, voller Posteingang, voller Kopf: Viele Menschen leiden wegen ihres Jobs unter Stress. Doch es gibt Tipps, um sich etwas entspannter zu fühlen.

12.12.2016
  • NADINE RAU

Bei vollem Lohn nur noch sechs statt acht Stunden täglich arbeiten – in Schweden gibt es derzeit ein Altenheim, in dem die Pfleger in diesen Genuss kommen. Die Stadt hat extra 14 neue Mitarbeiter finanziert, um herauszufinden, ob sich die Mitarbeiter aufgrund der kürzeren Tage stressfreier fühlen und weniger krank sind.

Ein Versuch, der auch Deutschland ganz gut zu Gesicht stehen könnte. Schließlich fühlen sich laut des aktuellen Stressreports der Techniker Krankenkasse 46 Prozent der Befragten durch Studium, Schule oder Beruf psychisch belastet. Als häufigste Gründe für diesen Stress gelten zu viel Arbeit sowie Termindruck und Hetze.

„Die psychischen Anforderungen haben während der vergangenen Jahre im Wandel der Arbeitswelt stark zugenommen“, bestätigt Diplom-Psychologin Andrea Lohmann-Haislah von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin diese Angaben. Heute würden rund 75 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor arbeiten, während rein körperliche Arbeit nicht mehr so häufig vorkomme.

Per se bedeutet Stress aber nichts Schlechtes. „Stress sorgte seit jeher dafür, dass wir in Notfallsituationen Höchstleistungen vollbringen“, schreibt Fußballexperte und Arbeitgeber Holger Stanislawski im Stressreport. Dazu passt, dass darin 42 Prozent aller Beschäftigten angaben, sich vom beruflichen Stress auch angespornt zu fühlen. Für Lohmann-Haislah ist das logisch: „Wenn ich ein Maß an Anforderungen habe, das ich als Herausforderung ansehe, beflügelt das.“ Kritisch wird es hingegen, wenn dieser Stress-Zustand über einen längeren Zeitraum andauert.

Arbeitgeber sind deshalb in der Pflicht, auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu achten. „Die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist für Betriebe jedoch oft eine Herausforderung“, sagt Lohmann-Haislah. Viele Unternehmen stünden hier noch ganz am Anfang. Wichtig sei in jedem Fall, dass die Arbeitsmenge in der Regel während normaler Arbeitszeiten erledigt werden könne. Sonst würden Pausen ausfallen und ständig Überstunden entstehen. Und viele Arbeitsstunden bedeuten nicht automatisch viel Leistung. „Die Fehlerrate steigt, wenn Menschen überlang arbeiten“, so die Psychologin.

Entspannung ist das A und O

Um das zu verhindern und genügend Energie für die Arbeit aufzubringen, muss man zwingend auf Entspannungsphasen achten. Durchschnittlich ein Drittel des Tages verbringen die Deutschen mit Arbeit, ein weiteres Drittel schlafen sie. Im letzten Drittel sollten sie deshalb etwas für sich selbst tun.

„Wir erholen uns bereits, wenn sich die an uns gestellten Anforderungen verändern“, sagt Lohmann-Haislah. Ob man nun durch Powersport, Yoga oder durch Gespräche mit Freunden neue Kräfte erlangt, bleibt also jedem selbst überlassen. Um auch am Arbeitsplatz für einen Moment zur Ruhe zu kommen, kann man sich auf das gleiche Prinzip stützen: Einfach die Anforderungen verändern. „Statt einer weiteren Mail an den Kollegen kann man aufstehen, zu ihm gehen, und über die Angelegenheit sprechen“, lautet ein Tipp der Expertin. Der Weg zum Drucker oder in die Teeküche eigne sich ebenfalls gut für eine kleine Pause.

Grundsätzlich gilt: Pausen zwischen der Arbeit sollten eingehalten werden, auch wenn es in Zeiten der Digitalisierung manchmal kaum noch möglich erscheint, für ein paar Minuten des Tages nicht erreichbar zu sein. Der Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds bestätigt, dass mit der Digitalisierung für immer mehr Menschen eine höhere Arbeitsbelastung einhergeht.

Um all die Herausforderungen am Arbeitsplatz zu meistern, kann es helfen, sich nicht auch noch selbst unter Druck zu setzen. Der eigene Perfektionismus kann schließlich auch Stress auslösen und birgt die Gefahr, sich am Arbeitsplatz zu übernehmen. Um dieses Risiko zu verringern, hat Stanislawski einen Tipp: „Das Gefühl, nie fertig zu werden, dass der Tag zwar zu Ende geht, die Arbeit aber nicht – das müssen wir akzeptieren.“

Nie fertig zu werden, damit haben vor allem Lehrer zu kämpfen. „Auch zuhause führt man Telefonate mit Eltern, korrigiert Arbeiten oder bereitet den Unterricht vor“, sagt Ilka Hoffmann, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Hinzu komme, dass Lehrer während des Schulalltags keine Pausen haben und ad hoc viele Entscheidungen treffen müssen. Das führe alles dazu, dass die Berufsgruppe mit viel Stress zu kämpfen habe.

„Wer es nicht schafft, eine Grenze zwischen Privatleben und Schule zu ziehen, den wird die Arbeit irgendwann krank machen“, sagt Hoffmann. Es würde zum Beispiel helfen, an wenigstens einem Tag des Wochenendes nichts für die Arbeit zu tun.

Wichtig sei außerdem, und das unabhängig von Beruf oder Branche, die Zusammenarbeit mit den Kollegen. „Ein gutes Klima, das auf Vertrauen, Offenheit und Kollegialität basiert, beugt dem Stress vor“, ist sich Hoffmann sicher. Wenn das Umfeld am Arbeitsplatz stimme, könne man ohne Probleme auch mal mehr als sonst arbeiten.

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12.12.2016, 06:00 Uhr

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