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Durchlass zum Tübinger Schloss-Fass

Hintertür soll Besichtigungen ermöglichen

OB Boris Palmer will ein großes Fass aufmachen. Oder genauer: Er will den Touristen wieder Zugang zum Weinfass im Tübinger Schlosskeller verschaffen. Über eine neue Treppe und einen reaktivierten Zugang hinter dem Fass sollen Besucher in den Untergrund gelangen, ohne die Fledermäuse zu gefährden.

24.10.2012

Tübingen. Es ist zwar nicht das größte Weinfass der Welt. Das steht in Heidelberg. Tübingen kann aber wohl auf das weltweit älteste erhaltene Großfass verweisen. Im riesigen Schlosskeller unter dem Rittersaal steht die 84 000 Liter fassende Tonne – seit 1546. Herzog Ulrich hatte den Bau vier Jahre vor seinem Tod in Auftrag gegeben. Ein Küfer aus Bönnigheim (Kreis Ludwigsburg) soll den Fassbauch aus 90 Eichen gezimmert haben. Zu frischen offenbar. Denn das Fass wurde nur zwei Mal mit Burgunder und Tübinger Pfalzhaldenwein gefüllt, da es undicht war.

Durch den Rittersaal runter ins Gewölbe

Ein Schicksal, das das Tübinger Fass mit seinem doch nochmal deutlich größeren und 200 Jahre jüngeren Pendant in Heidelberg teilt. Auch dort hatte der Küfer seinen auf 219.000 Liter Wein ausgelegten Behälter nicht dicht bekommen. Anders als in Tübingen, wo der Fledermaus-Schutz einer Vermarktung als touristischer Attraktion im Wege steht, wird das Heidelberger Fass aber jährlich von über 500 000 Interessierten aus aller Welt besichtigt. Ein Riesen-Geschäft für die dortige Tourismusbranche.

Hintertür soll Besichtigungen ermöglichen
Bis 1991 war das große Fass im Tübinger Schlosskeller, wie diese Postkarte zeigt, zugänglich. Zu sehen ist darauf auch die Türe hinter dem Fass, die jetzt reaktiviert werden soll. Archivbild

Und ein solches ist nun mittelfristig auch wieder in Tübingen denkbar. Seit einer Schlosskeller-Besichtigung zusammen mit den Verantwortlichen von Universität und staatlichem Bauamt sowie der Fledermaus-Schützerin Ingrid Kaipf hat sich Boris Palmer die Öffnung des Schlosskellers auf die Fahnen geschrieben. Möglich soll das werden, indem ein aufgegebener Zugang direkt hinter dem Fass wieder geöffnet wird. Besucher könnten so zur Sehenswürdigkeit gelangen, ohne die Fledermäuse zu stören, die am anderen Ende des Gewölbes hängen. Seit einer entsprechenden Verfügung des Landratsamtes im Jahr 1991 ist Besuchern der Zugang aus Tierschutzgründen untersagt.

Gleich nach dem Termin im Keller unter dem Rittersaal meldete sich der Oberbürgermeister deshalb begeistert per Facebook zu Wort: „Ich wage die Prognose: im Jahr 2013 wird dieser Weg eröffnet. Planung und Finanzierung muss ich jetzt mit Land und Gemeinderat auf den Weg bringen, aber das scheint mir angesichts des großen Interesses am Fass realistisch. Dieses Fass machen alle gerne auf.“

Auf TAGBLATT-Nachfrage präzisierte Palmer dann, dass für den neuen, alten Zugang zum Fass der Bau von zwei Treppen nötig werden wird. Sie könnten den Abstieg ins Gewölbe vom Rittersaal aus ermöglichen. Besucher würden somit von der Fledermaus-Population ferngehalten. „Der Weg über die Ausstellung der Universität zum Fass erscheint mir attraktiv“, sagt Palmer. Anders als beim bisherigen Zugang über die Haupttreppe im Schlosshof könnten Touristen und Fledermäuse durch eine Absperrung getrennt werden. „Zumindest zeitlich eingeschränkt kann das Fass dann wieder besichtigt werden“, sagt der OB und kündigt dann auch gleich an, dass der neue Zugang aus seiner Sicht über den nächsten Etat der Stadt zu finanzieren ist. „Tourismus ist eine städtische Aufgabe – auch wenn das Gebäude dem Land gehört“, sagt er – und wünscht sich von der zuständigen Landesbehörde, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, eine Planung nebst Kostenvoranschlag fürs neue Treppenhaus.

„Auch wir halten die Idee für sehr interessant und werden, sobald wir die Kapazität dafür haben, eine Studie machen“, sagt Bernd Selbmann, der Chef der Tübinger Niederlassung von Vermögen und Bau. Da die Hängeplätze der Fledermäuse rund 80 Meter von dem alternativen Zugang entfernt seien, räumt Selbmann der Initiative Palmers, der auch der Uni-Kanzler Andreas Rothfuß aufgeschlossen gegenüber stehe, eine echte Chance ein: „Wir sehen sozusagen Licht am Ende des Tunnels.“ Allerdings müsse man sich dabei sehr eng mit den Mausohr-Schützern abstimmen.

Nur im Sommer läuft nichts

„Für uns ist das im Winterhalbjahr okay“, sagt Fledermaus-Patin Ingrid Kaipf. Wenn der Fasskeller in Teilen für die Touristen gesperrt werde und sich die Besucher auch an die Zutrittsverbote hielten, spreche nichts gegen eine Öffnung in der Zeit zwischen September und März. In dieser Zeit nämlich ziehen die Schlossfledermäuse in ihre Winterquartiere auf der Schwäbischen Alb zurück. Für den Beginn stellt sich Kaipf zwei Öffnungszeiträume vor: „Oktober und November sowie Februar und März könnte ich mir vorerst vorstellen.“ Wenn sich die Besucher an die Abmachungen und Absperrungen halten, kann sich die Fledermaus-Expertin in einem zweiten Schritt auch eine Öffnung über den ganzen Winter vorstellen. Kaipf: „Nur in den Sommermonaten, wenn die große Kolonie da ist, läuft nichts.“

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24.10.2012, 12:00 Uhr

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