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Anwohner wehren sich gegen massive Wohnblöcke

Hinter den GWG-Gebäuden sollen drei Häuser mit 4350 Quadratmetern Geschossfläche gebaut werden

Es geht nicht um das Sankt-Florians-Prinzip und es geht auch nicht um die Flüchtlinge“, sagt Gerd de Bruyn. Mit dem im Februar von der Stadt vorgestellten Konzept sei man in der Nachbarschaft weitgehend einverstanden gewesen.

13.10.2016
  • Volker Rekittke

Seinerzeit sei das Projekt so präsentiert worden, erinnert sich Claudia Thaler, die in der Alexanderstraße wohnt: Eine Mischbelegung für die drei geplanten GWG-Häuser, darunter 80 bis 100 Flüchtlinge. Je Haus drei Stockwerke, insgesamt 2000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. In dem Plan, der den Anwohnern im Februar präsentiert worden war, waren die drei Neubauten auch noch deutlich kleiner eingezeichnet als im aktuellen Bebauungsplanentwurf.

Aus den ersten Entwürfen seien nun 12 Meter hohe, „massive Klötze“ geworden, moniert Thaler – mit 4350 habe sich die Quadratmeterzahl glatt verdoppelt. Der Abstand zwischen dem geplanten Haus Stuttgarter Straße 22 und dem Garten eines Alexanderstraßen-Anliegers würde gerade noch fünf Meter betragen, neun Meter wären es vom Neu-Gebäude bis zum Vorbau des Hauses.

Im Quartier gärt es. Unterschriftenlisten kursieren unter den Bewohnern der GWG-Häuser an der Stuttgarter Straße, in einem Teil der Alexanderstraße (etwa bis zur Höhe Kinderhaus) sowie des Völkerwegs. „Wir fühlen uns über den Tisch gezogen“, sagt Claudia Guggemos, die wie Thaler und de Bruyn in der Alexanderstraße wohnt.

Doch auch in den dringend sanierungsbedürftigen GWG-Häusern entlang der Stuttgarter Straße herrscht Aufregung. Die vier Häuser waren 1955 für Offiziere der Französischen Streitkräfte errichtet worden. Ilona Bonura-Dampha wohnt seit 16 Jahren mit ihrer Familie in einem der Häuser. „Wir wohnen gerne hier.“ Nicht nur wegen der für Tübinger Verhältnisse günstigen Mieten, etwa sechs Euro sind es pro Quadratmeter. Sondern auch wegen der Nachbarn, der Umgebung samt des alten Baumbestandes und jener „Franzosenwiese“, die nun überbaut werden soll.

„Wir sind hier alle Multikulti, Flüchtlinge sind bei uns herzlich willkommen“, sagt Bonura-Dampha, und zählt einige Herkunftsländer der Bewohner/innen auf: Sri Lanka, Türkei, Afrika, Rumänien, Frankreich. Was sie stört, ist der geplante Zwölf-Meter-Block genau vor ihren Schlafzimmerfenster, sieben Meter entfernt und deutlich höher als das Haus, in dem sie wohnt.

Was sowohl die Anwohner der Stuttgarter wie der Alexanderstraße irritiert, ist das Zahlen-Wirrwarr beim Thema Häuserbelegung: Auf seiner Facebookseite schreibt OB Boris Palmer von 80 Flüchtlingen, die in den drei neuen Häusern einmal wohnen sollen. Doch in einer Vorlage für den Gemeinderat war zuletzt von 120 bis 160 Flüchtlingen die Rede gewesen.

Dass die Zahl 160 in der Vorlage auftauchte, darüber ist Baubürgermeister Cord Soehlke nicht glücklich. Er beteuert: „Das war eine fiktive Maximalberechnung“. Soehlke geht nach derzeitigem Stand davon aus, dass in den drei Häusern am Ende 100 bis 110 Menschen, davon 80 Flüchtlinge, wohnen werden. Am besten wäre eine gemischte Belegung in allen Häusern. Möglich sei aber auch, das Haus mit der Nummer 22 kleiner zu bauen und dort reguläre Sozialwohnungen unterzubringen. Die zwei anderen Gebäude, so ein weiterer Prüfauftrag, könnten bis zu einem Meter weniger tief werden – das würde etwas mehr Luft zu den Bestandsgebäuden bedeuten. Ein Stockwerk weniger soll’s nicht geben, möglicherweise kommen aber die Balkondächer im obersten Stock weg, die Gebäude würden dadurch weniger wuchtig.

Und die Verdoppelung der Quadratmeterfläche? Der Baubürgermeister kann sich nicht erinnern, dass bei der Bürgerinfo im Februar die Zahl „2000 Quadratmeter“ genannt wurde. Die Angabe „1920 m2“ findet sich allerdings auch in einer städtischen Vorlage für die Gemeinderatssitzung am 15. Februar.

„Es ist ein Bruch zwischen kleinen Häusern und Geschosswohnungsbau“, räumt OB Boris Palmer auf seiner Facebook-Seite ein. Doch nach dem Rahmenplan Südstadt werde in dem Bereich ohnehin alles mit bis zu sechsgeschossigen Gebäuden geplant oder bebaut. „Wir können nicht gleichzeitig in kurzer Zeit billigen Wohnraum für tausende von Menschen schaffen und alle Bedürfnisse des freien Blicks, kleiner Gebäude, herausragender Architektur und großer Abstände zu den Nachbarn erfüllen.“ Es gebe keine besseren Alternativen. „Ich stehe hinter diesem Projekt. Verbesserung im Detail ist immer richtig. Am Grundsatz kann ich nicht rütteln.“

An diesen Details arbeitet gerade GWG-Geschäftsführer Gerhard Breuninger. Geprüft wird nun auch, ob es Gemeinschaftsflächen in den Neubauten geben kann, von denen auch die Nachbarschaft profitiert. Die vier Häuser an der Stuttgarter Straße sollen lediglich notdürftig gerichtet werden. Eine grundlegende Sanierung lohne nicht, weil irgendwann ohnehin abgerissen wird. Wann? „Wenn der B27-Tunnel kommt.“ Das kann noch dauern.

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13.10.2016, 01:00 Uhr

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