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Und es gab sie doch!

Hobbyhistoriker Dieter Hansen sieht Belege für die Existenz der Stadt Landskron

Sie pflegen die Kunst des Büchsenschießens und sehen sich in der Tradition Rottenburger Schützengesellschaften. Tatsächlich wurde die Alte Schützengilde Landskron aber erst 1999 gegründet. Doch ihr Name immerhin ist alt – sehr alt sogar, wie Dieter Hansen meint.

29.10.2014
  • Ulrich Eisele

Rottenburg. Die Frage hat den Säckelmeister (Kassier) der Schützengilde seit der Neugründung umgetrieben: Woher kommt der Name Landskron? Die „Alte Schützengilde Landskron 1528“ übernahm ihn von ihrem Vorgänger-Verein, der 1953 gegründeten „Schützengilde Landskron“; und die wiederum führte ihre Tradition auf noch ältere Rottenburger Schützengesellschaften zurück: Laut Dieter Manz („Von Bürgerkompanien und Schützengesellschaften“) gab es schon 1820 eine, 1837 folgte die nächste und 1862 die dritte Schützengesellschaft, nachdem die zweite nach der 1848er-Revolution von der Bildfläche verschwand.

Umso wichtiger wurde für die Nachfahren die Suche nach ihren Wurzeln. Die „Alte Schützengilde Landskron 1528“ hat sie sich sogar in die Satzung geschrieben: Sie will nicht nur „Brauchtum und Tradition“ fördern, sondern auch historisches Wissen verbreiten. Das oben zitierte Buch von Dieter Manz zur Geschichte des Rottenburger Wehr- und Schützenwesens seit dem Spätmittelalter war ein Ergebnis dieser Zielsetzung, es entstand im Auftrag und mit Förderung der Schützengilde.

Über die Ursprünge des Namens „Landskron“ aber findet sich darin wenig. Auf diesen Namen stößt man an vielen Orten in ganz Europa. Meist wird damit eine exponierte Stelle (eine Landzunge im See oder ein vorgezogener Bergrücken) bezeichnet, auf dem eine Burg stand. Dass es eine solche Burg auch in Rottenburg gab, ist unter Historikern aber umstritten.

Säckelmeister Dieter Hansen jedoch stieß per Zufall auf Belege, die seiner Ansicht nach auf die Existenz einer „Stadt Landskron“ auf Gebiet der heutigen Stadt Rottenburg hinweisen. Ein ganz wichtiger ist ihm eine steinerne Gedenktafel an der Altstadtkapelle (oben im Bild), auf der vom Untergang der Stadt „Lands Ort oder Lands Kron“ durch „Ert Bidem un Geweser“ die Rede ist.

Laut Inschrift soll dies am 3. Januar 1112, zu Lebzeiten des Papstes Benedict VIII. und des Kaisers Heinrich V. geschehen sein. Danach habe Graf Albrecht von Hohenberg die Stadt wieder aufgebaut und Rottenburg genannt. Als Datum für die Inschrift ist das Jahr 1602 angegeben.

Zwar habe sich der mit der Inschrift beauftragte Steinmetz offensichtlich geirrt, meint Hansen, indem er Papst Benedict mit dem 1112 regierenden Papst Paschalis II. verwechselte. Aber mit dem Erdbeben könnte er Recht gehabt haben; ein von Italien bis Mitteldeutschland reichendes Beben sei für dieses Datum durch den Stuttgarter Experten Professor Dr. Götz Schneider nachgewiesen.

Als weiteren Beleg führt Hansen eine Chronik des Augustinermönchs Andreas Fidler aus dem Jahr 1780 an, die er in der österreichischen Nationalbibliothek fand. Darin wird auch über die Rottenburger Klöster berichtet. In eienm Bericht über die Karmeliter heißt es: „Wo jetzt Rottenburg steht, soll einst eine Stadt mit Namen Landsort oder Landskron gestanden sein, die aber im Jahr 1112, den 3. Jänner, durch eine der schrecklichsten Erdbeben und Überschwemmungen, samt vielen anderen herumgelegenen Ortschaften, gänzlich zu Grunde gegangen ist.“

Ähnliche Belege führt Hansen noch aus dem „Kleinen Schwäbischen Zeitbuch“ von Martin Zeiller aus dem Jahr 1653 sowie aus der „Topographia Germaniae“ von Matthäus Merian (1642 bis 1654) an, deren Texte ebenfalls aus Zeillers Feder stammen.

Für Dieter Hansen ergibt sich aus all diesen Belegen klar: „Und es gab sie doch, die alte Stadt Landskron am Neckar!“ Für ihn trägt die Alte Schützengilde einen historisch belegbaren Namen, der noch viel älter als das hohenbergische Rottenburg ist.

Hobbyhistoriker Dieter Hansen sieht Belege für die Existenz der Stadt Landskron
Die Gedenktafel an der Altstadtkapelle, auf der der Untergang der Stadt Landskron festgehalten ist. Bild: Hansen

Hobbyhistoriker Dieter Hansen sieht Belege für die Existenz der Stadt Landskron
Säckelmeister Dieter Hansen mit einer Fahne der Alten Schützengilde Landskron. Archivbild: Kuball

Dieter Manz, profundester Kenner der Rottenburger Stadtgeschichte, war für uns bisher leider nicht erreichbar. Nach Information von Stadtarchivar Peter Ehrmann hat er sich in einem Beitrag für den „Sülchgau“, die Publikationsreihe des Sülchgauer Altertumsvereins, mit den Hinweisen für die Existenz einer Stadt Landskron auf dem heutigen Stadtgebiet auseinandergesetzt und dafür keine hinreichende Belege gefunden. Auch Beate Schmid, beim Landesdenkmalamt zuständig für die archäologischen Funde in Rottenburg, ist skeptisch. Ihr Einwand: Als der unbekannte Steinmetz die Geschichte von der Zerstörung Landskrons in die Tafel meißelte, war die angebliche Siedlung schon rund 500 Jahre nicht mehr vorhanden. Quellen oder materielle Belege für die Existenz einer Siedlung dieses Namens aus dem 12. Jahrhundert oder früher sind ihr nicht bekannt. Es sei nicht auszuschließen, meint Beate Schmid, dass die Inschrift auf der Tafel an der Altstadtkapelle ein Körnchen Wahrheit enthalte; so wie Sagen oder Fabeln ja auch immer ein Stück historische Erfahrung transportieren. Aber für die These, dass die Stadt Landskron Vorläufer der Stadt Rottenburg war, seien diese Beweise viel zu vage.

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29.10.2014, 12:00 Uhr

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