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Hochsicherheitszone mit Lichtkunstschau
Kein Feuerwerk, dafür ein vom Lichtkünstler Philipp Geist angestrahlter Dom so möchte man in diesem Jahr in Köln Silvester feiern. Foto: A4580/_Maja Hitij
Silvesternacht

Hochsicherheitszone mit Lichtkunstschau

Mehr Polizei, mehr Absperrungen, mehr Krisenkommunikation – Die Behörden in Köln erklären, wie man sicher ins neue Jahr zu rutschen gedenkt.

13.12.2016
  • DPA/EPD

Köln. Auf einem neuen Plakat stehen neben einem Herzen und den Umrissen des Doms zwei einladende Sätze: „Kommt gut ins neue Jahr! Fröhlich und sicher Silvester feiern in Köln.“ Gäbe es nicht die Vorgeschichte, könnte man es für die Einladung zu einer Party halten. Doch die Worte „Köln“ und „Silvester“ bereiten seit fast einem Jahr vielen Bürgern Unbehagen. Zusammen stehen sie für Deutschlands Probleme in der Flüchtlingspolitik, für das Versagen des Staats und für die traumatischen Erinnerungen hunderter Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind.

Der Stadt hängen die furchtbaren Ereignisse nach, die es im vergangenen Jahr am Hauptbahnhof gab. Entfesselte Männergruppen schossen wie wild Feuerwerk umher und begrapschten massenhaft Frauen. Weil viele Flüchtlinge unter den Tätern waren, geriet das gesellschaftliche Klima ins Rutschen. Köln galt als das Ende der „Willkommenskultur“. Eine Wiederholung will die Metropole um jeden Preis verhindern. Der Preis dafür ist eine Silvesterfeier als Hochsicherheitsereignis.

„Silvester 2016 wird gekennzeichnet sein durch eine sehr große Polizeipräsenz“, stellt Polizeipräsident Jürgen Mathies gestern klar. 1500 Beamte der Landespolizei, dazu rund 600 Ordnungskräfte im Auftrag der Stadt. Hinzu kommen etwa 800 Beamte der Bundespolizei unter anderem in Bahnhöfen und Zügen. Sie sollen schauen, welche Klientel sich auf den Weg nach Köln macht.

Ein Blick in den Maßnahmenkatalog verrät, dass es eine sehr spezielle Silvesterparty wird. Es wird mehr Videoüberwachung geben, unter anderem von Beleuchtungsmasten am Bahnhofsvorplatz. Die Hohenzollernbrücke wird für Fußgänger gesperrt, auch Verkehrssperren wird es geben. Zentrale Orte sollen mit Zusatzbeleuchtung aus der Dunkelheit geholt werden. Auf den Straßen werden etwa 20 Streetworker unterwegs sein. Selbst das Aufstellen von Toiletten an Orten, an denen „Wildurinieren“ erwartet wird, findet Erwähnung.

Köln weiß, was auf dem Spiel steht. Immer wieder spricht Oberbürgermeisterin Henriette Reker von „den Bildern“, die aus Köln um die Welt gehen werden. Eigens wurde der Berliner Lichtkünstler Philipp Geist engagiert, der die Domplatte mit einer futuristischen Videoshow in Szene setzen wird. „Die beste Antwort auf Schrecken wie im letzten Jahr ist, mit einem positiven Kunstereignis andere Bilder zu entwickeln“, sagte Geist. Um den Dom wird es eine Schutzzone geben, in der Böller verboten sind.

Auch die Kölner Polizei – nach der Silvesternacht wegen ihrer Kommunikation noch angezählt – betreibt mittlerweile eine forsche Pressearbeit. Journalisten können in diesen Tagen quasi täglich die letzten Handgriffe vor Silvester begleiten.

Man will miteinander reden

Ähnliches soll vor allem auch für die Kommunikation zwischen den Behörden gelten. Ein Einsatz-Koordinierungsstab aus Ordnungsamt sowie Landes- und Bundespolizei soll einen schnelleren Informationsaustausch gewährleisten, erklärte Reker. Der Stab unter Leitung der Stadt Köln solle dafür sorgen, dass der Silvesterabend „sicher, friedlich und fröhlich“ verläuft. Er war den Angaben zufolge bereits unter anderem an Karneval und bei Großdemonstrationen im Einsatz. Reker betonte, man wolle das Signal aussenden: „Köln ist wieder die sichere Stadt, die sie vor einem Jahr war, heute sogar noch sicherer.“

Und nicht nur für Köln steht viel auf dem Spiel. Ein wenig ist es so, als wolle die Stadt stellvertretend für viele andere die Wunden heilen, die der zurückliegende Jahreswechsel und die folgende Debatte aufgerissen haben.

„Das große Risiko ist natürlich, wenn doch etwas passiert“, sagt der Kommunikationswissenschaftler Ansgar Zerfaß von der Uni Leipzig. „In Köln ist die Wahrscheinlichkeit vielleicht nicht so hoch angesichts der vielen Polizisten. Aber was ist, wenn es Vorfälle in Düsseldorf, Dortmund oder Essen gibt?“, fragt er. „Dann würde sich der NRW-Innenminister wohl anhören müssen, dass er Köln sicher, andere Städte aber unsicherer gemacht hat.“ dpa/epd

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13.12.2016, 06:00 Uhr

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