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Heiße Tage in der Notaufnahme

Hitzewelle: Beim Altstadtlauf gibt es am Samstag eine zweite Trinkstation

Mehr Rettungseinsätze für das DRK, steigende Patientenzahlen im Reutlinger Klinikum: Das Personal der Rettungsleitstelle und der Notaufnahme bekommt die extremen Temperaturen stark zu spüren. Eine Krankenkasse schaltet eine Hotline zur Hitzewelle.

02.07.2015
  • Maik Wilke & Thomas de Marco

Reutlingen. Wenn die Mitarbeiter der Notaufnahme im Reutlinger Klinikum vor der Einlieferung der Patienten auf dem Monitor über die Art des Notfalls informiert werden, heißt es derzeit immer häufiger: Kreislauf. „Wir merken die Hitze in der Notaufnahme“, sagt Zsu-zsa Märkle, 46, die Leitende Ärztin. Normalerweise betreuen sie und ihr Personal um die 120 Patienten pro Tag, derzeit sind es gut zehn Prozent mehr. „Das wird bis zum Wochenende noch schlimmer, weil die Temperaturen steigen“, sagt sie. Zusätzliches Personal sei nicht angefordert worden, erklärt Märkle. Die Beschäftigten in der Notaufnahme leiden dabei auch selbst unter der Hitze, denn ihre Räume sind nicht klimatisiert.

Am Dienstag wurde eine über 70-jährige Frau bewusstlos eingeliefert, die nach einem Schlaganfall derzeit Krankengymnastik macht und mit ihrer Therapeutin nur etwa 15 Minuten um den Block gelaufen war. Sie kollabierte und kam mit dem Notarzt ins Klinikum. „Wir haben ihr nur Flüssigkeit gegeben, nach anderthalb Stunden war ihr Kreislauf wieder stabilisiert“, berichtet Märkle.

Es betrifft aber nicht nur ältere Menschen, sondern auch jüngere, die meinen, sie müssten trotz dieser Temperaturen den Garten umgraben. „Ich rate auch dringend vom Sport im Freien ab“, sagt die Notfallärztin – und will noch einmal ernsthaft mit ihren Freunden reden, die am Samstag um 14 Uhr Fußball spielen wollen. „Wehe, von denen kommt einer zu uns in die Notaufnahme“, sagt Märkle und lacht. Sie sorgt sich allerdings auch vor dem Stadtlauf.

Denn der Samstag soll heißester und trockenster Tag des Jahres werden. „Wir sind es gewohnt, dass es sehr warm ist bei unserem Lauf. Doch dieses Mal soll es ja besonders heiß werden“, sagt Michael Röder von der Interessen Gemeinschaft Laufen (IGL). Daher gebe es eine zusätzliche Trinkstation – und Röder rät den Teilnehmern, sich auch wirklich bei beiden Stopps zu stärken. Zusätzlich werden die Läufer mit Wasser besprenkelt. Bis zum Start des Hauptlaufs um 19 Uhr hoffen die Veranstalter auf etwas kühlere Bedingungen. Den Traditionslauf komplett abzusagen, sei nie ein Thema gewesen. „Es ist klar, dass der eine oder andere sich aufgrund der Hitze entscheidet, nicht zu laufen. Und auch manche Eltern werden ihre Kinder nicht teilnehmen lassen“, so Röder. Dennoch rechnet er mit einer hohen Beteiligung – über 1000 Starter haben sich bereits angemeldet.

Heute Hitze-Hotline der DAK in Reutlingen

Die Krankenkasse DAK schaltet am Freitag eine medizinische Sonder-Hotline: Mehrere Ärzte bieten von 8 bis 20 Uhr eine telefonische Beratung zu gesundheitlichen Beschwerden wegen der hohen Temperaturen an. Dieses Serviceangebot unter der kostenlosen Rufnummer 0800 1111 841 können Kunden aller Krankenkassen nutzen.

„Vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke haben bei diesen tropischen Temperaturen oft starke Gesundheitsbeschwerden“, sagt Sandra Fortenbacher, Leiterin des Reutlinger DAK-Servicezentrums. Deshalb geben die Mediziner an der Sonder-Hotline zum Beispiel Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes besondere Empfehlungen zum Umgang mit der Hitze. Eltern von Kleinkindern erhalten ebenso medizinische Ratschläge wie Arbeitnehmer, die im Büro unter den hohen Temperaturen leiden. Mit den Anrufern wird auch besprochen, wann die Betroffenen eine Arztpraxis aufsuchen sollten.

Um den Auswirkungen der Hitze am besten begegnen zu können, sollten die Leute vor allem viel trinken, rät Notfallmedizinerin Märkle. „Eigentlich müssten die Menschen normalerweise täglich zwei bis drei Liter zu sich nehmen. Jetzt aber gut anderthalb Liter mehr. Am besten die Wasserflasche auf dem Schreibtisch vor die Nase stellen, damit man daran erinnert wird!“

Hitzewelle: Beim Altstadtlauf gibt es am Samstag eine zweite Trinkstation
Hat derzeit alle Hände voll zu tun, Hitzeopfer wieder aufzupäppeln: Zsuzsa Märkle, Leitende Ärztin der zentralen Notaufnahme im Reutlinger Klinikum.Bild: Haas

Auf einer Wiese bei Römerstein-Donnstetten hat sich gestern frühmorgens zusammengerechtes Erntegut selbst entzündet. Ein Autofahrer hatte das Feuer gegen 2.45 Uhr entdeckt. Die Feuerwehr Lenningen löschte den Brand. Wegen der Hitze gibt die Reutlinger Feuerwehr Tipps zur Vermeidung von Waldbränden. Unter anderem soll in Wald und Wiesen kein offenes Feuer gemacht oder geraucht werden. Grillgeräte müssen kippfest in sicherer Entfernung zum Wald aufgestellt werden, Grillkohle und Asche erst nach vollständiger Erkaltung entsorgen. Kein Glas oder Scherben zurücklassen, Brände und Rauch sofort melden, Zufahrten zu Wäldern als Rettungswege freilassen.

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02.07.2015, 12:00 Uhr

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