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Hochresistenter Keim bereitet Sorgen
Überwacht den Zustand der von dem Keim befallenen Patienten: Prof. Dr. Matthias Trautmann, Chef-Hygieniker am Klinikum Stuttgart (rechts), klärte am Mittwoch über die Lage auf der Intensivstation in Bad Cannstatt auf. Links im Bild: der Geschäftsführer des Klinikums, Reinhard Schimandl. Foto: dpa
Bakterium

Hochresistenter Keim bereitet Sorgen

Im Krankenhaus Bad Cannstatt haben sich fünf Patienten infiziert, sind aber nicht erkrankt. Die Intensivstation wurde abgeriegelt. Die Ursachenforschung läuft.

05.01.2017
  • VON DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Auf der Intensivstation des Krankenhauses Bad Cannstatt hat sich ein hochresistenter Keim ausgebreitet. Bei fünf von sieben Patienten auf der Station sei das Bakterium mit dem Namen Acinetobacter baumannii in Abstrichen nachgewiesen worden, teilte Prof. Dr. Matthias Trautmann, Leiter des Instituts für Krankenhaus-Hygiene, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz mit. Die Betroffenen seien zwar mit dem Keim infiziert, aber nicht erkrankt, betonte Trautmann. Ihr Zustand habe sich dadurch nicht verschlechtert. Sie würden daher weiter wegen ihrer Ursprungserkrankungen behandelt. Es handle sich um zwei chirurgische und drei internistische Patienten. Angaben zu Geschlecht und Alter machte der Mediziner aus Datenschutzgründen nicht.

Infektionen möglich

Eine Ausbreitung des Keims soll auf jeden Fall verhindert werden. Denn: Bei Patienten mit schwachem Immunsystem kann er zu „problematischen Infektionen“ führen, wie Trautmann erläuterte. Gleichzeitig ist das Bakterium gegen so gut wie alle Antibiotika resistent, nur noch auf eines reagiert er sensibel. „Das haben wir in der Hinterhand, wollen es aber, wenn möglich, nicht zur Behandlung bringen“, sagte der 65-Jährige. Damit der Keim nicht wandert, wurde die Intensivstation in Bad Cannstatt abgeriegelt. Man nehme keine weiteren Patienten auf – Notfälle im Haus selbst könnten in anderen Räumen versorgt werden. Die Rettungsleitstelle sei informiert worden.

Die beiden bislang nicht von dem Bakterium befallenen Intensivpatienten sowie die fünf Betroffenen wurden getrennt auf der Station untergebracht. Sie dürfen noch Freunde und Verwandte empfangen, jedoch gilt nun die Regel: pro Patient nur noch ein Besucher – und jeder würde genau über die Hygienevorschriften instruiert. Der Keim kann schon mit einer einfachen Berührung übertragen werden. Für gesunde Personen sei er im Grunde ungefährlich, so Trautmann, während er bei geschwächten Menschen, wenn er in das Innere des Körpers gelange, beispielsweise zu Blutvergiftungen oder Lungenentzündungen führen könne.

Ein eigenes Pflegeteam versorgt derzeit die Infizierten und untersucht sie regelmäßig auf das Bakterium. Die Patienten erhalten keine Medikamente, sie würden täglich mit einem speziellen Desinfektionsmittel abgerieben, beispielsweise auch in der Mundhöhle, um die Keimzahl zu senken, erläuterte der Chef-Hygieniker. Man werde sicherstellen, dass kein Patient verlegt werde, der noch ansteckend sei, und die Station auch erst wieder öffnen, wenn sie grundgereinigt worden sei, versicherte er. Das könne auf jeden Fall mehrere Tage dauern.

Parallel dazu läuft die Ursachenforschung. Denn wie der Keim von einem zum anderen Patienten gelangte, ist bislang unklar. Auf der Intensivstation verkehrten täglich viele Menschen, so Trautmann. Von Ärzten über Pfleger und Physiotherapeuten bis zu Besuchern. Man wisse noch nicht, wo der entscheidende Punkt gewesen sei.

Erster Fall Anfang Dezember

Festgestellt wurde der Keim erstmals Anfang Dezember. Seinerzeit sei ein Patient auf der Intensivstation eingeliefert worden, der von dem Keim bereits befallen gewesen sei. Das habe man bei einer routinemäßigen Untersuchung festgestellt. Der Betroffene sei isoliert worden, über Wochen habe man eine Ausbreitung verhindern können, so Trautmann. Kurz vor dem Jahreswechsel sei der Keim dann bei zwei weiteren Patienten und gestern schließlich bei den letzten beiden nachgewiesen worden. Daraufhin hatte sich das Klinikum Stuttgart, zu dem das Krankenhaus Bad Cannstatt gehört, entschlossen, die Sache öffentlich zu machen. Dem Gesundheitsamt habe man jeden einzelnen Fall sofort gemeldet – seit Mai 2016 ist das bundesweit Pflicht.

Der Erreger Acinetobacter baumannii ist in Kliniken kein Unbekannter. Zuletzt war er im Sommer 2016 am Universitätsklinikum in Ulm im Umlauf – drei Patienten waren seinerzeit betroffen. Auch in Stuttgart hat man mit dem Keim Erfahrungen, allerdings nicht in großem Umfang: Vor etwa zehn Jahren sei ein Patient befallen gewesen, diesen habe man erfolgreich behandelt, so Trautmann.

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05.01.2017, 09:00 Uhr

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