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Hochkarätiges Erstlingswerk
Manuela Bastian räumt mit „Where to, Miss?“ bei Filmpreisen ab. Foto: Manuela Bastian
Auszeichnung

Hochkarätiges Erstlingswerk

Manuela Bastian, Studentin der Filmakademie Ludwigsburg, erhält für ihr einfühlsames Porträt einer indischen Frau den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis.

21.11.2016
  • UWE ROTH

Ludwigsburg. Der Film „Where to, Miss?“ von Manuela Bastian kommt erst im Januar in die Kinos. Doch das Werk der 29-Jährigen glänzt bereits mit drei Awards: dem Hofer Dokumentarfilmpreis, dem Publikumspreis des Filmfestivals Kitzbühel und seit dem 8. November auch dem Deutschen Menschenrechts-Filmpreis in der Kategorie Hochschule. Einen mit 1000 Euro dotierten Förderpreis hat es während der Berlinale gegeben. Dazu kommen in diesem Jahr elf Nominierungen auf internationalen Filmfestivals.

So viele renommierte Auszeichnungen aus Fachkreisen lassen vergessen, dass „Where to, Miss?“ eine Jahrgangsarbeit ist. Die Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg zeigen mit ihrem ersten längeren Werk, ob sie verstanden haben, was ihnen die Dozenten im Grundstudium beigebracht und ob sie überhaupt das Zeug für die Filmbranche haben. Mit ihrem Porträt einer jungen Inderin, die mutig gegen Konventionen verstößt und gegen ihre Familie rebelliert, nur weil sie Taxifahrerin werden will, hat Manuela Bastian den Beweis dafür zweifellos geliefert.

Von Festival zu Festival

Da sitzt die Studentin in einem Ludwigsburger Café unweit des Campus und strahlt. „Gestern war ich in Budapest bei einem internationalen Filmfestival für Menschenrechte“, berichtet sie. Ihr Film lief dort, blieb aber ohne Preis. Zwei Tage später ist die junge Frau in Köln bei der Verleihfirma, die Woche darauf bei einem Filmfestival in Jerusalem. „Es macht sehr viel Spaß, herumzukommen. Ich reise gerne.“

Die Lust am Reisen ist die Keimzelle ihres 83-minütigen Dokumentarfilms, der hauptsächlich in der indischen Millionenmetropole Delhi entstanden ist. Ihr Vater ist Schauspieler und Fotograf. Als sie noch klein war, reiste er durch die Welt und schickte von überall Fotos nach Hause. Manuela Bastian ist in München geboren und am Ammersee aufgewachsen. Nach dem Abitur ging sie selbst auf Reisen. Mit einer Freundin besuchte sie mit kleinem Geldbeutel drei Monate Indien. Wie alle Touristen, die zum ersten Mal in dieses Land kommen, waren die Frauen geschockt über die Verhältnisse: Quadratkilometer große Slums, Armut, Enge, tropische Hitze, intensive Gerüche und Nächte in billigen Hotels brachten sie an ihre Grenzen. „Die Situation der Frauen hat besonders viele Fragen aufgeworfen“, sagt Bastian zu ihren damaligen Gefühlen. In ihrer Heimatstadt studierte sie zunächst Kunst, stellte aber schnell fest, dass „einsam vor mich hinmalen nicht mein Ding ist. Ich bin doch lieber im Team.“ Sie brach ihr Studium ab und kam 2012 nach Ludwigsburg. Im selben Jahr ereignete sich in Delhi die grausame Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen, die nach schwersten Misshandlungen verstarb.

Mutige Taxifahrerin

Nun hatte Manuela Bastian ihr Motiv. Sie wollte aber einen optimistisch stimmenden Ansatz und nicht die Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt stellen – hier die armen Frauen, dort die bösen Männer. „Die Idee war, einen Film über Frauen zu machen, die sich gegenseitig helfen. Außerdem wollte ich ein anderes, durchaus auch positives Frauenbild in Indien aufzeigen. Von Frauen, die sich für andere Frauen einsetzen“, erläutert sie. „Mit dem Film wollte ich meiner Frage nachgehen, warum es so schwierig ist für indische Frauen, sich aus den gesellschaftlichen Strukturen zu befreien. Ich suchte nach einer Frau, die mutig für ihr selbstbestimmtes Leben kämpft – und fand Devki, die Taxifahrerin.“

Die junge Inderin hatte sich bei der Initiative „Women on Wheels“ beworben. Diese bildet Frauen zu Taxifahrerinnen aus, damit sie finanziell unabhängig werden und andere Frauen sicher nach Hause bringen können. „Devki war sehr offen, unverstellt – auch vor der Kamera. Und sie will, dass andere von ihrer Geschichte erfahren.“ Sie handelt davon, wie zuerst ihr Vater und später auch ihr Ehemann, den die Eltern für Devki ausgesucht hatten, mit allen Mitteln versuchen, ihr den Traumberuf auszureden. Über drei Jahre jeweils für einen Monat ist Manuela Bastian mit zwei Kommilitonen, die für Kamera und Ton zuständig sind, sowie einer Dolmetscherin ihrer Protagonistin gefolgt. Ihr Budget war minimal, kam überwiegend über Crowdfunding zustande. Die Filmemacherin hat Schulden, hofft jetzt aber, mit den Preisgeldern langsam in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Ihre nächsten Projekte hat sie bereits im Kopf. Denn noch fehlt der Film fürs Diplom an der Akademie. „Das wird ein szenischer Film sein, der in Deutschland spielt.“ Der darauffolgende soll wieder dokumentarisch werden und in Nepal angesiedelt sein. Dass trotz Auszeichnungen das Filmgeschäft schwierig werden kann, dessen ist sich Manuela Bastian bewusst. Ihr Plan B ist es, das Fotoatelier ihres Vaters zu übernehmen.

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21.11.2016, 06:00 Uhr

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