Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kommentar

Hitzeschlacht mit Brand-Blasen

In Zeiten wie diesen – fürwahr! In Zeiten wie diesen, da Helios’ Flammenstrahl die schütteren Schädel des Menschengeschlechts mit jedem neuen Morgen unbarmherzig sengt! In Zeiten wie diesen – Ach! – da der lodernden Feuerrösser Herr ohne Zagen mit Eos’ Erwachen sein Werk beginnt und Gaias welken Leib mit Peitschenhieben aus Licht mitleidlos geißelt!

18.08.2012

Ja, ach! In Zeiten wie diesen tut ein Gläschen Bubble-Tea im Schatten manchmal ganz gut.

Für Leute, die sich derzeit unter der Hitze schinden, kann der Genuss dieser fröhlich poppenden Blasen tatsächlich Linderung bringen. Dürftige Linderung versteht sich. Einen einigermaßen lesbaren Einstieg in ein ÜBRIGENS etwa bekommt man auch unter Einfluss einer solchen Kalorienbombe kaum hin. Wie man unschwer erkennen kann.

Und doch: Heute dürfen wir auch mal dankbar sein. Dankbar dafür, dass mit dem Bubble-Tea eine Modewelle, die derzeit weltweit die Innenstädte mit Sacchariden flutet, auch in Tübingen angekommen ist – jener Stadt, an der für gewöhnlich fünfzig Prozent aller Trends so achtlos vorbeiknattern wie eine Schwadron Hell’s Angels an einem Marktstand mit selbstgemachten Dinkelkissen.

Lesen Sie überhaupt noch mit bei der Hitze?

Na gut. Das mit den verschlafenen Trends sollten hippe Bubble-Tea-Trinker Tübingen jetzt nicht zum Vorwurf machen. Die Stadt hatte es nie leicht im Leben und sich schon vor 600 Jahren gegen das Fleisch und für den Geist entschieden. Beim Wort Blasen denken wir Tübinger zunächst mal an unseren Unseld-Lecturer Peter Sloterdijk, der in seinem viel gekauften und nie gelesenen ’98er-Opus mit dem unverhohlen erotisch konnotierten, gleichlautenden Titel immerhin mal einen Haken drunter machte, „dass eine Klasse von Nähe-Beziehungen zum Anderen nur wirklich ist, wenn sie als Beziehungen verneint und gelöscht ist“. Von Bubble-Tea stand da hingegen nichts drin.

Zumindest hat sich der Philosoph in seinem Buch dankenswerterweise des Anglizismus’ „Bubble“ enthalten – dessen sich das sonst so zugängliche TAGBLATT jetzt schon seit anderthalb Spalten befleißigt. Die üblicherweise so unbestechliche Zeitung hat sich ja mit dem Begriff völlig ungeniert vor den Karren der Bubble-Tea-Industrie spannen lassen, deren Vermarktungserfolg sich mit der deutschen Übersetzung – Blasentee – zuerst bekanntlich ziemlich in Grenzen hielt.

Ärzten und Ernährungswissenschaftlern indes steht jetzt schon seit fast zwei Spalten der kalte Schweiß auf der Stirn. Bubble-Tea besteht hierzulande ja oft nur aus Zucker, der Tee-Anteil rangiert im Promille-Bereich, die Vitamine im Becher sind so wenig, dass sie schon Mühe haben, einen dritten Mann zum Skat zu finden, und eine Milliarde Kalorien pro Glas sind keine Seltenheit. Dieses Zeug ist so süß! Man ist nach dem Genuss praktisch auf 180 – und schreibt auch entsprechend. Also: Packen Sie sich heute mal eine schöne kalte Apfelschorle ein. Und jetzt: ab ins Freibad!

Eike Freese

Hitzeschlacht mit Brand-Blasen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.08.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball