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Die glauben jetzt gar nichts mehr

Hirschauer Wut-Bürger gingen wieder auf die Straße – und machten sie eine Stunde dicht

Mit einer spontanen Demo samt „kreativem Parken“ protestierte die BI Neckartal in Hirschau am Freitag gegen die Entscheidung des Berliner Verkehrsministers, den Neubau der B 28 einmal mehr auf unbestimmte Zeit zu vertagen.

01.08.2014
  • Sepp Wais

Hirschau. Nach der Lektüre des TAGBLATTs hat am Freitagmorgen einigen Leuten in Hirschau und anderen Neckartal-Orten das Frühstück nicht mehr geschmeckt. Aus der B 28 neu, so war da zu lesen, wird wieder nichts. Jedenfalls können die Anwohner an den Hauptstraßen in Kilchberg, Bühl und Hirschau jetzt nicht mehr damit rechnen, dass mit dem bislang für 2015 vorgesehenen Neubau der B 28 in absehbarer Zeit begonnen wird.

Der Grund: Dem Berliner Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) waren bei der Vergabe der jüngsten Tranche für den Ausbau der Bundesstraßen andere Bauvorhaben wichtiger als die neue B 28. Auch solche, die das Landesverkehrsministerium auf seiner nach Dringlichkeit sortierten Warteliste weit hinter dem Tübinger Projekt platziert hatte – wie etwa die 67 Millionen Euro teure Ortsumfahrung von Mögglingen im Ostalbkreis.

Dieser Eingriff in die Stuttgarter „Priorisierung“ der 20 baureifen Bundesstraßen-Projekte im Land hat Hirschaus Ortsvorsteher Ulrich Latus (CDU) so entrüstet, dass er sich an den Computer setzte und seine Mitstreiter in der Neckartal-Initiative per Rundmail alarmierte. Noch am gleichen Tag sollten und wollten die BI-Aktivisten demonstrieren, dass die seit Jahren immer wieder vertrösteten Anwohner mit ihrer Geduld nun am Ende sind.

Dazu trafen sich nachmittags um drei etwa dreißig Hirschauer vor dem örtlichen Rathaus, um ihrem Zorn Luft zu verschaffen. Das Erstbeste, was ihnen dazu einfiel, war jene Protestform, die sie schon bei früheren Unmutskundgebungen gern eingesetzt haben: das „kreative Parken“. Also wurden links und rechts der Ortsdurchfahrt in kurzen Abständen ein paar Autos und ein Schlepper abgestellt, die dann schnell die gewünschte Wirkung entfalteten. Schon kurz darauf freute sich Latus, dass sich die Autos auf der L 371 in beide Richtungen übers Dorf hinaus aufstauten: „So weit man sieht, ist alles dicht.“

Dabei war dem Ortsvorsteher durchaus bewusst, dass die Blockade „leider wieder mal die Falschen trifft – aber irgendwas muss man doch tun.“ Zuletzt ist der Protest in den Neckartal-Gemeinden abgeflaut. Aber nur deswegen, so Latus, „weil wir uns auf die Stuttgarter Prioritäten-Liste verlassen haben und auf die Ankündigung, dass wir 2015 endlich dran sind“. Wenn das nun nicht mehr gelten sollte, müsse man eben den Druck wieder erhöhen: „Und genau das werden wir tun.“

Die aus „tiefem Frust“ erwachsene Empörung der Demonstranten richtet sich laut Latus jetzt nicht mehr gegen die Grünen, sondern gegen den CSU-Verkehrsminister in Berlin. „Der Dobrindt muss uns mal erklären, warum er uns zurücksetzt und dafür die weniger dringliche, aber fast drei Mal so teure Umgehung für Mögglingen finanziert.“ Bislang kann sich der Ortsvorsteher und frühere CDU-Fraktionschef im Tübinger Rat dafür nur zwei Motive vorstellen: „Entweder war das bei Dobrindt eine kleinkindliche Trotzreaktion gegen die grün-rote Landesregierung oder er wollte sich damit ein paar Abgeordnete für seine Maut-Pläne kaufen.“ Wie auch immer: „Wir wollen wissen, wie es nun weitergehen soll.“

Das würde auch die Tübinger SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid gern wissen, die zu den Demonstranten stieß. Dabei ist sie „fast erschrocken, wie groß die Wut ist – wenn selbst konservative Bürger mit brennenden Autoreifen drohen!“ Der Grund für Haller-Haid: „Die haben sich auf unsere Prioritätenliste verlassen und glauben jetzt gar nichts mehr.“ Deshalb ist es ihrer Ansicht nach „sehr wichtig, dass wir Dobrindt ganz schnell klarmachen, dass es so nicht geht.“ In diesem Sinne will sie versuchen, mit der Stuttgarter SPD-Fraktion und mit Verkehrsminister Winfried Hermann „vom Land her Druck auf Berlin zu machen“ – und auch „mit Hilfe der SPD-Bundestagsfraktion direkt auf die Berliner Koalition einzuwirken“.

Hirschauer Wut-Bürger gingen wieder auf die Straße – und machten sie eine Stunde dicht
Nachdem der Berliner Verkehrsminister Dobrindt den Neubau der B28 einmal mehr vertagt hat, wird man solche Bilder jetzt wohl wieder öfters sehen.

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01.08.2014, 12:00 Uhr

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