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Geschwind zum Bäcker rein

Hirrlingen will bei Falschparkern durchgreifen / Bäcker fürchtet um Kundschaft

Wer seinen Wagen in der Hirrlinger Marktstraße auf den Gehweg stellt oder einen Kurzzeitparkplatz als Dauerparkplatz missbraucht, muss künftig mit einem Knöllchen rechnen. Heinz Manke, Chef der Bäckerei Leins, ist mit dieser Warnung von Bürgermeister Manfred Hofelich gar nicht glücklich.

06.12.2014
  • Hete Henning

Morgens gegen halb Sieben, Sieben kommen sie, sagt Bäckermeister Manke: Autofahrer und vor allem Lastwagenfahrer, die an der Marktstraße geschwind halten, in seinem Laden ihren Kaffee und Leberkäswecken holen und nach „drei bis fünf Minuten“ weiterfahren. Bis jetzt, so Manke, sei das noch nie ein Problem gewesen.

Gemeinderätin Ursula Borck (Unabhängige Freie Liste) hatte in der Gemeinderatssitzung im November von untragbaren Parksituationen in der Marktstraße berichtet, genauer: im Abschnitt der Marktstraße zwischen der Hirsch- und der Kronenstraße. Durch die rücksichtslose Parkerei zu Stoßzeiten würden besonders älteren und gehbehinderten Menschen die Gehwege versperrt.

Bürgermeister Hofelich stimmte zu und kündigte an, dass jetzt durchgegriffen werde und Falschparker künftig mit Knöllchen zu rechnen hätten. Dafür sei das Landratsamt zuständig, die Gemeinde habe finanziell nichts davon. Die Strafzetteldrohung betreffe Dauerparker, die die zweistündige Parkzeit auf den gut 25 an der Marktstraße ausgewiesenen Parkplätzen überschreiten, und Leute, die ihren Wagen – egal ob Kleinwagen oder Lastzug – aus lauter Bequemlichkeit einfach auf dem Gehweg stellen.

„Die Leute wollen zum Teil keine fünf Meter weit laufen“, sagt Hofelich. Lastwagenfahrer hätten in der Marktstraße durchaus die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge legal abzustellen. Ein paar Meter an der Bäckerei Leins vorbei ortsauswärts, „da kann man ein paar Minuten lang stehen“. Nur eben nicht auf dem Gehweg. „Da werden Schüler, Frauen mit Kinderwagen und alte Leute mit Rollator behindert“, sagt der Bürgermeister. Wenn da etwas passiere, sei hinterher das Geschrei groß.

Dass jemand, der den Gehweg komplett versperrt, straffrei davon kommt, das wolle er gar nicht, betont Bäckermeister Manke. Andererseits seien viele der Schnell-mal-eben-Parker seine Kunden und die der Metzgerei Beuter gegenüber. Die Vorstellung, dass diese Kunden wegen der Knöllchen-Drohung nun vielleicht nicht mehr kommen, während draußen im Gewerbegebiet bald der neue „Treff 3000“-Supermarkt aufmacht, wurmt Manke sehr.

„Für uns“, sagt er und meint die Geschäfte in der Ortsmitte, „läuft gerade alles dagegen“. Für „die da draußen“ aber, also den künftigen Supermarkt, „wird alles getan, da wird auch der Bebauungsplan geändert“, klagt Manke. „Ich hab’ den Eindruck, hier in Hirrlingen will man den Bäcker und den Metzger gar nicht mehr.“ Und noch etwas ärgert den Chef der Bäckerei Leins: Dass die Gemeinde Hirrlingen die Betriebe, die das Parkproblem betrifft, bei der Suche nach einer Lösung „nicht mit ins Boot nimmt“.

Diese Vorwürfe, denen sich Metzgerin Saskia Beuter ausdrücklich nicht anschließt, weist Bürgermeister Hofelich scharf zurück. Erstens sei für den „Treff 3000“-Markt der Bebauungsplan nicht geändert worden. Zweitens habe die Gemeinde dem Supermarkt-Investor das Grundstück zum marktüblichen Preis verkauft, „da gab es keinerlei Subvention“.

Drittens, so Hofelich, sei es doch eine Stärkung des innerörtlichen Handels, wenn die Dauerparker geahndet würden, die die Kurzzeitparkplätze blockieren, welche für die Kundschaft in der Ortsmitte gedacht sind. „Das Schlimmste wäre ja, wenn die Leute weiterfahren und woanders einkaufen, weil sie in der Ortsmitte keinen Parkplatz bekommen.“ Viertens, findet der Bürgermeister, hätte Bäcker Manke einfach mal mit ihm reden können. „Der Weg von ihm zu mir ist genau so weit wie der von mir zu ihm.“

25 bis 30 kostenlose Parkplätze gibt es links und rechts der Marktstraße, auf denen die Parkdauer an Werktagen zwischen 8 und 18 Uhr auf zwei Stunden beschränkt ist. 15 dieser Plätze sind entlang des Schlossweihers angeordnet, die anderen auf der Seite gegenüber, wo sich Apotheke, Arztpraxis, Volksbank und Kreissparkasse befinden. Die Metzgerei Beuter hat in ihrem Hof Platz für weitere fünf, sechs Autos.

Eigentlich, möchte man meinen, müsste diese Menge von Parkplätzen direkt an den Geschäften für eine 3000-Seelen-Gemeinde wie Hirrlingen ausreichen. Aber 30 Angestellte, die freilich nie alle gleichzeitig arbeiten, hat allein die Bäckerei Leins. Die, die in Hirrlingen wohnen, kämen zu Fuß oder führen Fahrrad. „Die anderen parken weiter hinten an der Marktstraße gegenüber der ’Krone‘“, sagt Bäckermeister Manke.

Auch Bürgermeister Hofelich hat noch einige Ideen, wo die Beschäftigten der Betriebe im Ortskern ihr Auto abstellen können, ohne gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen und sich ein Strafmandat einzuhandeln: in der Hirschstraße zum Beispiel und in der Brunnenstraße. Und an der Eichenberghalle hinterm Schloss. Da passen 30 Autos hin. Der Fußweg zu den Läden ist etwa 250 Meter lang.

Hirrlingen will bei Falschparkern durchgreifen / Bäcker fürchtet um Kundschaft
Entspannte Lage in der Hirrlinger Marktstraße an einem Vormittag unter der Woche: Die Parkplätze rechts sind belegt, Lastwagen sind nicht in Sicht, der weiße Wagen vor der Ampel steht, wo er nicht stehen soll, nämlich halb auf dem Gehweg. Gleich rechts daneben ist die Bäckerei Leins. Bild: Stifel

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06.12.2014, 12:00 Uhr

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