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Hitzige Sitzung
Die Experten der Deutschen Bahn und auch der Stuttgarter Feuerwehrchef Frank Knödler sind überzeugt davon, dass die Brandsicherheit im Tiefbahnhof gewährleistet ist. Die Gegner bezweifeln das. Foto: Manfred Grohe
Stuttgart 21

Hitzige Sitzung

Wie sicher sind der neue Hauptbahnhof und die Tunnels im Falle eines Brandes? Mit der Frage beschäftigte sich am Dienstag der S21-Ausschuss des Stuttgarter Gemeinderats.

16.11.2016
  • RAIMUND WEIBLE

Zweimal sah sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) gestern gefordert, im Großen Sitzungssaal des Rathauses zur Ordnung zu rufen. Zum ersten Mal, als Manfred Leger sprach, der Chef der DB-Projekt Stuttgart-Ulm GmbH, danach, als dessen Finanzexperte Peter Sturm das Wort ergriff. Gegner des Bahnvorhabens brachen in Gelächter aus, einige riefen „Lügenpack“. An einzelnen Zwischenrufen störe er sich nicht, sagte der Sitzungsleiter. Doch er hatte etwas dagegen, wenn nach jedem Satz eines Bahnvertreters lautstark protestiert werde.

Etwa 150 Zuhörer, in der Mehrheit Gegner von S21, verfolgten eine Sitzung des S21-Ratsausschusses zu emotional belasteten Themen. Fünf Stunden lang ging es ohne Pause um den aktuellen Stand des Bauprojekts und um die Kosten. Außerdem um den Brandschutz, und dieser Punkt nahm die meiste Zeit in Anspruch.

„Das endet im Debakel“

Der für die Projekt-Kritiker sprechende Ingenieur für Klima- und Lufttechnik, Hans Heydemann, zog das Fazit: Der Brandschutz sei nicht gewährleistet – weder im Tiefbahnhof selbst noch in den Tunnel. Insbesondere griff Heydemann das Entrauchungskonzept der Bahn an. „Das kann nur in einem Debakel enden“, sagte er. Hannes Rockenbauch von der Fraktionsgemeinschaft „SÖS-Linke-PluS“ stimmte Heydemann zu. „Das Entrauchungskonzept ist ein einziger Brandbeschleuniger“, meinte er, denn durch die eingepresste Luft in die Röhren werde das Feuer erst richtig entfacht.

Rockenbauch bemängelte auch, dass die Bahn ein Gutachten zur sogenannten Tunnelentfluchtung unter Verschluss halte. „Das würde ich gerne prüfen“, sagte der Stadtrat und langjährige Streiter gegen den Tiefbahnhof, „ich verstehe nicht, dass die Bahn solche Sachen nicht veröffentlicht.“

Der Brandschutzbeauftragte der Deutschen Bahn, Klaus-Jürgen Bieger, wies die Kritik zurück. Das System sei „das sicherste, was je in einem Bahnhof in Deutschland eingebaut wurde“. Das optimierte Entrauchungsmanagement garantiere, dass sich die Menschen im Brandfall garantiert sicher aus dem Gefahrenherd entfernen könnten. Auch das Löschwassersystem sei das beste, das je gebaut wurde.

Beim Stuttgarter Branddirektor Frank Knödler fand Bieger Unterstützung. Der Chef der Stuttgarter Berufsfeuerwehr schilderte, wie er seine Expertise in das Brandschutzkonzept eingebracht hat. Danach habe sich die Bahn vom Prinzip Einröhrigkeit überzeugen lassen. Der Vorteil gegenüber der Zweiröhrenphilosophie ist die, dass Passagiere sich bei einem Brand im Tunnel über einen Rettungsstollen in den parallel verlaufenden Tunnel retten können. Knödler brach auch eine Lanze für die Experten, die am S21-Brandschutzkonzept beteiligt sind. Da sei die Elite des deutschen Brandschutzes am Werk. Knödler ist überzeugt, dass die Bahn den Nachweis der Brandsicherheit im Tiefbahnhof erbracht habe.

Als auch Knödler ins Visier der Kritiker geriet, griff Kuhn ein und stellte sich vor seinen Feuerwehrchef. Dass es Knödler mit der Sicherheit der Bevölkerung absolut ernst meine, habe sich auch bei der Sanierung des Fernsehturms gezeigt. Knödler war vor drei Jahren auf den frisch gewählten OB zugekommen und hatte ihn aus Sicherheitsgründen geraten, den Turm zu sperren.

Zu den erwarteten Differenzen kam es außerdem als Kuhn den Rednern zum Thema Kosten das Wort erteilte. Bahnvertreter Sturm bekräftigte, dass der Bahn für den Bau des Tiefbahnhofs, des Flughafenbahnhofs und den Zuläufen mit 6,5 Milliarden Euro auskomme.

Sturm: „Wir fühlen uns sehr sicher und glauben, dass wir eine gute Kostenabschätzung gemacht haben.“ Auf den Hinweis, dass der Bundesrechnungshof von 9,8 Millionen Euro ausgehe, berief sich Sturm auf Verkehrsminister Winfried Hermann, der nach der Lenkungskreis-Sitzung vergangene Woche Zweifel am BRH-Gutachten geäußert hatte.

Sturm sagte: „Es gibt zur Fortführung des Baus keine Alternative. Ein Abbruch käme teurer.“ Dem widersprach Eisenhart von Loeper als Vertreter der S21-Gegner. Ein modernisierter Kopfbahnhof komme billiger.

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16.11.2016, 06:00 Uhr

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