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Wie einst die Edelmänner

Hochschulsport: WM-Teilnehmer zeigen die Kunst des Stockfechtens

Es ist eine exotische Sportart: Benedikt Mothes und Amanda Duckworth beherrschen die Kunst des Stockfechtens. Sie waren bei der Stockfecht- Weltmeisterschaft und trainieren Studenten im Rahmen des Tübinger Hochschulsports.

24.10.2012
  • Angela Wistuba

Tübingen. Während sich die zwei tänzelnd umkreisen und belauern, vermitteln sie Eleganz und Kampfeslust zugleich. Wie aus dem Nichts startet Benedikt Mothes einen Angriff – Amanda Duckworth springt leichtfüßig zur Seite. Totenstille, dann schlägt sie zu. Das Aufeinanderkrachen zweier Holzstöcke schallt durch die leere Halle – Mothes hat pariert. Körperbeherrschung in Perfektion – ein ästhetischer Genuss, den beiden Stockfechtern beim Training zuzuschauen.

Jeden Freitagabend lehren sie ein gutes Dutzend Studenten im Rahmen des Uni-Hochschulsports in dieser Kampfkunst. Sie selbst üben diese eher randständige Sportart schon seit einigen Jahren aus und nahmen im September 2012 an der Stockfecht-Weltmeisterschaft im französischen Nantes teil. Amanda Duckworth erfocht sich dort den dritten Platz und freute sich: „Es war eine schöne Überraschung, denn normalerweise gehen die Podestplätze an Frankreich.“ Benedikt Mothes landete nach einer unglücklicher Vorrunde auf Platz 12.

Die WM war nicht zufällig in Frankreich, im Nachbarland hat das Stockfechten nämlich seinen Ursprung. Im 19. Jahrhundert war es den Edelmännern verboten, auf offener Straße eine Waffe zu tragen. Deshalb führten sie bei nächtlichen Spaziergängen einen Spazierstock mit sich, der bei Raubüberfällen der Selbstverteidigung dienen sollte. Daher auch die Bezeichnung Canne de Combat, auf Deutsch Spazierstock-Kampf. Tatsächlich hat der Fechtstock große Ähnlichkeiten mit einem Spazierstock, nur der krumme Handgriff ist einem geraden Ende gewichen.

Der Umgang mit dem Stock ist nicht einfach und erfordert von den Studenten hohe Konzentration. Amanda Duckworth bringt den Anfängern die Grundpositionen bei: den Stock senkrecht in die Luft, über die Schulter legen und mitsamt dem Körper nach vorne drehen. Während die eine Gruppe Trockenübungen machen, sind in der anderen Ecke die Fortgeschrittenen unter der Anleitung von Benedikt Mothes schon mitten im Fechten.

Angriff: Der Stock saust in Richtung Bauch des Gegenübers. Parieren: Der eigene Stock trifft den gegnerischen und dann beginnt das Spiel von vorne, Angreifen, Parieren. Das Ganze geschieht in freundschaftlicher Atmosphäre. Die Studenten geben sich Tipps und so ist es eher ein miteinander, als ein gegeneinander. Was so einfach und athletisch wirkt, ist eigentlich viel komplexer. „Es erfordert viel Körperbeherrschung, denn man muss den Schlag kontrolliert setzten“, sagt Mothes, „man darf nicht zu fest zuschlagen, den Gegner nur antippen.“

Als die beiden Übungsleiter gegeneinander antreten, wird der Unterschied zwischen den Studenten und den Profis deutlich: In rasantem Tempo jagen sich die beiden durch die Halle. „Wenn wir richtig loslegen, bin ich nach nur wenigen Minuten total ausgepowert, so anstrengend ist das Stockfechten,“ erläutert Amanda Duckworth. Dennoch gibt es für sie keine schönere Sportart: „Das Besondere am Stockfechten ist die Dreidimensionalität.“ Man bewege sich in alle Himmelsrichtungen beim Angriff, wie beim Parieren.

Hochschulsport: WM-Teilnehmer zeigen die Kunst des Stockfechtens
Körperbeherrschung und und eine gehörige Portion Athletik sind Voraussetzung, um den Kampf mit dem Stock zu erlernen. Amanda Duckworth (links) und Benedikt Mothes zeigen ihren Schülern, wie es geht. Bild: Wistuba

Beim Stockfechten ist die Schutzkleidung Pflicht. Zwar darf man den Gegner nur an bestimmten Zonen berühren und ihn nur antippen, doch gelten die Schützer als Vorsichtsmaßnahme. Die Stockfechter tragen einen Tenue, einen gepolsterten Schutzanzug, Schienbeinschoner und einen gepolsterten Fechthelm. Das Stockfechtduell findet in einem neun Meter breiten Kreis statt. Ziel ist es, einen Treffer zu erlangen. Dabei gelten als Trefferzonen die Bereiche Schienbein/Wade, Bauch und der Kopf. Eine Berührung des Stocke mit diesen Zonen zählt als Treffer. In einem Duell gibt es sechs Treffer, wovon zwei horizontal und vier vertikal ausgeführt werden müssen. Bei den olympischen Spielen 1924 war das Stockfechten Teil des Programms, konnte sich aber bei Olympia nicht durchsetzten. Dennoch werden Europa- und Weltmeisterschaften im Stockfechten ausgetragen.

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24.10.2012, 12:00 Uhr

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