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Viel Beton und Muschelkalk

Historische Trockenmauer an der Kalkweiler Steige wird durch neue Quader verdeckt

An der Kalkweiler Steige sorgen diverse Mauern auf einem Hanggrundstück für Unmut (wir berichteten). Zunächst sollte die historische Trockenmauer am Hangfuß belassen werden. Doch nun wurde eine Mauer aus wuchtigen Steinquadern davorgesetzt.

26.06.2014
  • Ursula Kuttler-Merz & Gert Fleischer

Rottenburg. „Man muss warten, bis es fertig ist. Nachher passt es wieder“, sagt Rottenburgs Tiefbauamtsleiter Manfred Wanner. Ursprünglich sollte die alte Trockenmauer so weit instand gesetzt werden, dass sie ihre Stützfunktion behält. Bei genauerer Überprüfung habe sich herausgestellt, dass eine Reparatur nicht möglich sei und das steile Gelände zusätzlich baulich gesichert werden müsse. Der „Blocksatz“, wie Straßenbauer die Hangbefestigung durch mächtige Steine nennen, sei gut für die Statik und vergleichsweise kostengünstig.

Der Zwischenraum zwischen der alten und der neuen Trockenmauer werde verfüllt, später könne da Wilder Wein wachsen. Die Unterhaltungslast für die neue Trockenmauer habe die Stadt Rottenburg. Wenn die Bauarbeiten beendet sind, gehe diese Last auf den Hauseigentümer über.

Im Auftrag des Tiefbauamts hat die Bieringer Firma Langheinz an der Kalkweiler Steige in Trockenbauweise die jeweils 400 bis 600 Kilogramm schweren so genannten „Zyklopen“ aufgesetzt. Das Material ist Würzburger Muschelkalk: „Das ist eine ganz besonders gute Qualität“, sagte der Firmenchef und gelernte Steinhauer Edgar Langheinz zur Frage, warum kein hiesiger Muschelkalk genommen wurde. Die Mauer vor der Mauer engt den Straßenraum etwa einen halben Meter ein. Benötigt werden rund 100 Tonnen Steine.

Der Anblick von Betonstützmauern und Steinblöcken stört Anlieger der Kalkweiler Steige (sie möchten ihre Namen nicht veröffentlicht haben). Die neue Mauer entspreche nicht den „Besonderen Vereinbarungen“ des Bebauungsplans von 1982, sagen sie und zitieren aus dem Bebauungsplan: „Die Stützmauer entlang der Kalkweilersteige soll auch nach Durchführung der Umlegung in ihrem Charakter erhalten bleiben“. Die alte kleinteilige Natursteinmauer mit Lebensraum für Vögel, Reptilien und Pflanzen werde mit dieser „Fluss-Ufermauer brutal verbaut“, der Gebietscharakter gehe verloren. Mancher Nachbar hatte sich von der Stadt Rottenburg „eine gestalterisch und maßstäblich angepasstere Lösung erwartet“.

Ein Anwohner mit umfassender Trockenmauer-Bauerfahrung bemängelt die „falsche Reihenfolge“ beim Bau. Seiner Ansicht nach hätte zuerst die historische Trockenmauer repariert und stabilisiert werden müssen, bevor oberhalb derselben die Betonstützmauern für den Hausbau errichtet wurden. Die alte, jetzt verdeckte Mauer bestehe aus kleinen Steinen verschiedener Gesteinsarten. Die Größe der neuen Steine passe nicht, und die bisher gleichmäßig-harmonische Trockenmauer-Flucht im Straßenbild der Kalkweiler Steige sei jetzt gestört: „Manche Stadt wäre froh, sie hätte eine Straße mit solchem Kulturerbe.“

So einheitlich ist die Straßenflucht freilich nicht. Es gibt viele Natursteinmauern, aber in großer Variationsbreite hinsichtlich Material, Größe, Behau oder Verfugung. Dass ein Zusammenhang bestehe zwischen den neuen Betonmauern und der morschen Trockenmauer, sei falsch, sagt Baubürgermeister Thomas Weigel. Dies belegten die Statiker. Die Trockenmauer sei durch die Hecke zerstört worden, die dort über Jahrzehnte auf dem brachliegenden Grundstück gewachsen war.

Die alte Mauer zu sanieren, wäre viel zu teuer gewesen, lässt Weigel durchblicken. Denn dann hätte man sie abtragen, zuvor aber eine Hangsicherung einbauen müssen. Deshalb sei die neue Mauer davorgesetzt worden, auch wenn dadurch etwas Straßenraum geopfert wurde. Zu den anonymen Beschwerden aus der Nachbarschaft sagt Weigel, dass auch manche von denen, die früher dort bauten, eigene Konzepte verwirklicht hätten. Diese Vielfalt sei einer der Gründe gewesen, das Baugesuch zu genehmigen.

Mehr als die Trockenmauer-Optik greift – zumindest derzeit – die darüberstehende, weit vorgelagerte und komplett mit Erdreich hinterfüllte Betonumfassung ins Straßenbild ein. Damit hat der Bauherr aus einem Hanggrundstück ein ebenerdiges Areal gemacht. „Landgewinnung“ nennt das eine Nachbarin.

Baubürgermeister Weigel ist zuversichtlich, dass das Grundstück nach einer zugegeben längeren Phase besser aussieht als das eine oder andere in der Umgebung. Er kennt die Zeichnungen der Landschaftsarchitektin. Da es sich um ein privates Bauvorhaben handelt, darf er die Zeichnungen nicht herausgeben. Nächstes Jahr macht sich die „Rottenburger Post“ ein Bild.

Historische Trockenmauer an der Kalkweiler Steige wird durch neue Quader verdeckt
Mauerbau an der Kalkweiler Steige in Rottenburg: Die historische kleinteilige Trockenmauer ist seit gestern ganz hinter den neuen Quadern verschwunden. Die Betonwanne darüber ist mit Erdreich angefüllt und macht aus dem Hanggrundstück zum großen Teil ein ebenes Grundstück. Bild: Kuttler-Merz

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26.06.2014, 12:00 Uhr

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