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Mordfall Michèle Kiesewetter

„Hinterrücks und gnadenlos“

Der Tod der Polizistin Michèle Kiesewetter jährt sich zum zehnten Mal. In Heilbronn wird ihrer gedacht. Viele Aspekte der Tat aber sind noch nicht geklärt.

26.04.2017
  • HANS GEORG FRANK

Martinshörner begleiteten, ganz zufällig, die Ansprache der früheren Polizeipfarrerin Eva-Maria Agster bei der Feier zum Gedenken an die Ermordung von Michèle Kiesewetter. „Hinterrücks, brutal, gnadenlos“ sei die 22-jährige Polizistin vor zehn Jahren auf der Theresienwiese erschossen worden. „Bis ins Mark traf uns ein unbeschreibliches Erschrecken und die grausame Wucht dieser Tat“, erinnerte Agster vor rund 200 Zuhörern, darunter Angehörige Kiesewetters, ebenso Familienmitglieder jener neun Männer, die das Killerkommando des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ zuvor umgebracht haben soll. Auch ehemalige Kollegen Kiesewetters waren nach Heilbronn gekommen. Ihr damaliger Streifenpartner Martin A., der einen Kopfschuss wie durch ein Wunder überlebt hat, blieb wegen des großen Medienaufgebots lieber fern.

Die Streife war bei einer Mittagspause von mindestens zwei Personen angriffen worden. Obwohl nebenan ein Rummelplatz aufgebaut wurde und der Tatort von Fußgängern und Fahrradfahrern stark frequentiert war, wollte niemand das Attentat gesehen haben. Auch eine Belohnung von 300 000 Euro erbrachte nicht den erhofften Durchbruch.

Die Hoffnung auf Aufklärung des „ganz und gar Unverständlichen“ habe sich leider nicht erfüllt, sagte die Pfarrerin. Seit der „NSU“ für diese Verbrechensserie verantwortlich gemacht werde, habe sich stattdessen eine Flut neuer Fragen, Verdachtsmomente und Ungereimtheiten ergeben. Dass es keine Antwort gebe, sei „mehr als tragisch“. All die drängenden Fragen dürften „nicht in einer Schublade der Geschichtsschreibung weggeschlossen werden“.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte zuvor bei einem Treffen den Opferangehörigen versichert, sie seien „mit ihrer Trauer, ihrem Schmerz und ihrem Erinnern nicht allein“. Nach der Kranzniederlegung bekannte sich Strobl zu den politischen Konsequenzen aus der „unvergleichlichen Blutspur des NSU-Terrors in Deutschland“. Alle Bürger müssten „wachsam und wehrhaft“ sein.

Der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) hatte im Rathaus erklärt, solange das Motiv für die Morde nicht völlig geklärt sei, „gibt es auch hier in Heilbronn eine offene Wunde“. Am „Tag der Mahnung“ gelte es, gemeinsam und entschieden Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt entgegenzutreten.

Das Bündnis „Heilbronn sagt Nein“, in dem 106 Vereine, Verbände und Initiativen zusammengeschlossen sind, bekräftigte „die aktive Gegenwehr gegen extrem rechte Tendenzen“. Beunruhigend sei, dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich die NSU-Mörder auf ein „umfassenderes Netzwerk Rechtsextremer“ stützen konnten, das eventuell noch immer aktiv sei.

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26.04.2017, 06:00 Uhr

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