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USA

Hinrichtungen, bevor das Gift zu alt wird

Acht zum Tode Verurteilte sollen im April im US-Bundesstaat Arkansas sterben, beschließt der Gouverneur. Denn der Regierung geht der Vorrat an Midazolam aus.

04.04.2017
  • AFP

Washington. Im US-Bundesstaat Arkansas sollen acht Häftlinge in zehn Tagen hingerichtet werden. Der Grund für die Eile: Das Haltbarkeitsdatum der Vorräte an Midazolam läuft Ende April ab. Es wird bei Hinrichtungen mit der Giftspritze als Betäubungsmittel verabreicht. Betroffen sind acht Männer, die im Schnitt seit 20 Jahren im Todestrakt sitzen.

Die Hinrichtungen hat der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, per Dekret angeordnet. Er will jeweils zwei Männer am 17., 20., 24. und 27. April töten lassen. Gegner der Todesstrafe verweisen darauf, dass Arkansas seit 2005 kein Todesurteil mehr vollstreckt hat.

Nach Angaben des Death Penalty Information Center (DPIC) sind seit 1976, als die Todesstrafe in den USA wieder eingeführt worden ist, nur in einem Bundesstaat acht Menschen innerhalb von zehn Tagen hingerichtet worden. Das war 1977 in Texas, als acht Verurteilte getötet wurden.

Der Grund für die Hinrichtungswelle in Arkansas ist profan: In den USA wird das Gift für die Giftspritzen knapp. Es kam immer aus Europa, aber viele europäische Pharmafirmen weigern sich, den US-Behörden Nachschub zu liefern.

Midazolam steht seit langem in der Kritik, weil es offenbar nicht stark genug ist, um Schmerzen der Todeskandidaten zu vermeiden. Im April 2014 hat der qualvolle Tod des Mörders Clayton Locket weltweit Entsetzen hervorgerufen. Sein Todeskampf nach einer Giftinjektion mit Midazolam hatte 43 Minuten gedauert. Dabei wand er sich vor Schmerzen.

Die Hinrichtungen in Arkansas werden von einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ermöglicht. Erst im Februar hat eine Klage gegen das dort übliche Verfahren für Exekutionen mit der Giftspritze abgewiesen.

Die betroffenen Häftlinge haben vergangene Woche eine neue Klage eingereicht, weil ihnen die beschleunigte Vollstreckung ihrer Todesurteile nicht genügend Zeit lasse, um ihren Widerspruch vorzubereiten.

Hutchinson sagte, er hätte sich eine Verlängerung des Haltbarkeitsdatums für Midazolam „um mehrere Monate oder Jahre“ gewünscht. Die Situation sei aber nunmal nicht so. Zudem sei „unsicher“, ob die Behörden ein anderes Mittel beschaffen könnten, erklärte der Gouverneur. Die Hinterbliebenen der Opfer der Straftaten sollten nach jahrzehntelangen Verfahren nun aber nicht länger „mit Ungewissheit leben müssen“. Sébastien Blanc, afp

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04.04.2017, 06:00 Uhr

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