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Höchst politische Tropfen
Waren aus Siedlergebieten

Höchst politische Tropfen

24.11.2015
  • PETER GÄRTNER

Selten haben ein paar Weinflaschen so viel Aufmerksamkeit erhalten. Immer wieder suchten gestern Interessierte in der wahrlich nicht kleinen Weinabteilung des Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) nach den Rebensäften aus israelisch besetzten Gebieten. Denn in der vergangenen Woche hat die Geschäftsführung als eines der ersten Handelshäuser in Deutschland einen vorläufigen Verkaufsstopp für Weine aus jüdischen Siedlungen verhängt.

Tatsächlich standen die acht Rot- und Weißweinsorten aus dem Westjordanland, den Golanhöhen und Ost-Jerusalem gestern wieder im Holzregal der Feinschmeckerabteilung. Die Entscheidung des KaDeWe hatte in Israel scharfe Kritik auf höchster politischer Ebene ausgelöst. „Dieses Kaufhaus war in jüdischem Besitz, die Nazis haben es enteignet“, erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem. Es sei absurd, dass es Produkte erst kennzeichne und dann ganz aus dem Verkauf nehme - „ein echter Boykott“.

Der Protest hatte Erfolg. Die Geschäftsführung des Kaufhauses entschuldigte sich und räumte ein, dass „hausintern zu rasch und unsensibel“ gehandelt worden sei. Das KaDeWe sei „stolz auf sein internationales Sortiment“, es stehe für Weltoffenheit und lehne „jede Form der Diskriminierung und Intoleranz“ ab.

Anlass der Auseinandersetzung ist eine neue EU-Verordnung, die eine Kennzeichnung

für Pro-

dukte aus israelischen Siedlungen in den besetzten Gebieten vorsieht. Allerdings sieht die EU-Richtlinie, die den Mitgliedsstaaten eine gewissen Spielraum erlaubt, lediglich vor, dass die Herkunft der israelischen Erzeugnisse auf dem Etikett vermerkt wird. Bei den im KaDeWe angebotenen israelischen Weinsorten ist nur schwer zu erkennen, ob es sich um Siedlerware handelt. Denn außer „Wine of Israel“ finden sich keine näheren Herkunftsangaben auf den Flaschen. Details werden nur auf einem kleinen rückseitigen Etikett in Hebräisch angegeben.

Das KaDeWe jedenfalls verzichtete gestern auf eine genauere Kennzeichnung - ob dem Edelkaufhaus jetzt möglicherweise EU-Sanktionen drohen, bleibt abzuwarten.

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24.11.2015, 08:30 Uhr | geändert: 24.11.2015, 06:01 Uhr

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