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Dichtmacher mit Buhmann

Hirschauer finden Tempo-30-Regeln ungerecht

Viele Einwohner Hirschaus sind aufgebracht: Während Bühls Ortsdurchfahrt mit Tempo 30 beruhigt werden soll, wurde in Hirschaus Kingersheimer Landstraße die langsamere Geschwindigkeit nur von 22 bis 6 Uhr angeordnet. In der BI Neckartal versteht man die Welt nicht mehr und will sich das nicht bieten lassen.

16.11.2012
  • Ulla Steuernagel

Hirschau. Ein gestandener CDU-Ortschaftsrat spricht diesen Satz: „Wir haben Mutlangen-erfahrene Leute“, sagt Richard Friedrich. Er gehört der BI Neckartal an und ist Wirt des Gasthauses „Krone“. Und noch eine Drohung schickt der frühere CDU-Stadtrat gleich hinterher: „Ich habe sofort 100 Leute auf der Straße!“ Die Stimmung dieser Leute sei aufgeheizt: „Die sind bitterbös‘!“ Man könne in Hirschau auch anders. Bisher habe man „immer versucht, anständig zu sein“, aber jetzt werde überlegt, „voll dicht zu machen“.

Die Hirschauer wollen nicht verstehen, wie sich die Verkehrslage in ihrem Ort von der in Bühl unterscheidet: Warum hat die Bühler Ortsdurchfahrt Tempo 30 bekommen und ihre nicht? In Bühl, so verkündete die Tübinger Stadtverwaltung am Montag im Planungsausschuss, werde bald ganztägig die Geschwindigkeit gedrosselt. Grund ist die besondere Gefahrenlage in der Ortsdurchfahrt. Eine Rechtskurve und insgesamt 15 Nebenstraßen machen den Verkehr auf der etwa einen Kilometer langen Strecke „sehr unübersichtlich“, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung. 15 000 Fahrzeuge am Tag, zehn Verkehrsunfälle seit 2007, stark frequentierte Fußgängerübergänge und schon in diesem Jahr 320 Rotlichtverstöße und ebenso viele Geschwindigkeitsüberschreitungen – diese Argumente werden fürs Tempolimit genannt.

Richard Friedrich wundert und ärgert sich darüber: „Auch in Hirschau“, sagt er sarkastisch, „überqueren Leute die Straße.“ Er betont aber auch, dass er sich für Bühl freue und dass sich am Verhältnis zwischen den Kämpfern für eine B 28-Ortsumfahrung nichts ändere – „Wir sitzen weiterhin in einem Boot!“ Der Ärger richte sich allein gegen die Straßenverkehrsbehörde, die die Verkehrsverhältnisse in Bühl als gefährlicher einstuft als in Hirschau. Dabei werde schon der ganze Navi-geleitete Verkehr nach Hirschau gelotst. Navis wählten immer diese unter den beiden Alternativen. Der Schwerlastverkehr in Hirschau sei dichter als in Bühl.

Hirschaus Kinder seien einer besonderen Gefahr ausgesetzt, weil alle Kindergärten auf der Südseite der Ortsdurchfahrt liegen, Kinder aus dem Norden müssen also die Straße queren. Aber all das zähle für die Stadtverwaltung nicht: „Mich ärgert das bis zum Geht-nicht-mehr“, sagt Friedrich. Es müsse wohl erst zu schweren Unfällen kommen, damit sich etwas bewege. Vor allem vom grünen Oberbürgermeister Boris Palmer fühlt sich die Bürgerinitiative im Stich gelassen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Rita Haller-Haid und die CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz haben dagegen bessere Karten. Beide versprachen ihre Unterstützung sowohl beim Straßenbau als auch bei Tempo 30.

Palmer gibt nicht den Schwarzen Peter weiter

Rita Haller-Haid machte sich in einer aktuellen Pressemitteilung gleich für „Tempo 30 rund um die Uhr“ in Hirschau und Wurmlingen stark. Die Gefährdungslage sei in diesen Orten nicht anders als in Bühl. Außerdem warnte sie: „Was in Bühl für Erleichterung sorgt, bedeutet für Hirschau und Wurmlingen noch mehr Belastung durch Ausweichverkehr“, so die SPD-Fraktionsvize im Landtag. Bis zum Bau einer B 28 a neu müsse also schnell Entlastung her.

Wer oder was ist also im Weg? Für die BI steht vor allem ein Name für Verhinderung und Konzeptionslosigkeit in der B 28-Debatte: Boris Palmer. Den Tübinger Oberbürgermeister nervt das Thema BI Neckartal hörbar. Dabei ist er grundsätzlich gegen solchen Innerortsverkehr. „Wenn es nach mir ginge, müsste es in allen Ortsdurchfahrten Tempo 30 geben.“

Palmer müsste also eigentlich an der Spitze der BI stehen. Doch die Sache hat für ihn einen gewaltigen Haken: Jahrelang habe man unter der CDU-Regentschaft nie am Tempo 50 in Ortsdurchfahrten gerüttelt, auf einmal aber kämen selbst eingefleischte CDU-Wähler auf die Idee. „Dabei wurde“, so Palmer, „Tempo 30 in Ortsdurchfahrten überhaupt erst mit einem grünen Verkehrsminister möglich.“

Möglich wurde es nach drei Kriterien: Lärmschutz, Luftreinhaltung und Verkehrssicherheit. Hirschaus Verkehrsimmissionen reichten aber nur für ein Tempo 30 bei Nacht. Und bei einer „bolzengeraden, breiten Straße“ sei auch die Verkehrssicherheit größer als im kurvigen Bühl. Wenn es eine rechtliche Möglichkeit für Hirschau gäbe, dann würde er sie nutzen, betont Palmer. Wenn er aber den Hirschauern ohne rechtliche Voraussetzungen nach dem Mund rede, dann gäbe er den Schwarzen Peter“ der Nicht-Genehmigung nur ans Regierungspräsidium weiter. Das jedenfalls verstünde er nicht unter „seriöser Politik“.

Hirschauer finden Tempo-30-Regeln ungerecht
Obwohl Oberbürgermeister Boris Palmer von seiner Maut-Idee Abstand genommen und auch das nur eingeschränkt durchgesetzte Tempo 30 nicht zu verantworten hat, in Hirschau (siehe die Zeichnung an der Ortsdurchfahrt) gilt er manchen als der oberste Verkehrssünder.

In Bühl lag der Schwerlastverkehr nach einer Zählung des Jahres 2010 (14 781 Fahrzeuge am Tag) bei durchschnittlich 3,5 Prozent. In Hirschau ergab die Verkehrszählung im Juni 2012 bei 15 300 Fahrzeugen am Werktag einen Schwerverkehrsanteil von 6,5 Prozent.

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16.11.2012, 12:00 Uhr

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