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Nachholbedarf nur beim Zicken

Hochsprung-Meisterin Marie-Laurence Jungfleisch drängt sich ungern in den Vordergrund

Nach Ariane Friedrichs Absage hat die junge Marie-Laurence Jungfleisch (LAV Tübingen) in Ulm ihren ersten deutschen Meistertitel geholt. Der EM-Trubel 2012 hat das Verhältnis der Hochspringerinnen getrübt.

08.07.2013
  • WOLFGANG SCHEERER

Ulm So viele Autogramme schreiben! Für Marie-Laurence Jungfleisch war das Rekord - und eine pure Freude nach ihrem Flug über 1,92 Meter. Sie meisterte die Siegeshöhe bei der DM in Ulm im dritten Versuch und sprang jubelnd fast noch einmal so hoch. "Ich wollte diesen Titel unbedingt", sagte 22- Jährige von der LAV Tübingen glücklich. "Auch wenn Ariane nicht dabei war. Mir ist das vollkommen egal."

Vor großem Publikum, vor Eltern und Freunden hätte sie ein spannendes Duell mit Ariane Friedrich, 29, nicht gescheut. Die Absage der elfmaligen Deutschen Meisterin und Titelverteidigerin von der LG Eintracht Frankfurt am Vorabend der DM wegen ihrer Knieprobleme hatte aber auch ein Gutes: "Unser Verhältnis ist nicht gut", sagt Marie-Laurence Jungfleisch ganz offen über die sieben Jahre ältere 2,06-Meter-Springerin. Trotzdem: "Ich wäre gerne gegen sie gesprungen. Vielleicht hätte ich sie geschlagen."

Es war, was die Lufthoheit angeht, dennoch vielleicht schon der Beginn des sportlichen Machtwechsels. Marie-Laurence Jungfleisch ist das neue Gesicht des deutschen Hochsprungs. In Paris geboren (ihr Vater stammt aus Martinique in der Karibik), kam die Dreijährige mit ihrer Familie nach Freiburg. Vor zwei Jahren zog Marie-Laurence Jungfleisch nach Cannstatt. Tamas Kiss betreut sie, der langjährige Landestrainer. "Er kann sich, bei allem Fachwissen, unglaublich gut in einen Menschen hineindenken", sagt die junge Hochspringerin. Was sie selbst angeht, resultierte daraus der Rat: "Du musst im Wettkampf zickiger sein!" Was das bedeutet? "Andere Athletinnen heben zum Beispiel beim Einspringen den Arm, zeigen deutlich: Ich bin jetzt dran!", erklärt Marie-Laurence Jungfleisch und fügt hinzu: "Ich dränge mich nicht gern in den Vordergrund."

Kein Wunder, dass die Chemie zwischen ihr und dem extrovertierten Star der Hochsprung-Szene seit der Europameisterschaft 2012 in Helsinki gestört ist. Ariane Friedrich, damals nach Achillessehnen- und Schulteroperation noch ohne Olympia-Norm, machte im Team-Hotel wegen ihres rebellierenden Magens die Nacht zum Tag. Zimmerkollegin Jungfleisch musste am Ende den Mannschaftsarzt verständigen. "Alles in allem hatte ich nur vier Stunden Schlaf", erzählt die Wahl-Stuttgarterin, die als Erzieherin im Kindergarten "Muckensturm" arbeitet.

Während sie nach dem ganzen Trubel beim wenig später angesetzten Wettkampf in der Qualifikation hängen blieb, war die große Ariane Friedrich schon auf der Rückreise nach Deutschland - und wurde später sogar noch mit "Wild Card" des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Sommerspiele belohnt, wo sie das Finale mit 1,93 Metern verpasste. Jungfleisch hatte die Norm von 1,95 zwar etwas zu spät erfüllt, wäre bei einem Verzicht Friedrichs aber nachgerückt. Doch Ariane Friedrich zog es trotzdem durch. Seither herrscht Funkstille.

Ob sie sportlich bis zum 28. Juli noch etwas von sich hören lässt? Dann endet der Qualifikationszeitraum für die WM in Moskau. Marie-Laurence Jungfleisch ist mit ihren 1,95 Metern in dieser Saison und dem Leistungsnachweis von Ulm (erwartet waren mindestens 1,91) endgültig startberechtigt.

"Ich freue auf die WM in Moskau und darauf zu sehen, wie Weltklasse-Athleten sich auf den Wettkampf vorbereiten", sagt sie. Und: "Ich will natürlich noch höher springen." Von den 2,06 Metern, Ariane Friedrichs deutschem Rekord aus dem Jahr 2009, trennt Marie-Laurence Jungfleisch noch eine kleine Welt. Umringt von Autogrammsammlern war der Unterschied in Ulm nicht wirklich auszumachen.

Hochsprung-Meisterin Marie-Laurence Jungfleisch drängt sich ungern in den Vordergrund
Zum ersten Mal Deutsche Freiluft-Meisterin im Hochsprung: Marie-Laurence Jungfleisch von der LAV Tübingen. Foto: Volkmar Könneke

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08.07.2013, 12:00 Uhr

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