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Die Mitte lebendig halten

Hirrlingen öffnete einige historische Gebäude

Mit etwas Verzögerung zum bundesweiten Tag des offenen Denkmals hatte Hirrlingen gestern einige denkmalgeschützte Gebäude geöffnet, die sonst nur eingeschränkt oder nicht zugänglich sind.

04.10.2010
  • Frank rumpel

Hirrlingen. Die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude sei eine Generationenaufgabe, sagte Hirrlingens Bürgermeister Manfred Hofelich gestern bei der Begrüßung seiner gut hundert Gäste im Bürgerhaus. An der Geschichte dieses, aber auch einiger anderen denkmalgeschützten und deshalb jeweils mit Fördergeldern hergerichteten Gebäuden im Ort lässt sich das gut ablesen.

Hirrlingen öffnete einige historische Gebäude
Im zweiten Stock des Hirrlinger Klosters standen die Deckenbalken im Blickpunkt. Sie mussten, wie Bürgermeister Manfred Hofelich (4. v.l.) erklärte, einzeln auf ihre Tragfähigkeit untersucht und zum Teil aufwändig statisch verstärkt werden. Links vorn Landrat Joachim Walter, rechts, mit Schal, die SPD-Abgeordnete Rita Haller-Haid. Bild: Groebe

Schließlich gehörte der ehemalige Schaf- und Farrenstall (Farren hießen die geschlechtsreifen, männlichen Rinder) zum Rittergut, das die Hirrlinger Bevölkerung 1821 samt Schloss für 157 000 Gulden erstand. In der Folge mussten die neuen Eigner einige Nebengebäude und Höfe wieder verkaufen, um die Schulden abzahlen zu können. Bot der Stall einst Platz für 550 Schafe, wurde er ab 1971 als Lager genutzt und 1998 zum Bürgerhaus umgebaut. „Heute ist es nicht mehr wegzudenken“, sagte Hofelich, nutzen es doch etliche Vereine und Gruppen. „Dieses Haus ist mit Leben erfüllt.“

Landrat Joachim Walter bezeichnete den Kauf von damals als „ein echtes Meisterstück“, sei dadurch doch ein Grundstein dafür gelegt worden, „die Mitte des Ortes lebendig zu halten“. „Mittendrin ist Leben“ heißt denn auch eine Ausstellung (die im Hirrlinger Bürgerhaus bis 10. Oktober zu sehen ist), die gelungene Konzepte zeigt. Hirrlingen ist mit dabei. Hirrlingen erhalte und pflege sein bauliches Erbe, sagte Staatssekretär Richard Drautz. Gleichzeitig aber sei es eine Gemeinde, „die den Anforderungen einer modernen Stadtentwicklung und Stadterneuerung entspricht“.

Zu den Gebäuden, welche die Gemeinde im 19. Jahrhundert veräußerte, um sie im ausgehenden 20. Jahrhundert zurück zu kaufen, gehören etwa der heutige Jugendraum und das Torwärterhaus im Schlosshof. 2007 wurde es umgebaut. Heute probt dort die Theatergemeinschaft, die beim Umbau kräftig mit anpackte. „Wenn die Leute nicht bereit sind, was zu machen“, sagte Hofelich, „lässt sich trotz Zuschüssen nichts realisieren.“

Mit dem Bau des Hirrlinger Schlosses wurde 1557 begonnen. 1558 soll es fertig gewesen sein. Hofelich fein lächelnd: „Ich bin gläubig.“ Heute betrete man Hof und Gebäude übrigens durch den damaligen Gesindeeingang. Der Ortsadel dagegen ging von der Nordseite her über eine Brücke in den heutigen ersten Stock. „Das ist eine Sache, wenn der Bürgermeister immer durch den Lieferanteneingang rein geht“, meinte Landrat Walter.

Das ehemalige Kloster stieß bei den Besuchern auf besonderes Interesse, wird es doch seit 2008 saniert. Im Erdgeschoss entsteht ein Cafe, oben Räume für betreutetes Wohnen. Hofelich zeigte sich zuversichtlich, dass es im Mai 2011 fertig und der Baukostenvoranschlag von 2,8 Millionen Euro eingehalten werde.

Das Gebäude wurde 1741 gebaut, doch geht das Kloster auf eine Stiftung aus dem Jahr 1358 zurück. Aus diesem Jahr stammt laut Inschrift dann auch ein Eisenkreuz, das auf dem Giebel stand und auch wieder dorthin zurück soll. Im Gebäude, vor allem im Dachgeschoss, wurde schnell deutlich, wie aufwändig die Sanierung ist. Denn das Dominikanerinnenkloster wurde bereits 1789 aufgelöst, der westliche Teil des Hauses an privat, der östliche an die Gemeinde verkauft. Das Privatgebäude brannte in den fünfziger Jahren zwei Mal nieder. So mussten alle Deckenbalken untersucht und eventuell statisch verstärkt werden und auch die Dachbalken galt es nach alten und neuen zu sortieren.

Offen waren am gestrigen Sonntag zwar nur die öffentlichen Gebäude, doch gehören zum denkmalgeschützten Bestand freilich auch private, wie das so genannte Weißemate-Haus. Das wurde wohl 1605 gebaut. Zumindest ist diese Zahl an einem Balken des vorderen Anbaus zu lesen, der laut Eigentümer Martin Boss aber keine Verbindung zum Haupthaus hat. Das, vermutet er, könnte älter sein. Auf dem Dach hat er einen Biberschwanz, in den die Jahreszahl 1594 geritzt ist. Wann seine Familie das Haus erwarb kann er nicht sagen. „Mein Ur-Opa hat jedenfalls schon drin gelebt.“

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04.10.2010, 12:00 Uhr

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