Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Fünfte Tübinger Nacht bot breites Musikprogramm

HipHop, aber Old School

Allerorts volle Kneipen: Bei der fünften Tübinger Nacht vom Samstag auf Sonntag waren nicht nur die Tübinger auf Achse. Viele Besucher kamen aus dem erweiterten Umland, sogar aus Stuttgart.

15.10.2012

Tübingen. Ein überwältigendes Angebot: 28 Kneipen, Clubs und Uni-Gebäude sind bei der fünften Tübinger Nacht als Stationen zum Tanzen und Feiern dabei. Es ist unmöglich alle anzusteuern. Bettina Keupp und Wioletta Wollner aus Reutlingen schauen die Neckargasse hinauf: „Wir entdecken Tübingen gerade“, sagen die Mittdreißigerinnen, die im Radio von der Tübinger Nacht hörten und spontan her kamen. Sie beginnen den Abend in der Tangente Night. Am Holzmarkt studieren Lydia und Frederik Meyer aus Herrenberg das Programm. „Wir orientieren uns im weitesten Sinne an Hip-Hop“, so Frederik Meyer. Seine Frau ergänzt: „Aber Old School.“

Ihre erste Station war das proppenvolle Café Haag, wo die großartige Tübinger Funkband Splice mit dem scratchenden DJ Philow für Hitze sorgte. Die Meyers gingen dann in den Pfauen: „Da war es sehr schön“, betont Lydia Meyer. DJ Run Ini Q ließ vor einem Publikum ab 30 „Not Your Average Disco Shit“ laufen. „Gruselig“ fand es Lydia Meyer im Asmara, bei Black‘n‘House von DJ No!! und nicht ganz frischer Luft. Langjährige Tübinger wissen es: Ins Asmara geht man erst zu wesentlich späterer Stunde. Weiteres Ziel der Meyers: „Wir wollen noch ins Uni-Viertel, ins Afrika.“

HipHop, aber Old School
Für viele Schwoflustige war die Das-Ding-Party im Kupferbau das schweißtreibende Highlight der fünften Tübinger Nacht. Bilder: Sommer

Ein kleiner Fußmarsch zum Blauen Turm. Plexus legt gerade „blumigen Tech-House-Sound zum Arschwackeln“ auf. Hier liefert er die Vorlage für die Plattenleger-Crew, um später selbst im Club 27 aufzulegen. Draußen ist es kalt. In der Wöhrdstraße wärmen Lilith Rugowski und Friederike Binder ihre Füße an einem Gebläse. Der Weg zum Kupferbau ist noch weit. Sie erwarten „gute Musik und gute Stimmung“.

Gleich um die Ecke drücken sich Gäste ins Epplehaus. Die Stuttgarter Wootakka spielen kurze, knackige Ska-Punk-Stücke, alle im Raum hüpfen. Die Tübingerin Claudia Reichert kam wegen der Band, aber bereits – deutlich zu früh – um 21 Uhr. Sie überbrückte die Zeit bei House-Musik im El Chico. „Nachher gehe ich noch ins Schloss-Café.“

Dort, im Keller, liegt die Luftfeuchtigkeit gefühlt bei 100 Prozent. „Wie in der Badewanne“, seufzt Sandra Scibicz aus Tübingen. Die begeisternde schweizer Funkband Scacciapensieri war anfangs irritiert: „Sie mussten sich auf der Bühne Platz verschaffen“, so Schlosscafé-Chef Jan Mystigatz. Es ist nicht die richtige Musik für Hengameh Farsad aus Ammerbuch und „aus der Muttergeneration“. Sie und Albrecht Bosch aus Nagold hoffen auf passende Musik im Jazzkeller.

Antonia Albers und Benjamin Steffens aus Kiel, seit einer Woche in Tübingen bleiben in der Innenstadt: „Da kennen wir uns vom WG suchen bereits etwas aus.“ Aus den Fenstern des Bartista tönen ansteckende Tech-House-Grooves hinunter auf die Kirchgasse, wo ein paar Leute dazu tanzen. Im Stern hört überraschend junges Publikum um Mitternacht dem Sänger-Songwriter-Duo Beatrice Bacher und Michael Bissinger zu.

HipHop, aber Old School
Alle Macht ging bei der Party im Kupferbau vom Mischpult-Desktop aus.

Nicole Wagner, „bald Hipp“, aus Poltringen, feiert ihren Junggesellinnen-Abschied mit ihren Mädels bei Après-Ski-Hits im Hades, als ein junger Mann aus dem Lokal torkelt, die Hose bereits auf Halbmast. Er läuft drei Mal im Kreis, dann knallt er der Länge nach aufs Pflaster. Altenpflegerin Nicole weiß, was zu tun ist: Hose über die Kimme hochziehen, stabile Seitenlage. Später bittet der junge Mann, ihm ein Taxi zu rufen. Sehr vernünftig.

Was geht im Kupferbau? Da trifft der in Karlsruhe studierende Pfrondorfer Björn Beck seine alten Kumpels. Das-Ding-DJ Sandy legt so auf, dass sich niemand ausklinkt. Doch ihm machen Beton und Glasflächen im Gebäude etwas Probleme: „Hier hinten ist der Sound nicht so gut“, finden die beiden Erstsemester Marie Frisch und Johanna Jans.

Vanessa Kessler aus Stuttgart läuft auf der Wilhelmstraße in Richtung Lustnau: „Wo ist der Blaue Turm?“ Umdrehen, die Mühlstraße runter, über die Brücke, dann links. „Okay.“

„Das hier ist die Königsparty“, sagt der Stuttgarter Sandy Franke. Er ist der vom SWR-Jugendsender „DasDing“ ausgewählte DJ und „stolz darauf, den ganzen Sender zu vertreten“. Er mischt HipHop vom Plattenteller („meine Musikrichtung“) mit Musik – meistens House – aus dem Computer. Etwa 150 000 Titel sind da gespeichert. Der Kupferbau sei „eine sehr coole Location“, aber schwierig zu beschallen – ein langer Raum mit zu viel Beton und Glas. Aber er macht alles richtig: Er zeht den Lautstärkeregler bei Lykke Lis „I will follow you“ hinunter, die Mädchen im Raum grölen den Refrain lauthals mit. Es wird noch eine lange Nacht für DJ Sandy, die wie immer in seinem Programm mit „Heal the world“ von Michael Jackson endet: „Danach liegen sich alle in den Armen und man kann das Licht anmachen!“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.10.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball